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systemagazin Adventskalender: Wenn ich mir was wünschen dürfte…

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Andreas Wahlster, Ladenburg: Wenn ich mir was wünschen dürfte…

Tom hat uns Leitfragen mitgegeben, für mich nicht eben leicht, dazu was Sinnhaftes beizutragen. Geholfen hat mir, dass ich schon in den ersten Türchen des Adventskalenders spicken durfte. Es hat mich entlastet, etwas originell Anmutendes schreiben zu müssen und so bleibe ich bei den Essentials. Mit Prognosen ist es so eine Sache, ich beschränke mich lieber auf Hoffnungen.

Ich erhoffe mir:

  • Dass das Wissen um die Qualität der Begegnung zwischen Klient*in und Profi als das höchste Gut gepflegt wird
  • Dass das Wissen gepflegt wird, dass ein Methodenfeuerwerk noch keinen Unterschied macht, sondern die Haltung und Kunstfertigkeit des Profis
  • Dass das immer wieder aufflackernde Interventionsgetöse leiser wird
  • Dass eine stete Selbstbeobachtung im Sinne der guten alten Kybernetik II. Ordnung als Leitmotiv gelebt wird
  • Dass das schon vorhandene Wissen um Selbstorganisationstheorien und Synergetik sich erweitern und verbreiten möge

Ich glaube, dass die sozialrechtliche Anerkennung der systemischen Therapie als Richtlinienverfahren zur Folge haben wird, dass das für Systemiker*innen fremde Spiel mit zunächst fremden Regeln zu einem bekannten Spiel werden wird. Dazu diese Begebenheit: Zu Beginn meiner Tätigkeit in der stationären forensischen Psychiatrie fragte mich ein erfahrender Mitarbeiter, ob ich das sog. psychiatrische Prinzip kennen würde. Ich antwortete mit nein und er erläuterte mir also das psychiatrische Prinzip: „Einlaufen, auflaufen, ablaufen“.
Aber womöglich war es so gewollt, dieses Spiel zu spielen. Wolfgang Loth hat es in seinem Kommentar zum Kalender-Beitrag von Arist von Schlippe treffend beschrieben, er schrieb von interessengeleiteten Zielen. Im Diskurs um die sozialrechtliche Anerkennung wurden diese nur verschämt benannt, hingegen wurde mit dem Motiv, daß systemische Therapie nun allen hilfesuchenden Menschen zugute käme, fast reflexartig argumentiert.
Der anhaltende Hype um „das Systemische“ stellt uns Aufgaben. Es braucht dazu Demut und Respekt vor anderen Konzepten, Neugier, Suchbereitschaft. Diese Haltungen sind in Zeiten, die von Respektlosigkeit, Rassismus und vereinfachenden Beschreibungen und Erklärungen gekennzeichnet sind, dringend nötig.

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