
Unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen von der Welt fassen wir gerne wie auch unsere Wirklichkeitskonstruktionen in visuelle Metaphern. Eine der meist gebrauchten und auch im systemischen Feld äußerst beliebten ist die Brillen-Metapher, die zum Grundvokabular des systemischen Wörterbuches gehört. Sie postuliert, dass ein unterschiedliches Bild der Wirklichkeit entstehe, je nachdem, welche Brille wir gerade aufsetzen. Diese Metapher soll verständlich machen, dass Wirklichkeit nicht einfach gegeben, sondern immer perspektivisch konstruiert ist, sie liegt gewissermaßen im Auge des Betrachters. Was uns nicht auffällt, wenn wir die Brille nicht wechseln. Ludwig Wittgenstein hat es in den Philosophischen Untersuchungen knapp formuliert: „Die Idee sitzt gleichsam als Brille auf unsrer Nase, und was wir ansehen, sehen wir durch sie. Wir kommen gar nicht auf den Gedanken, sie abzunehmen“ (S. 50).
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