systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

22. Oktober 2020
von Tom Levold
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Gunthard Weber wird 80!

Lieber Gunthard,

alle fünf Jahre ein runder Geburtstag – und wie immer wird er auch im systemagazin gefeiert. Zum 65. Geburtstag ist hier unser Gespräch erschienen, das wir in Halle abseits der SG-Tagung über Leben als Lerngeschichte geführt haben, dann waren die 70 und die 75 dran – und nun 80 Jahre, was für ein Datum! Eine lange Lebens- und Lerngeschichte in der Tat. Ich freue mich, dass wir uns seit 40 Jahren an allen möglichen Orten und zu allen möglichen Anlässen immer wieder begegnen und uns über unsere Entwicklungen, Freuden und Nöte auf dem Laufen halten. Du warst der erste, mit dem ich auf dem DAF-Treffen 1993 in Frankfurt die Idee zur Gründung der SG besprochen habe, und ohne diesen Schritt wäre es wohl nicht so schnell in diese Richtung gegangen. Für deinen Zuspruch als Förderer, Freund und Kollege in all diesen Jahren danke ich dir von Herzen.

Für die kommende Zeit wünsche ich dir alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit, Verbundenheit mit den Menschen, die dir wichtig sind, und auch in Zukunft viele beglückende emotionale und intellektuelle Erlebnisse!

Herzliche Grüße,
Dein Tom


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20. Oktober 2020
von Tom Levold
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Anni Michelmann wird 75!

Anni Michelmann

Heute feiert Anni Michelmann ihren 75. Geburtstag und systemagazin gratuliert von Herzen.

Anni Michelmann ist aus der psychotherapeutischen Szene nicht wegzudenken, ihre Bemühungen um die wissenschaftliche und sozialrechtliche Anerkennung der Systemischen Therapie, ihre Beiträge für die Schmiedung von Allianzen zwischen den unterschiedlichsten Akteuren in diesem Feld, die beharrliche Lobby-Arbeit im politischen Feld und ihre Tätigkeit als berufspolitische Vertreterin von DGSF und SG haben ganz wesentlich den Weg zur Etablierung der Systemischen Therapie geebnet. Auch innerhalb der systemischen Verbände war sie mit ihrer Energie, mit der sie diese Politik nicht nur verfolgte, sondern auch mit dem entsprechenden Druck auf die Schiene setzte, eine maßgebliche Akteurin. Wie sie das alles hinbekommen hat, ist mir bis heute schleierhaft geblieben. Die meisten ihrer emails trafen nach Mitternacht, oft erst gegen 3 oder 4 h morgens ein.

Ich habe Anni Mitte der in den 80er Jahren kennengelernt, uns verband die Mitgliedschaft in der DAF, aber darüber hinaus eher wenig. 1986 kam es in Köln auf einem DAF-Treffen zu einer relativ heftigen Auseinandersetzung über die Notwendigkeit der Gründung eines neuen Verbandes, des DFS, Anni und ich waren auf unterschiedlichen Seiten der Debatte, weil eine Reihe von Instituten, u.a. die IGST und die APF, die ich damals vertrat, dem Beitritt zum DFS ablehnend gegenüber standen. Ähnliches wiederholte sich dann im Zuge der Fusion von DFS und DAF zur DGSF, als Kurt Ludewig und ich für die SG die Einladung zur Beteiligung an der Fusion ablehnten. Wir haben uns daher eher kritisch gegenübergestanden.

Näher kennengelernt haben wir uns dann Anfang des Jahrtausends, als DGSF und SG den Auftrag zur gemeinsamen Durchführung der Jahrestagung 2004 der EFTA in Berlin erhielt. Es formierte sich eine Arbeitsgruppe (Anni Michelmann, Gisal Wnuk-Gette, Wilhelm Rotthaus, Friedebert Kröger, Arist von Schlippe, Kurt Ludewig und ich), die über mehrere Jahre diese Tagung, mit 3.500 eine der größten Tagungen einer einzigen Psychotherapie-Richtung in Deutschland, vorbereitete und durchführte. In diesen Jahren lernten wir uns gut kennen und schätzen. Ein spätes Ergebnis dieser wunderbaren Zusammenarbeit war dann 2014 unser Revival als Vorbereitungsgruppe der Systemischen Geschichtswerkstatt, die seit einiger Zeit für jeden frei zugänglich ist.

2003 wurden wir dann als Vertreter von DGSF und SG von der DGSv zu einem Gespräch in Köln gemeinsamen mit Vertretern anderer Supervisions-Fachverbände eingeladen. Wie sich zu unserer Irritation herausstellte, wollte der Vorstand der DGSv dieses Gespräch nutzen, um den anderen Verbänden, die als Konkurrenten betrachtet wurden, anzubieten, ihre jeweiligen SV-Weiterbildungsabschlüsse durch die DGSv (natürlich kostenpflichtig) zertifizieren zu lassen. Anni und ich hatten uns aber eine andere, konfrontative Strategie überlegt, die dann auch zu einer völligen Wendung des Gespräches führte, nämlich zur Gründung des gemeinsamen Verbändeforums Supervision, die zu einer ausgesprochen guten, vertrauensvollen und ergiebigen Zusammenarbeit der Verbände für die nächsten Jahre führen sollte – einschließlich der Veranstaltung von drei größeren Tagungen.

Liebe Anni,
auf das Ergebnis deiner Arbeit kannst du wirklich mit Stolz und Zufriedenheit zurückschauen. Ich wünsche dir für die kommenden Jahre alles Gute, Gesundheit und weiterhin viel Energie für all die Dinge, die dir wichtig sind und die du noch machen und erleben möchtest. und vielleicht fällt ja auch noch die eine oder andere Begegnung mit Weggefährten darunter.

Herzliche Grüße
Tom Levold
Herausgeber systemagazin


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9. Oktober 2020
von Tom Levold
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Linde v. Keyserlingk (8.5.1932 – 2.10.2020)

Am 2.10.2020 starb in Stuttgart die Familien- und Kindertherapeutin und Kinderbuchautorin Linde v. Keyserlingk. Arist von Schlippe und Gatis Bušs aus Lettland nehmen hier von ihr Abschied.

„Linde war für uns ein Fenster nach Europa“ 

Gatis Bušs (Riga) und Arist v.Schlippe (Osnabrück) zum Tode von Linde v. Keyserlingk

Erster Teil (Arist v.Schlippe)

Am 2.10.2020 starb die Stuttgarter Familientherapeutin Linde v. Keyserlingk im Alter von 87 Jahren. Vermutlich werden nur wenige LeserInnen des Systemagazins ihren Namen kennen. Doch soll ihr komplexes Lebenswerk an dieser Stelle gewürdigt werden, es ist mehr als der Erwähnung wert. 

Sie war eine außergewöhnliche Frau, eine engagierte Familientherapeutin, Kindertherapeutin, Praktikerin und große Erzählerin. Ihre Bücher für die Kinderseele aus dem Patmos-Verlag sind bis heute lesenswert, sie erreichen verletzte Kinderseelen durch sensible kleine Geschichten (beson­ders bedeutsam finde ich: „Geschichten für die Kinderseele“ und: „Da war es auf einmal so still“ – über den kindlichen Umgang mit Tod und Sterben). Ihre Empathie und Intuition verbanden sich mit Kreativität und Genauigkeit – und so verstand sie viel davon, wie man Familien helfen kann, Belas­tungen in Chancen zu verwandeln. Ein Beispiel fällt mir hierzu ein: Einer ihrer Schwerpunkte war die Sandspieltherapie, deren Verbindung zu systemischen Konzepten gerade in jüngster Zeit wieder diskutiert wird. Ein Video, in dem sie mit einem multikulturellen Paar mit dieser Methode arbeitet, hat mich besonders beeindruckt. Beide Partner bauen hier jeweils ihren persönlichen Lebensent­wurf mit Figuren und Symbolen im Sand auf. Das Bild der deutschen Frau zeigt ein typisch deut­sches „Märchenhaus“, rote Ziegel, mit Tannen umgeben. Ihr afrikanischer Mann baut eine typische Szenerie aus seiner Heimat. Beide bekommen nun die Aufgabe, jeweils sieben Symbolfiguren aus dem eigenen Kasten herauszunehmen und in einem dritten Sandkasten eine gemeinsame neue Szenerie zu bauen. Es ist ein bewegendes Beispiel, wie man symbolisch Geschichten neu erzählen und an der Verbindung von Kulturen arbeiten kann.

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2. Oktober 2020
von Tom Levold
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Verbandsentwicklung am Beispiel der DGSF

Tom Levold, Köln:

Die Reihe „Leben. Lieben. Arbeiten: systemisch beraten“, die seit einiger Zeit im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht unter der Herausgeberschaft von Jochen Schweitzer und Arist von Schlippe erscheint, umfasst kleinformatige, ca. 90 bis 100 Seiten starke Büchlein, die „kurz, kompakt und anschaulich [beleuchten sollen], wie systemische Beratung zur Lösung alltäglicher schwieriger Lebenslagen in existentiellen Grenzsituationen (»Leben«), intimen Beziehungen (»Lieben«) und im Beruf (»Arbeiten«) hilfreich sein kann“.

In dieser Reihe ist nun ein Band der drei ehemaligen Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF) – Wilhelm Rotthaus, Jochen Schweitzer und Enno Hermans – erschienen, in dem sie ihre Überlegungen zur „Verbandsentwicklung am Fallbeispiel der DGSF“ zusammenfassen. Der launige Titel „Das Ganze Systemische Feld” verdankt sich seinem Akronym DGSF, das er mit der Abkürzung des Verbandes teilt.

In der Einleitung legen die Autoren ihren Anspruch dar, den sie mit diesem Band verwirklichen wollen, nämlich einmal Menschen, die mit Verbandsangelegenheiten praktisch zu tun haben, „Anregungen zu einer Gestaltung ihrer Organisation geben“ zu wollen, Beraterinnen „für Besonderheiten sowie die typischen Stärken und Schwächen der Beratung von vorwiegend ehrenamtlichen, gemeinnützigen, idealistisch motivierten Non-Profit-Institutionen [zu]sensibilisieren“ und der DGSF zu ihrem 20. Geburtstag eine kurze Entwicklungsgeschichte und „kleine ,Geschichtensammlung’“ zu schenken (S. 16). Für 90 Seiten ist das schon eine starke Agenda, die zumindest für den dritten Punkt gut eingelöst wird. Alle drei Autoren tragen zu den von ihnen als Vorsitzende verantworteten Zeitabschnitten wichtige Entwicklungsschritte in der Verbandsentwicklung, Hinweise auf programmatische und organisatorische Kontroversen sowie zahlreiche Anekdoten, z.T. auch von anderen in der Verbandsentwicklung wichtigen Personen zusammen, so dass sich ein lebendiges Bild einer überaus schnell wachsenden sowie kreativ und flexibel auf die damit verbundenen innerorganisatorischen Herausforderungen reagierenden Organisation ergibt.

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1. Oktober 2020
von Tom Levold
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Bundesverdienstkreuz für Jürgen Kriz

Ordensverleihung – Herr Professor Dr. Jürgen Kriz erhält das Bundesverdienstkreuz (Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland). Foto: Swaantje Hehmann

Jürgen Kriz ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seinen Einsatz für die Förderung und die wissenschaftliche Anerkennung der Humanistischen Psychotherapie in Deutschland sowie die konsequente Umsetzung humanistischer Werte ausgezeichnet worden. Die Übergabe durch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert fand am Dienstag, 29. September, im Rahmen einer Feierstunde im Osnabrücker Rathaus statt (Foto: Jürgen Kriz mit seiner Frau Gila und Wolfgang Griesert).

In der Pressemitteilung der Universität Osnabrück heißt es: „1944 in Ehrhorn geboren, studierte Kriz Psychologie, Philosophie und Pädagogik sowie Astronomie und Astrophysik an den Universitäten Hamburg und Wien, an der er 1969 auch promoviert wurde. 1974 bis 1999 hatte er den Lehrstuhl für Empirische Sozialforschung, Statistik und Wissenschaftstheorie an der Universität Osnabrück inne. 1980 wechselte er zum Fachbereich Psychologie, in dem er bis 1999 überlappend mit der Methoden-Professur die Professur Psychotherapie und Klinische Psychologie übernahm.

Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2010 lehrte Kriz an der Universität Osnabrück, hatte aber auch zahlreiche Gastprofessuren in Wien, Zürich, Berlin, Riga, Moskau und den USA inne. Schon seit vielen Jahren engagiert er sich für die Umsetzung der Wissenschaft im sozialen Bereich. Die Entwicklung, Erprobung und Evaluation von Patientenschulungsprogrammen hat er in Kooperation mit dem Christlichen Kinderhospital Osnabrück maßgeblich vorangetrieben. Zudem hat er sich dort für eine familienzentrierte psychologische Begleitbetreuung von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Auch an der Gründung der Telefonseelsorge in Osnabrück vor 30 Jahren war Kriz federführend beteiligt.

National sowie international ist er ein geschätzter Lehrender, Forscher und Gutachter und gilt als einer der führenden psychotherapeutischen Experten. Aufgrund seiner herausragenden Leistungen wurde er schon mit zahlreichen Ernennungen und Auszeichnungen geehrt, u.a. dem Viktor-Frankl-Preis, dem Preis der Dr. Margrit Egnér-Stiftung, dem Ehrenpreis der Gesellschaft für personenzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V., und dem Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT).

,Es ist für mich eine Ehre, das Bundesverdienstkreuz für mein Bemühen um eine menschengerechtere Wissenschaft, Psychotherapie und Gesellschaft erhalten zu haben. Ich freue mich sehr, dass damit indirekt auch der große Einsatz sehr vieler Menschen für die Humanistische Psychotherapie in Deutschland anerkannt und gewürdigt wird’, so Prof. Kriz über seine Auszeichnung.“

Arist von Schlippe hat in seiner Laudatio zur Preisverleihung betont: „Jürgen Kriz hat sich seit Beginn seiner akademischen Tätigkeit damit auseinandergesetzt, dass gerade in einer von Messdaten beherrschten Welt die Aufgabe der Wissenschaft darin besteht, mit Wissen verantwortlich umzugehen, also nicht allein auf die Sicherheit statistischer Signifikanzen zu vertrauen. „Wo bleibt die Verantwortung des Menschen in einer von Messdaten beherrschten Lebenswelt?“ war der Titel seines Vortrags anlässlich der Verleihung des Margrit Egner-Preises, eines der höchsten Schweizer Psychotherapiepreise, der ihm vor beinahe einem Jahr in Zürich verliehen wurde.

Wir leben in einer von Sinnzusammenhängen durchsetzten seelischen und sozialen Welt. Es ist eine einzigartige menschliche Fähigkeit, auf komplexe Weise Sinn zu erzeugen. Dieses Thema hat Jürgen Kriz immer beschäftigt – die Kategorie Sinn gilt ja für psychische wie für soziale Systeme gleichermaßen. Um diese zu verstehen, braucht es eine weit gestellte Optik, eine, die die Psychologie nicht allein aus ihren naturwissenschaftlichen Wurzeln heraus leisten kann.

So war es für ihn eine besondere Herausforderung, den wissenschaftlichen Blick offenzuhalten – in der Psychologie im Allgemeinen und in der Psychotherapie im Besonderen. Sein konkretes Anliegen war es, die Perspektiven der Humanistischen und der systemischen Psychotherapieformen zusammenzuführen und zugleich ihre Besonderheit zu betonen. Es sind zwei Verfahren, denen hier – anders als in anderen Ländern – lange Zeit die Marginalisierung drohte. Sein Engagement ging weit über das Akademische Feld und weit über sein aktives Berufsleben hinaus. Ich erinnere mich gut an eine Situation, deutlich mehr als 20 Jahre her, als er sagte: „Ich habe mich entschieden, mich einzumischen! Das, was hier in der Psychotherapie passiert, kann nicht so bleiben!“ Und genau das hat er getan. Er hat dafür gesorgt, dass die Psychotherapielandschaft in Deutschland heute von Artenvielfalt geprägt ist. Und wir alle wissen, dass Artenvielfalt die Voraussetzung für ein stabiles ökologisches Gleichgewicht ist.“

systemagazin gratuliert ganz herzlich zu dieser Auszeichnung!

24. September 2020
von Tom Levold
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Gestalt in Coaching und Beratung

„Gestalt in Coaching und Beratung“ – so lautet das Thema der aktuellen Ausgabe von Organisationsberatung Supervision Coaching. Wolfgang Loos, Monika Stützle-Hebel und Thomas Bachmann liefern die Beiträge zum Thema. Darüber hinaus finden sich aber noch Beiträge zu weiteren unterschiedlichen Themen wie dem Zusammenhang von Coaching-Ausbildung und Coaching-Erfahrung, der Organisationsentwicklung aus politischen Gründen am Beispiel der Geschlechterquote, der Führung hybrider Organisationen am Beispiel der Hochschule, die Wirkung eines Dilemma-Kompetenz-Trainings für mittlere Führungskräfte im Krankenhaus, Interkulturelles Coaching für geflüchtete Fachkräfte in Gesundheitsberufen und Perspektiven für das Coaching nach der Corona-Krise.
Alle bibliografischen Angaben mit allen abstracts gibt es hier zu lesen…

22. September 2020
von Tom Levold
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Ulrich Clement wird 70!

Heute feiert Ulrich Clement seinen 70. Geburtstag – und systemagazin gratuliert von Herzen.

Uli Clement hat mit seinen Lehr- und Forschungstätigkeiten, seinen Beiträgen als Herausgeber der Familiendynamik und Autor zahlreicher Bücher und Aufsätze sowie als Therapeut und Supervisor wesentlich zur Entwicklung des systemischen Ansatzes im deutschsprachigen Raum beigetragen, seine Arbeiten zum Thema systemischer Sexualtherapie ragen nicht nur aus dem sexualtherapeutischen Diskurs heraus, sondern auch aus der systemischen Literatur hierzulande.

Nach einem Studium der Psychologie, Pädagogik, Ethnologie und Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Mannheim, Hamburg und Hannover und einem Diplom in Psychologie 1975 schlossen sich seine Promotion 1986 und seine Habilitation 1992 an. Seit 1975 war er in Lehre, Forschung, Psychotherapie und Supervision an den Universitäten Hamburg, Heidelberg, Freiburg i.Br. und Basel tätig, hinzu kamen Forschungsaufenthalte in Griechenland und den USA; dort war er Research Associate des HIV Center in New York. Er war apl. Professor für Medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg und ist Leiter des Instituts für Sexualtherapie Heidelberg (ifsex.de), darüber hinaus seit langer Zeit als Dozent und Lehrtherapeut der Internationalen Gesellschaft für systemische Therapie (IGST) e.V. bekannt. 2000-2001 war er Präsident der International Academy of Sex Research 2000-2001, von 2003 bis 2007 Mitherausgeber der Familiendynamik.

Lieber Uli,

wir kennen uns schon eine lange Zeit, in der mich deine präzise Art zu denken und zu schreiben, dein lässig-eleganter Stil und dein Sinn für Humor und freundliche Ironie, mit der du auch die schwierigen Dinge des Lebens nimmst, immer beeindruckt hat. Zum runden Geburtstag wünsche ich dir alles Gute, vor allem soviel Gesundheit wie möglich, Zeit und Genuss, Anregung und Erholung, Zuversicht und Glück – und natürlich uns im systemischen Feld auch in Zukunft deinen guten Blick auf die Dinge. Let life be good to you!

Ganz herzlich
Tom Levold
Herausgeber systemagazin

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19. September 2020
von Tom Levold
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Jugendämter nahmen 2019 rund 49 500 Kinder zu ihrem Schutz in Obhut

WIESBADEN – Die Jugendämter in Deutschland führten im Jahr 2019 rund 49 500 vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, sogenannte Inobhutnahmen, durch. Das waren knapp 3 100 Fälle und somit 6 % weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Weltkindertag am 20. September mitteilt. Hintergrund dieser Entwicklung ist ein erneuter Rückgang von Schutzmaßnahmen nach unbegleiteter Einreise aus dem Ausland: Deren Zahl sank im Vergleich zum Vorjahr um 29 % auf gut 8 600 Inobhutnahmen. Währenddessen stieg die Zahl der Schutzmaßnahmen aus anderen Gründen um 1 % auf rund 40 900 Fälle an. Langfristig setzt sich damit ein weiterer Trend fort: In den letzten zehn Jahren sind die Inobhutnahmen aus anderen Gründen mit leichten Schwankungen um 30 % angestiegen – von rund 31 500 Fällen im Jahr 2009.

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13. September 2020
von Tom Levold
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Digitalisierung

Als das im Juni erschienene Heft 2 des aktuellen Kontext-Jahrgangs geplant wurde, war die Corona-Pandemie noch nicht absehbar, die so viele Lehrende und Lernende, BeraterInnen und KlientInnen, Coaches und Coachees unerwartet mit der Notwendigkeit konfrontiert hat, die neuen digitalen Kommunikationsmedien intensiver nutzen zu müssen, als sie sich hätten vorstellen können (und wollen).

Die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung durch Professionelle in Beratung, Therapie, Supervision, Coaching und Weiterbildung hat damit eine neue Dringlichkeit erfahren, insofern ist dieses Heft (auch wenn es nur in einem Beitrag außerhalb des Themenschwerpunktes explizit um die Folgen der Pandemie geht) mehr als aktuell – Marc Weinhardt hat es als Gastherausgeber betreut. In seinem Editorial schreibt er: „Was bedeutet Digitalisierung für (systemische) Beratung und Therapie? Die Frage ist komplex, und ein Themenheft wie das vorliegende kann sicherlich nur eine erste Orientierung geben. Diese halte ich allerdings für dringend geboten, um allfälligen Verkürzungen in der Diskussion um Digitalisierungsphänomene in der systemischen Community zuvorzukommen – einerseits lässt sich nämlich eine Intensivierung des Fachdiskurses beobachten (…), die aber andererseits in der Fläche noch nicht wahrgenommen wird.

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7. September 2020
von Tom Levold
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Für Kurzentschlossene: „Was man von hier aus sehen kann – Systemisch coachen in der Arbeitswelt“

Die Fachgruppe Supervision – Coaching – Organisationsentwicklung (SCO) der DGSF lädt herzlich zur Teilnahme am Fachdiskurs am Samstag, dem 12. September 2020 ein. Das Treffen ist auch für Systemiker:innen  offen, die keine Mitglieder der DGSF und/oder der Fachgruppe sind und findet als  Online-meeting in der Zeit von 11 bis 15 Uhr* stattfinden. 

Zur Eröffnung des Fachdiskurses haben wir eine Expertin und zwei Experten und gebeten, mit drei kurzen pointierten Eingangsimpulsen für Anregung und Diskussionsstoff zu sorgen, indem sie ihnen wichtige Aspekte des Themenfeldes hervorheben:

Prof. Dr. Renate Zwicker-Pelzer, Dipl. Päd.; Dipl. Soz.päd.; (em) Professur für Beratung und Erziehungswissenschaft, an der Kath. Hochschule NRW.  Langjährige Co-Vorsitzende im Vorstand der DGSF, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Dt. Gesellschaft für Beratung (DGfB), einem Dachverband von heute 23 Verbänden im Feld von Beratung mit der Aufgabe, der Fachöffentlichkeit, der Politik und dem Verbraucher einen Orientierungsrahmen für die Qualität von Beratungsleistungen zu bieten. Supervisorin (DGSv/DGSF), Systemische Beraterin, Familientherapeutin (DGSF), Lehrende für Beratung, Familientherapie und Supervision (DGSF), Ehe-,Familien-Lebensberaterin (BAG), Heilpraktikerin Psychotherapie. Sie lebt in Erftstadt-Liblar bei Köln.

Prof. Dr. Holger Lindemann, Dipl.Päd., Professur für Entwicklungspsychologe und systemische Beratung an der MSB Medical School Berlin, Leiter des HafenCity Institut für systemische Ausbildung HISA an der MSH Medical School Hamburg, Autor zahlreicher Fachbücher, beispielsweise zu den Themengebieten systemische Beratung und Therapie, Systemtheorie und Konstruktivismus, sowie Schulentwicklung und Inklusion. Holger Lindemann wurde für die Exzellenz seiner Lehre ausgezeichnet. Er ist zertifizierter Mediator, sowie zertifizierter Lehrender (SG/DGSF) für Systemische Beratung, Systemische Supervision und Systemisches Organisationsentwicklung. Er lebt und arbeitet in Berlin, Hamburg und Oldenburg.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Balz, Dipl.Psych., Professur an der Evang. Hochschule Bochum im Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Diakonie, Psychologie. Darüberhinaus tätig als Lehrender am Institut für lösungsfokussierte Kommunikation (ILK) mit Sitz in Bielefeld. Frühere Tätigkeiten im Psychologischen Dienst des Arbeitsamtes in Herford, Dortmund, Hamm und Bielefeld; der Pädagogisch-psychologischen Beratungsstelle der Universität Bielefeld, am Oberstufenkolleg Bielefeld und der FH Bielefeld. Mitglied im Deutschen Bundesverband Coaching (DBVC e.V.), zertifiziert als Senior Coach. Zertifiziert als Systemischer Coach und Supervisor; Systemischer Therapeut (SG und DGSF). 

Daran anschließend laden wir ein, in drei parallel tagenden Diskussionsräumen in einer überschaubar großen Runde die dargelegten Positionen kritisch zu befragen , um eigene Erfahrungen und Sichtweisen zu bereichern und dabei neben der Ist-Situation auch über wünschenswerte Zukünfte systemischen Coachings miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei richtet sich der Fokus auf drei unterschiedliche Aspekte/Rollen:

• Ich als Systemischer Coach

•  Ich als Dienstleister mit meinem Institut, meiner Beratungsorganisation etc.

•  Ich als Mitglied eines Systemischen Fachverbandes

In einer letzten Runde wollen wir Ideen austauschen, was wir unternehmen können, um als in der Arbeitswelt tätige Systemiker:innen deutlicher wahrgenommen zu werden.

Das ausführliche Programm findet sich auf der Fachgruppenseite https://www.dgsf.org/ueber-uns/gruppen/fachgruppen/systemische-supervision-coaching-und-organisationsentwicklung/  

Eine Anmeldung unter fachgruppe-sco|at|dgsf.org hilft, die Veranstaltungsgröße abzuschätzen, ist aber keine Voraussetzung zur Teilnahme. 

Teilnahmelink https://us02web.zoom.us/j/9113294800?pwd=a1ZEY29qQVJZendpYm1VOXBqbGo5dz09 
oder die Meeting-ID: 911 329 4800 und den Kenncode: 995899 manuell eingeben! 

* Bereits ab 10 Uhr ist es möglich, sich unter dem untenstehenden link in das meeting einzuwählen, sich mit der Technik vertraut zu machen und im lockeren Gespräch mit Kolleg:innen Erfahrungen und Ideen auszutauschen.

Gunda Busley * Maurice Malten * Peter Wattler-Kugler
SprecherInnen der DGSF-Fachgruppe Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung

27. August 2020
von Tom Levold
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Kinderschutz: Jugendämter melden erneut 10 % mehr Kindeswohlgefährdungen

WIESBADEN (27.8.2020) – Die Jugendämter in Deutschland haben im Jahr 2019 bei rund 55 500 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren das 10 % oder rund 5 100 Fälle mehr als 2018. Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen ist damit das zweite Jahr in Folge um 10 % auf einen neuen Höchststand angestiegen. Ein Grund für den Anstieg könnte die umfangreiche Berichterstattung über Missbrauchsfälle in den vergangenen beiden Jahren sein, die zu einer weiteren generellen Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie der Behörden geführt haben dürfte. Gleichzeitig können auch die tatsächlichen Fallzahlen gestiegen sein. Bundesweit hatten die Jugendämter 2019 über 173 000 Verdachtsfälle im Rahmen einer Gefährdungseinschätzung geprüft, das waren rund 15 800 mehr als im Vorjahr. 

Verfahren zur Kindeswohlgefährdung

Den neuen Ergebnissen zufolge war jedes zweite gefährdete Kind jünger als 8 Jahre. Während Jungen bis zum Alter von 13 Jahren etwas häufiger betroffen waren, galt dies ab dem 14. Lebensjahr für Mädchen. Die meisten Minderjährigen wuchsen bei Alleinerziehenden (42 %), bei beiden Eltern gemeinsam (38 %) oder einem Elternteil in neuer Partnerschaft auf (11 %). Etwa die Hälfte der gefährdeten Kinder und Jugendlichen nahm zum Zeitpunkt der Gefährdungseinschätzung bereits eine Leistung der Kinder- und Jugendhilfe in Anspruch. Nur 4 % von ihnen suchten selbst Hilfe beim Jugendamt, am häufigsten kam aber ein Hinweis von Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft (22 %), Schulen und Kitas (17 %) oder aus dem privaten Umfeld beziehungsweise anonym (15 %). 

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18. August 2020
von Tom Levold
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Essen für Beirut

In seinem aktuellen Monats-Newsletter macht Jochen Leucht vom Tandem-Institut in Freiburg auf die aktuelle Situation in Beirut aufmerksam mit der einer Bitte um die Unterstützung eines aktuellen Hilfe-Projektes, der ich mich auf diese Weise gerne anschließe:

„Der vorliegende Monatsbrief unterbricht die Tradition, sich mit ausgesuchten fachlich-systemischen Inhalten vertieft auseinanderzusetzen und – als Impuls aufbereitet – zur Verfügung zu stellen. Ausnahmsweise und von ganzem Herzen wollen wir Sie um Unterstützung bitten.

Nach der verheerenden Explosionskatastrophe in Beirut befinden sich die verzweifelten Menschen in der libanesischen Hauptstadt in einer Ausnahmesituation. Noch immer wird nach Vermissten und Verschütteten gesucht, die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen ist zuletzt auch aufgrund fehlender Masken stark angestiegen und das von chronischer Korruption heimgesuchte Land befindet sich nach dem Rücktritt der Regierung in einer schweren innenpolitischen Krise. Viele Bewohner*innen Beiruts sind obdachlos geworden und viele hatten aufgrund der katastrophalen Wirtschaftslage der letzten Monate schon vorher keine Arbeit mehr.

In Beirut geht es derzeit vor allem ums Überleben und viele Bewohner*innen müssen um ihr tägliches Brot kämpfen. Hier kommt mein lieber Freund Oliver Habboub ins Spiel. Er stammt aus Beirut, Verwandte von ihm leben dort und er hat einen engen und persönlichen Bezug zu den Menschen und zu diesem schönen Land. Er kennt viele Menschen, die von dieser katastrophalen Situation betroffen sind, persönlich. So wie er auch Marianne Abou Jaoude persönlich kennt. Sie lebt und arbeitet in Beirut und ist Chefköchin und Gründerin der Aktion Food for Resilience, in der sie gemeinsam mit The Food Heritage Foundation libanesische Köche aufruft, gemeinsam zu kochen und an die notleidenden Menschen in den Straßen Beiruts zu verteilen.

Oliver hat sich entschlossen, hier in Deutschland Spenden zu sammeln. Die Spenden werden von ihm direkt und ohne weitere Gebühren (außer denen von betterplace) an die Organisation zu überweisen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn auch Sie diese Initiative ein  wenig unterstützen würden: https://www.betterplace.me/supportbeirut

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