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Paarinterviews als teilnehmende Beobachtung. Präsente Abwesende und zuschauende DarstellerInnen im Forschungsgespräch

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In einem sehr spannenden Text für die neue Ausgabe des Forum Qualitative Sozialforschung schreiben Stefan Hirschauer, Anika Hoffmann & Annekathrin Stange über die Analyse von Paarinterviews, die von Forschern durchgeführt werden. Ihr Fokus liegt dabei darauf, dass Paare in Forschungsinterviews über ihr Leben als Paar eben keine schlichten „Auskünfte“ erteilen, sondern das Gespräch als sozialen Kontext benutzen, um sich selbst als Paar darzustellen und zu inszenieren. Auch wenn man keine Forschung in diesem Sinne betreibt, sondern z.B. als PaartherapeutIn arbeitet, ist dieser Text äußerst lesenswert, denn auch der therapeutische oder beraterische Kontext ist natürlich einer, in der eine besondere Beobachtung, Beschreibung und Inszenierung der eigenen Paarbeziehung im Lichte des Therapiekontextes hervorgebracht wird. Im abstract heißt es: „In diesem Aufsatz schlagen wir eine Perspektive auf Paarinterviews als Formen teilnehmender Beobachtung vor. Ihre Betrachtung als Forschungsgespräche, in denen ,InformantInnen’ ,Auskünfte’ geben, wird zu wenig dem Umstand gerecht, dass es sich um je spezifische soziale Situationen handelt, deren Verlauf und praktische Verwendung durch die Teilnehmenden zu verstehen ist. In dem Artikel befassen wir uns mit fünf Aspekten: 1. Schon Monologe über Paarbeziehungen sind ,polyphon’, nämlich durchsetzt mit den Äußerungen abwesender Dritter, deren Stimmen durch die Sprechenden aufgerufen werden. 2. In Paarinterviews kommt es zur dialogischen Koproduktion von Äußerungen, bei der das Paar nicht nur miteinander spricht, sondern gemeinsam Sprechakte vollzieht. 3. Die Sprechenden sind aber auch Zuhörerende und Beobachtende der Darstellung der eigenen Beziehung durch ihre PartnerInnen und lernen sie auf diese Weise neu kennen. 4. In ,Interaktionen über Bande’ nutzen sie die Anwesenheit der Interviewenden, um ihren PartnerInnen etwas besonders nachdrücklich mitzuteilen, also ihr Gehör zu erzwingen. 5. In direkten Interaktionen, in denen sie vor dritten Personen Konflikte reinszenieren oder um die Gestaltung einer Geschichte konkurrieren, wird ihre private Beziehung unmittelbar in das Interview hineingezogen. Insgesamt stellt der Aufsatz eine Vielfalt von Gebrauchsweisen des Interviews durch jene Teilnehmende fest, für die es kein Verfahren der Datenerhebung ist.“

Zum vollständigen Text geht es hier…

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