Konrad Peter Grossmann, Gallneukirchen (A)
Unter all den Fragen, die Tom Levold als Initiator der systemmagazin-Adventkalenders rund um das diesjährige Thema „Systemisches Engagement“ stellte, bewegte mich vor allem diese: „Welche Beispiele für ein solches Engagement haben Sie in diesem Jahr oder in der letzten Zeit besonders beeindruckt?“ Im Nachdenken darüber fiel mir ein Klient ein, der auf mich durch sein Engagement für sein Familiensystem und letztlich auch für sich selbst einen tiefen Eindruck hinterlassen hat und dessen (Therapie-) Geschichte ich im Folgenden erzählen will.
Der junge Mann meldete sich kurz vor Weihnachten letzten Jahres in der Beratungsstelle, in der ich arbeite; die Mutter eines Freundes, die selbst Psychotherapeutin ist, hatte ihn an mich verwiesen. Er litt unter Panikattacken, die sein Leben und sein eben erst begonnenes Studium stark beeinträchtigten – er schämte sich für sie und erlebte sie als Ausdruck persönlicher Schwäche. Sie erschwerten es ihm, sich auf das Studium zu konzentrieren und beeinträchtigten ihn in Prüfungssituationen; sie führten dazu, dass er sich mit wenigen Ausnahmen unter Menschen unsicher bzw. als „Weichei“ fühlte; und sie beschränkten seine nahen sozialen Kontakte auf zwei Freunde und seine Familie.
Er stammte aus demselben ländlichen Gebiet an der nördlichen Landesgrenze Österreichs, in dem auch ich lebe. Die Tatsache, dass wir den gleichen Dialekt sprachen, die gleichen Orte kannten und mochten, trug wohl dazu bei, dass er sich trotz des für ihn unbekannten Kontextes „Psychotherapie“ rasch öffnen und mir anvertrauen konnte. Weiterlesen →


Die Systemische Gesellschaft vergibt 2018 zum dritten Mal einen Praxispreis. Mit dem Praxispreis leistet die Systemische Gesellschaft einen Beitrag, den systemischen Ansatz interdisziplinär weiter zu entwickeln und dieses Anliegen fachöffentlich und gesellschaftspolitisch zu fördern. Aus Anlass des Jubiläums von SG und Carl-Auer-Verlag wird der Praxispreis 2018 und 2019 vom Carl Auer Verlag unterstützt. Ziel des Praxispreises ist es, ein herausragendes oder innovatives Projekt auszuzeichnen, das nachhaltig systemisch angelegt ist. Bei der vorgestellten Arbeit sollte es sich um ein aktuelles und originelles Praxisprojekt oder Praxiskonzept handeln. Auch Weiterbildungsabschlussarbeiten können eingereicht werden. Es kann sich um systemische Praxis in allen möglichen Bereichen handeln: Arbeit, Wohnen, Bauen, Essen, Trinken, Erziehen, Geld, Internationalisierung … Folgende Kriterien werden zur Bewertung herangezogen:




Arist
Heute feiert Kurt Ludewig, einer der wichtigsten Wegbereiter der systemischen Therapie im deutschen Sprachraum, seinen 75. Geburtstag, zu dem systemagazin von Herzen gratuliert. Auch wenn er sich schon seit einiger Zeit in das Privatleben zurückgezogen hat, gehört er doch mit seinen zahlreichen Publikationen nach wie vor zu einem der meistzitierten Autoren des systemischen Feldes. 2012 hielt er auf dem Heidelberger Kongress „Wie kommt Neues in die Welt?” einen Vortrag über das das „Regelwerk der systemischen Therapie“, das er auf die Frage hin untersuchte, inwiefern darin eine Anleitung zur „Verhinderung von Neuem“ enthalten sei. Er schreibt darin: „Die Überschrift dieses Heidelberger Symposiums lautet: ,Wie kommt Neues in die Welt?… systemisch weiter denken’. Im Begleitschreiben zur Einladung stand unter anderem, dass neue, ,revolutionäre Ansätze’ besonders dann gefährdet seien, dogmatisch zu erstarren, wenn sie zum Standard geworden sind. Der Hintergrund dieser Frage war nicht zuletzt die Sorge um die Einschränkungen, die mit der anerkannten Etablierung der Systemischen Therapie einhergehen könnten. Es sollte erkundet werden, wie unser Denken lebendig gehalten und vor dogmatischer Erstarrung bewahrt werden kann. Die vielfältigen Praxisfelder, die durch das ,Blühen systemischer Praxis’ entstanden seien, sollten aufs Neue angeschaut und kritisch hinterfragt werden.“
Rudolf