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Online-Journal für systemische Entwicklungen

Beratungskontexte und Beratungssettings

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Das aktuelle Heft der Zeitschrift „Kontext“ widmet sich dem Schwerpunktthema „Beratungskontexte und Beratungssettings – systemisch betrachtet“. Für dieses Heft hat Martina Hörmann, Professorin an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten und Leiterin des Master-of-Advanced-Studies-Programms „Systemisch-lösungsorientierte Kurzzeitberatung“, die Herausgeberschaft übernommen und vier Beiträge zusammengestellt, die den titelgebenden Begriff aus unterschiedlichen Richtungen beleuchten.

Im Editorial erinnert Hörmann an die etymologische Herkunft von „Kontext“ aus dem lateinischen „contextus“ (verflochten, verwoben) und positioniert das Heft in der Tradition der Zeitschrift, neben Praxisbezug auch die epistemologischen Grundlagen systemischer Arbeit wachzuhalten. Die vier Beiträge spannen dabei einen Bogen von einer praxisorientierten Reflexion zur Familienbegleitung im Pflichtkontext bis zu einer umfassenden diskursanalytischen Auseinandersetzung mit dem Begriff der systemischen Haltung.

Carsten Hennig eröffnet das Heft mit einer diskursgenealogisch angelegten Literaturübersicht zum Begriff der „systemischen Haltung“ in Beratung, Coaching und Supervision. Er zeigt in seinem sehr lesenswerten Beitrag, dass Haltung im Fachdiskurs uneinheitlich verwendet wird – als heuristische Orientierungsfigur zwischen Theorie und Praxis, als ethisch-normative Grundposition, als biografisch geprägte innere Disposition oder als performatives Geschehen beraterischer Praxis. Zentral ist seine These, dass der Begriff angesichts der erkenntnistheoretischen Enthaltsamkeit von Systemtheorie und Konstruktivismus eine Integrationsfunktion übernimmt: Er stiftet Identität und Zugehörigkeit in einem zunehmend ausdifferenzierten Feld, ohne verbindliche Handlungsnormen festzulegen und macht gleichzeitig deutlich, dass die Antwort auf die Frage, was eigentlich eine systemische Haltung sei, viel komplexer ist als die im systemischen Diskurs weithin kursierende Leerformel, dass der systemische Ansatz vor allem eine Haltung sei.

Emily M. Engelhardt untersucht das Spannungsfeld zwischen Innovation und Verantwortung beim Einsatz Künstlicher Intelligenz in der systemischen Beratung. Sie unterscheidet drei idealtypische Konstellationen – KI als unterstützendes Instrument, als funktionale Akteurin sowie als Bestandteil komplexer Interaktions- und Beziehungsdynamiken – und zeigt, wie sich professionelle Rollen verschieben: Fachkräfte sollten zunehmend die Aufgabe ernstnehmen, KI-generierte Ergebnisse kritisch zu interpretieren. Neben Chancen wie Effizienzsteigerung benennt sie Risiken wie Bias, Datenschutzprobleme und eine mögliche Entmenschlichung sozialer Beziehungen. Bemerkenswert ist ihr Hinweis auf bislang vernachlässigte sozialwissenschaftliche Perspektiven – digitale Teilhabe, ökologische Kosten, Arbeits- und Bildungsgerechtigkeit.

Katharina Gerber, die als Familientherapeutin und Dozentin in der Schweiz tätig ist, widmet sich der Familienbegleitung im Pflichtkontext, wie der Zwangskontext in der Schweiz offenbar eleganter genannt wird. Sie beschreibt, wie sich unfreiwillige Beratungssituationen – etwa bei Kindeswohlgefährdung – von freiwilligen unterscheiden: Im Pflichtkontext sind stets mindestens drei Perspektiven zu berücksichtigen, die der auftraggebenden Behörde, der Familie und der Fachperson selbst. Ihre zentrale These lautet, dass der Pflichtkontext nicht nur eine Belastung, sondern auch eine Chance darstellt, um mit Familien eine verbindliche Zusammenarbeit aufzubauen – vorausgesetzt, die Fachpersonen bejahen ihre Doppelrolle aus Beratung und Kontrollauftrag offen und verfügen über ein tragfähiges professionelles Helfernetz. Das ist nicht viel Neues, aber dennoch immer wieder mal ins Gedächtnis zu rufen.

Den Abschluss bildet der Beitrag der Herausgeberin selbst. Martina Hörmann entfaltet die Idee einer konsequent „verwobenen“ Betrachtung des Dreiklangs von Methode, Haltung und Kontext in der Beratung. Sie unterscheidet begrifflich zwischen Kontext und Setting und begründet, warum ein erweiterter Einbezug des (hier vor allem sozialen, ökonomischen, politischen und ökologischen) Kontextes – etwa als Abgrenzungsmerkmal von Beratung gegenüber Psychotherapie – notwendig ist. dabei zieht sie die Abgrenzung zwischen Psychotherapie und Beratung überscharf, konzediert aber gleichzeitig, dass die Einbeziehung von Kontexten seit jeher ein zentrales Merkmal systemischer Therapie ist, was die Abgrenzung dann doch wieder relativiert. Konkret verortet sie Kontextsensibilität und Kontextwissen in einem 2025 entwickelten Kompetenzmodell der Deutschen Gesellschaft für Beratung und veranschaulicht dessen curriculare Umsetzung an Beispielen aus einem Beratungsmasterprogramm in der Schweiz.

Ein lesenswertes Heft, das zu weiterer Anschlusskommunikation einlädt. Wie immer, gibt es alle bibliografischen Angaben und abstracts hier…

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