systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

13. November 2011
von Tom Levold
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Heinz von Foerster zum 100. Geburtstag: Der Heinz-Sound

Heute wäre Heinz von Foerster 100 Jahre alt geworden. Dieser Tage liest und hört man viel von ihm, ein Zeichen dafür, welchen großen Eindruck er bis heute auf viele Menschen macht – und welchen Einfluss er nach wie vor auf die Diskurse in unterschiedlichen Disziplinen ausübt. Neben seinen philosophischen und kybernetischen Arbeiten, denen er im Feld der Systemischen Therapie am stärksten seine Bekanntheit und Beliebtheit verdankte, hat er sich während seiner wissenschaftlichen Laufbahn mit den unterschiedlichsten Themen, Fragestellungen und Disziplinen beschäftigt, der Physik und Mathematik, Gedächtnisforschung, Biologie, Neurologie, Hämatologie, Computerforschung, Künstlicher Intelligenz, Kommunikationstheorie und anderen. Dabei war seine Position weniger multidisziplinär als transdisziplinär: ihn hat die Auflösung der Disziplingrenzen und die Suche nach den verbindenden Kontexten immer mehr interessiert als die jeweiligen disziplinären Lehrgebäude mit ihren Macht- und Statusambitionen. Das hat allerdings auch dazu geführt, dass er in der akademischen Welt niemals eine besonders starke Position inne hatte – ein Schicksal, das er mit den meisten Pionieren der Kybernetik geteilt hat. Zur Feier des Tages – und leider etwas verspätet, weil mir eine erste Version des Textes gestern verloren gegangen ist – stelle ich zwei Bücher vor, die das Leben und Werk von Heinz von Foerster besonders gut nahebringen – durch seine eigene Erzählung: der Heinz-Sound!
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12. November 2011
von Tom Levold
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Die Bedeutung von Evidence Based Medicine und der neuen funktionalen Eliten in der Medizin aus system- und interaktionstheoretischer Perspektive

In einem ausgezeichneten und unbedingt lesenswerten Beitrag für die„Zeitschrift für Soziologie“ hat Werner Vogd (derzeit Professor für Soziologie an der Universität Witten-Herdecke; Foto: Universität Witten) 2002 die Problematik der zunehmend als Praxisstandard geforderte Evidenzbasierung in der Medizin unter systemischtheoretischer Perspektive unter die Lupe genommen. Die Lektüre dieses Aufsatzes dürfte auch für alle Psychotherapeuten von Belang sein, die sich selbst ebenfalls mit der Übetragung dieses Konzeptes auf ihre Tätigkeit beschäftigen müssen. Im abstract heißt es:„Die unter dem Stichwort „Evidence Based Medicine“ (EBM) in Gang gebrachte Bewegung der „Verwissenschaftlichung“ der Medizin wird im Hinblick auf ihre Bedeutung für die ärztliche Professionalisierung diskutiert. Hierzu werden im ersten Schritt aus einer systemtheoretischen Perspektive heraus die Konsequenzen im Hinsicht auf Anschlussmöglichkeiten für Recht, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft betrachtet. EBM eröffnet den verschiedenen Funktionssystemen Perspektiven, die ihnen in ihrer jeweils eigenen Logik verschiedenartige Zugriffe auf das Medizinsystem gestatten. Die Medizin als System hätte in diesem Sinne mit intelligenteren Störungen seitens ihrer Umwelt zu rechnen und wäre ihrerseits gefordert, hierauf intelligent, das heißt mit Komplexitätszunahme zu reagieren. Als Konsequenz dieser Analyse wird vermutet, dass EBM das Verhältnis von medizinischer Wissenschaft und Praxis nicht wie angestrebt vereinfacht, sondern mit zusätzlicher Komplexität belastet. Im zweiten Schritt wird die Professionsdynamik aus einer interaktionstheoretischen Perspektive heraus beleuchtet. Die in ausformulierten Evidenz-basierten Leitlinien und damit juristisch einforderbaren Ansprüche führen für den einzelnen Arzt zu einer verschärften Bewährungsdynamik, die entweder in Richtung vermehrter Autonomie oder um den Preis einer technokratischen Regression gelöst werden kann. Wie im dritten Analyseschritt gezeigt wird, kann die Bewegung der EBM auch als eine Form der Wissensinszenierung verstanden werden. Aus dieser Perspektive gesehen würden die zuvor geschilderten Konflikte entschärft, freilich um den langfristigen Preis der Dekonstruktion der eigenen wissenschaftlichen Basis. Wenn die EBM-Bewegung den Bogen der Rationalität in Richtung einer Ideologie des Rationalismus überspannt, wären in diesem Sinne durchaus paradoxe Effekte zu erwarten, die bis hin zur Deprofessionalisierung und funktionellen Entdifferenzierung ärztlicher Professionen reichen könnten“
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11. November 2011
von Tom Levold
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Salvador Minuchin nachträglich zum 90.!

Am 13.10.2011 ist Salvador Minuchin 90 Jahre alt geworden. Auf der DGSF-Seite ist ein Geburtstaggruß von Eia Asen veröffentlicht worden, der an dieser Stelle mit freundlicher Erlaubnis der DGSF ebenfalls zu lesen ist:
„Der ‘Familientanz’ ist einer der vielen Metapher, die Salvador Minuchin in das Vokabular der systemischen Arbeit eingeführt hat. Für den aus Argentinien stammenden Nestor der Familientherapie waren Drama und Tanz immer präsent, obschon Minuchin sich selbst nur selten aufs Tanzparkett wagte und Tangotanzen schon gar nicht seine Sache war – vielleicht auch deshalb weil, wie es so schön heisst, ‘it takes two to dance the tango’. Bei seiner Arbeit ist er eigentlich immer ein Solist gewesen und er ist es immer noch, selbst im hohen Alter: Minuchin macht weiterhin 2-Tage Workshops, die er allein bestreitet, unlängst  z.B. in Skandinavien, Griechenland und den USA. Er ist weiterhin geistig alert und ‘wohlwollend neugierig’,  interessiert sich an den neuen Entwicklungen in der systemischen Welt,  steht aber doch auch so einigen Konzepten und Praktiken weiterhin höchst kritisch gegenüber. So war er schon immer und wenn wir an ihn vor 30 Jahren denken, dann erinnert man sich an seine Auseinandersetzungen mit den ‘Rivalen’ in der systemischen Szene. Damals gab es die Super-Shows der systemischen Stars und ich erinnere mich gut an was mir 1982 wie ein Stierkampf gegen Gianfranco Cecchin und Luigi Boscolo vorkam. Aber in den letzten 10 – 15 Jahren ist Minuchin viel milder geworden, weniger Matador in seinen Auftritten und mehr ein Grandseigneur. Er hat neue moderate ‘Tanzroutinen’ choreographiert, die Therapeuten am Familientanz teilzunehmen; er hat sich auch zunehmend an psychodynamische Konzepte erinnert, die ihn immerhin während seiner Ausbildung  stark geprägt hatten; und über die Jahre hat er sich, Gott sei Dank, immer weiter von den normativen Empfehlungen der strukturellen Familientherapie wegbewegt. So began er einen Workshop in London vor wenigen Jahren mit den Worten: “Strukturelle Therapie ist etwas, das ich nicht mache”.  Dennoch leben viele seiner alten (und neueren) Ideen und Techniken in der Arbeit so mancher systemischer Therapeuten weiter, selbst wenn diese sich dessen gar nicht so bewusst sind. Weiter so, Sal, und auf die nächsten 90 Jahre Deines kreativen und subversiven Einflusses!“
Eia Asen, MD, London

10. November 2011
von Tom Levold
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Was ist der Fall? Call for Stories

Die Praxis der Systemischen Therapie und Beratung ist Gegenstand einer kaum noch überschaubaren Zahl von Veröffentlichungen, in denen eindrucksvoll gezeigt wird, wie kreativ und vielfältig das systemische Methodenrepertoire ist. Allerdings fällt auf, dass Fallgeschichten hier überwiegend als Illustration von Techniken und Vorgehensweisen eingesetzt werden. Auf die Funktion von„Vignetten“ reduziert, können Fälle und Fallgeschichten aber ihren eigene Bedeutung als Basis für die Entwicklung theoretischer und praktischer Fragestellungen nur schlecht herausstellen.
Als HerausgeberInnen von„Kontext“ haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie wir die Kultur der Falldarstellung und Fallerzählung, die ja in der Geschichte der Psychotherapie eine lange Tradition hat, auch im systemischen Kontext fördern können, und wollen im kommenden Jahr ein Heft diesem Anliegen widmen. Wir möchten daher einladen, uns Fallgeschichten (aus Therapie, Beratung, Supervision und Coaching) zu schicken, die aufgrund ihrer besonderen Konstellation, einer spezifischen Dramatik im Verlauf oder einer beispielhaften Prägnanz für sich selbst sprechen. Inhaltlich wollen wir dabei keine Vorgaben machen, da es uns in erster Linie auf die individuelle Erfahrung ankommt. Dabei sollte aber eben nicht die theoretische Beschlagenheit oder die Grandiosität des eigenen Handelns als Therapeutin oder Berater im Vordergrund stehen, sondern die Eigendynamik des spezifischen Falles, die das eigene Handeln natürlich einschließt.
Damit wir ein differenziertes Spektrum an Geschichten erhalten, beträgt das Maximum des Umfanges 15.000 Zeichen – wenn das Charakteristische einer Geschichte auch viel kürzer eingefangen werden kann, ist uns das recht! Wir sind sicher, dass viele der Geschichten, die wir gerne lesen würden, schon vorhanden sind – ob sie schon in einer Schublade liegen oder einfach nur noch aufgeschrieben werden müssen.
Über Vorschläge und Einsendungen freuen wir uns. Ostern 2012 sollten dann die Manuskripte einen druckreifen Zustand erreichen.

Tom Levold, Petra Bauer, Dörte Foertsch, Wolf Ritscher

9. November 2011
von Tom Levold
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Fehlerkultur

In vielen Bereichen der Gesellschaft, in denen individuelle sowie kollektive Risikobewältigung und Sicherheitsfragen eine große Rolle spielen, ist die Entdeckung von und konstruktive Auseinandersetzung mit Fehlern längst zum elementaren Bestandteil der Selbstevaluierung dieser Systeme geworden – in der Psychotherapie steht die Frage einer vernünftigen Fehlerkultur noch ganz am Anfang. Die Diskurse hierzu sind jedenfalls spärlich. Erfreulich ist aus dieser Perspektive daher das aktuelle Heft der Psychotherapie & Sozialwissenschaft, das sich mit dem Thema einer psychotherapeutischen Fehlerkultur, allerdings beschränkt auf das Feld psychoanalytischer Psychotherapie – beschäftigt. Herausgeber sind Horst Kächele und Esther-Maria Grundmann und die vollständigen abstracts
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7. November 2011
von Tom Levold
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Zukunftsfähigkeit

Die aktuelle Ausgabe der revue für postmodernes management und laufende Nummer 9 widmet sich dem Thema Zukunftsfähigkeit:„Im Konkreten verstehen wir unter Zukunftsfähigkeit diejenige Qualität, die es Organisationen ermöglicht, sich auf die Herausforderungen der nächsten, durch die Einführung des Computers angestoßenen Gesellschaft einzustellen. Dieses Heft setzt sich – wo immer es geht – mit konkreten Aspekten von Zukunftsfähigkeit auseinander. Wohlwissend, dass wir es einerseits längst mit der nächsten Gesellschaft und ihren Symptomen zu tun haben, diese aber andererseits selbst nach 20 Jahren World Wide Web nur ein Vorgeschmack sind auf das, was noch kommen wird. Auch die Einführung der Sprache, der Schrift und des Buchdruckes haben zu jahrhundertelangen Umwälzungen geführt – warum sollte es bei dem Computer anders sein? Projekte, Hybride und all die Effekte der Social Media sind möglicherweise nur Phänomene des Übergangs, von dem niemand wissen kann, wie lange er dauern wird“, schreiben die Herausgeber Bernhard Krusche und Falk Busse in ihrem Editorial. Herausgekommen ist mal wieder eine Großpackung systemisches Kraftfutter, mit Autoren wie Dirk Baecker, Georg Franck, Günther Ortmann, Elena Esposito und Manfred Moldaschl, wie immer exzellent eingepackt – diesmal mit Simon Wachsmuth als„featured artist“!
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6. November 2011
von Tom Levold
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Konstruktivistisches Denken als Kreativitätstechnik

Wie steuert man ein System, das sich nicht steuern lässt? Unter dieser Fragestellung und mit dem Titel “Understanding Systems, Changing Epistemologies” läuft eine Veranstaltung der Carl-Auer-Akademie mit Bernhard Pörksen und Humberto Maturana am kommenden Wochenende (11. und 12. November 2011) in Berlin, zu der es noch einige wenige freie Plätze gibt. Bernhard Pörksen gibt in einem Interview mit Change-X Auskunft über die Aktualität Humberto Maturanas:„Er hat Autonomie – im Sinne von Eigengesetzlichkeit – ins Zentrum allen Forschens und Fragens gerückt. Seine zentrale These: Systeme, ganz gleich, ob es sich um Zellen, Individuen, Organisationen oder ganze Kulturen und Gesellschaften handelt, funktionieren notwendig nach ihren eigenen Regeln, nach ihren eigenen Prinzipien; sie sind natürlich nicht autark und völlig von ihren jeweiligen Umwelten unabhängig, aber sie gehorchen doch in ihrem Funktionieren ihrer ganz eigenen Logik. Und eben diese Logik muss ich versuchen zu verstehen, aufzuhellen. Humberto Maturana ist, so würde ich sagen, der große Philosoph der Eigengesetzlichkeit, der systemischen Autonomie“.
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25. Oktober 2011
von Tom Levold
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Ferien

Liebe Leserinnen und Leser,
ferienhalber macht das systemagazin für 10 Tage Pause. Ihnen und mir wünsche ich gute Erholung!
Herzliche Grüße
Tom Levold
Herausgeber systemagazin

24. Oktober 2011
von Tom Levold
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Familienrat / Familien-Netzwerk-Konferenz / Family Group Conference

Vom 29.9.-30.09.2011 fand das 5. bundesweite Netzwerktreffen zu – Familienrat / Familien-Netzwerk-Konferenz / Family Group Conference (FGC) in Husum mit über 140 Teilnehmern statt. Ein Verfahren, dass hierzulande in der Jugendhilfe zunehmend Bedeutung und Interesse erhält. So wurden seit 2010 in Nordfriesland bereits 120 Familien-Netzwerk-Konferenzen durchgeführt, über 80 KoordinatorInnen sind dort eingesetzt. Andreas Hampe-Grosser hat einen Tagungsbericht für das systemagazin geschrieben, der
hier zu lesen ist…

23. Oktober 2011
von Tom Levold
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Adventskalender 2012

Auch in diesem Jahr soll es wieder einen Adventskalender im systemagazin geben. Alle Leserinnen und Leser sind herzlich eingeladen, eine Geschichte, eine Erinnerung, eine Anekdote beizusteuern. Thematisch geht es diesmal um folgende Frage: Welche Person hat Ihnen einen ersten Eindruck von systemischem Denken und Handeln vermittelt oder Sie angeregt, sich selbst intensiver mit Systemischer Theorie und Praxis auseinanderzusetzen? Gab es eine besondere Begebenheit, einen Workshop, ein Vortrag auf einer Tagung, eine eigene Beratungs- oder Therapieerfahrung, die Sie mit dieser Person in Berührung gebracht hat? Was haben Sie mitgenommen, was hat Sie besonders beeindruckt, was hat sich für Sie verändert? Wenn Ihnen eine spannende, lustige, berührende, verstörende, überraschende oder sonstwie eindrucksvolle Episode einfällt, die Sie gerne mit anderen teilen möchten, freue ich mich auf Ihre Zusendung. Wie immer gilt: Platzprobleme gibt es nicht, lange Geschichten haben ebenso Platz wie eine kurze Anekdote! Scheuen Sie sich nicht – es geht nicht um Weltliteratur, sondern um ein Türchen im Adventskalender, der die Leserschaft des systemagazin mittlerweile seit einigen Jahren verbindet. Über Zusendungen an tom@levold.de freue ich mich!
Herzliche Grüße
Tom Levold