Der Hinweis auf das heutige Zitat des Tages stammt von systemagazin-Autor Andreas Manteufel (herzlichen Dank dafür):
„Der folgende kleine Ausschnitt aus den Lebenserinnerungen von Erich Kästner (1899-1974) zeigt: Die Erkenntnisse der modernen Neurobiologie, hier der Unterschied zwischen dem sogenannten deklarativen und dem sogenannten autobiographischen Gedächtnis, lassen sich auch ohne Fachterminologie präzise und nachvollziehbar beschreiben. Und: gewisse Unterscheidungen sind einfach so wahr, dass sie die Menschheit schon immer begriffen hat, auch vor der Zeit der bildgebenden Verfahren.
Beachten Sie, mit welch feiner Ironie der geistige Vater von Emil und die Detektive die Möbelmetaphorik der traditionellen Gedächtnisforschung aufgreift. Sicher, der moderne Hirnforscher wird sagen, dass alles, was hier über Gedächtnis und Erinnerung gesagt ist, im Gehirn repräsentiert ist. Aber das wissen wir ja, und verwechseln nicht Kästners Rede vom Kopf mit dem biologischen Faktum Gehirn. Denken Sie nach diesen Zeilen auch an das, was man Traumagedächtnis oder Körpergedächtnis nennt?
‚Gedächtnis und Erinnerung sind geheimnisvolle Kräfte. Und die Erinnerung ist die geheimnisvollere und rätselhaftere von beiden. Denn das Gedächtnis hat nur mit unserem Kopf zu schaffen. Wie viel ist 7 mal 15? Und schon ruft Paulchen: 105! Er hat es gelernt. Der Kopf hat es behalten. Oder er hat es vergessen. Oder Paulchen ruft begeistert: 115! Ob wir dergleichen falsch oder richtig wissen oder ob wir es vergessen haben und von neuem ausrechnen müssen, – das gute Gedächtnis und das schlechte wohnen im Kopf. Hier sind die Fächer für alles, was wir gelernt haben. Sie ähneln, glaub ich, Schrank- oder Kommodenfächern. Manchmal klemmen sie beim Aufziehen. manchmal liegt nichts drin und manchmal etwas Verkehrtes. Und manchmal gehen sie überhaupt nicht auf. Dann sind sie und wir wie vernagelt. Es gibt große und klein Gedächtniskommoden. Die Kommode in meinem eignen Kopf ist, zum Beispiel, ziemlich klein. Die Fächer sind nur halbvoll, aber einigermaßen aufgeräumt. Als ich ein kleiner Junge war, sah das ganz anders aus. Damals war mein Oberstübchen das reinste Schrankzimmer!
Die Erinnerungen liegen nicht in Fächern, nicht in Möbeln und nicht im Kopf. Sie wohnen mitten in uns. Meistens schlummern sie, aber sie leben und atmen, und zuweilen schlagen sie die Augen auf. Sie wohnen, leben, atmen und schlummern überall. In den Handflächen, in den Fußsohlen, in der Nase, im Herzen und im Hosenboden. Was wir früher einmal erlebt haben, kehrt nach Jahren und Jahrzehnten plötzlich zurück und blickt uns an. Und wir fühlen: Es war ja gar nicht fort. Es hat nur geschlafen. Und wenn die eine Erinnerung aufwacht und sich den Schlaf aus den Augen reibt, kann es geschehen, dass dadurch auch andere Erinnerungen geweckt werden. Dann geht es zu wie morgens im Schlafsaal! (In: Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war, München: dtv, 14. Auflage 2010, S. 63-64)
10. Dezember 2010
von Tom Levold
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war und dass die klassischen Lösungswege, wie wir sie in der Ausbildung erprobt hatten, nicht immer so reibungslos funktionierten. Trotzdem hatte ich den Anspruch, dass am Ende einer Supervision eine brauchbare und tragfähige Lösung stehen sollte. Und ich war immer wieder maßlos enttäuscht, wenn die Supervisandin oder der Supervisand zwar mehrere Lösungen gefunden hatte, aber keine verwirklichen wollte. Ich hatte dann das Gefühl, gescheitert zu sein, nicht professionell genug gearbeitet oder etwas übersehen zu haben: Habe ich die Supervisandin oder den Supervisanden nicht genügend unterstützt oder gar daran gehindert, die wirklich beste Lösung zu entwickeln?. Dass man von Klienten auch lernen kann, Vertrauen in ihre eigenen Lösungen zu entwickeln, zeigt seine Geschichte.
Wenn man also selbst nicht richtig versteht um was es geht, es aber doch um etwas so wichtiges zu gehen scheint, dass man eine Fortsetzung vereinbart? Dörte Foertsch berichtet von einer Arbeit mit einer Klientin, in der es um die Frage ging, ob man sich in Hinblick auf eine lebensverändernde Frage eine Gewissheit verschaffen oder lieber darauf verzichten solle – verbunden mit der eigenen Ungewissheit,ob man die Klientin verstehen könne oder nicht:„Die Frage, ob ich sie verstehen könne und die Möglichkeit, dass ich sie eventuell enttäuschen müsse, war dabei ständig im Raum. Das Nichtwissen über die Möglichkeit, hilfreich zu sein und etwas verstehen zu können, war Bestandteil der Gespräche geworden, entgegen aller Ideen, doch erstmal den Auftrag zu klären und ein Anliegen der Klientin herausfinden zu sollen. Im Nachhinein bedacht war dies vielleicht die Voraussetzung für das eigentliche Thema“ Das Offenhalten dieser Frage führte dazu, dass die Klientin eine Lösung für sich (er)fand, von der auch die Therapeutin etwas lernte.
Mit einem etwas pessimistischen Unterton beginnt Wolfgang Loth den Text zu seinem Adventskalendertürchen:„Früher (once upon a time…) war Advent einmal die dunkle Zeit, die Zeit der Erwartung, des Wartens auf Licht und Erleuchtung, womöglich Erlösung. Kalender, um das noch zu sagen, machen erst dann Sinn, wenn sie sich 
„Was ich in meiner Ausbildung immer gelernt hatte war, Vorsicht und nochmals Vorsicht. Ich hatte gelernt, wie bewusst mir mein Handeln sein sollte und welche Wagnisse wie wirken. Höre auf dich, lass dich ein, jeder Mensch ist anders. Gefühle sind eben etwas, was der Patient zwar mitbringt, womit 