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Alltag – Arbeit – Abendrot

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Seitdem Jürgen Hargens die Freuden des Rentnerdaseins genießt, hat er das Feld der Romanschriftstellerei für sich entdeckt – und mittlerweile bereits den sechsten Roman (und den vierten im Berliner Trafo-Literaturverlag) mit dem Titel „Alltag – Arbeit – Abendrot“ veröffentlicht. Auf der Verlagswebsite heißt es: „Das Schönste ist und bleibt, verliebt zu sein. Das wissen sogar die Psychologen. Bernhard Detering, Mitte 40, Lehrer, ist sein Leben abhanden gekommen. Und sein Job geht ihm schon lange nicht mehr nahe. Eines Tages erlebt er, dass man mit Speck nicht nur Mäuse fangen kann… Der Speck lässt ihn in das pralle Leben der alleinstehenden Kathrin Amelander und ihrer zwei halbwüchsigen Kinder stolpern. Es ist wie ein Strudel, der ihn überrascht, verunsichert, belustigt … und anzieht. Der Tod von Kathrins Bruder lässt ein verdrängtes Familiendrama wieder aufscheinen – die wechselseitige Ablehnung zwischen Vater und Bruder. Und das politische Erwachen der Kinder von Kathrin und ihrer Mitschüler – sie engagieren sich gegen die Anwendung der CCS-Technologie in ihrer Region – führt auch Detering, zögernd, wieder in das Leben eines aktiven, verantwortlichen Menschen zurück. Drücken wir ihnen allen die Daumen.“  Ernst Hansen-Magnusson aus Wanderup hat den Roman rezensiert.

Ernst Hansen-Magnusson (Wanderup):

Jürgen Hargens: Alltag – Arbeit – Abendrot

In seinem neuen – dem mittlerweile sechsten – Roman wendet sich der inzwischen selber verrentete systemische Psychotherapeut Hargens auch hochaktuellen gesellschaftlichen Themen zu, eingebettet in eine anregende Geschichte, die zum Mit- und Nachdenken anregt, die die Neugier aufrecht erhält und dabei vielschichtig und lebenswirklich bleibt. Hargens greift das Thema Drogen auf – das schwarze Schaf der Familie ist an einer Überdosis, dem goldenen Schuss, gestorben, hat allerdings, wie sich herausstellt, ein ganz anderes Leben geführt, als das Etikett „Junkie“ vermuten lassen könnte. Mobbing in der Schule und ein etwas anderer Umgang damit ist ebenso Thema wie die Debatte um die Verpressung von CO2 und Fracking. Und natürlich der Alltag eines Lehrers, einer alleinerziehenden Mutter und der Mehrgenerationen-Familie, die unter einem Dach zusammenlebt.

Hargens erzählt die Geschichte von Bernhard Detering und Kathrin Amelander – er Lehrer, sie Mitarbeiterin der städtischen Beratungsstelle, die auch alleinerziehende Mutter zweier Kinder im Teenageralter ist – anregend, präzise, nachvollziehbar in all der Vielfalt und Widersprüchlichkeit des alltäglichen Lebens. Beeindruckend für mich, dass Hargens einerseits durchaus parteilich scheint, dies aber in keiner Weise das Lesevergnügen stört, denn nirgends findet sich ein „erhobener Zeigefinger“.

Und – natürlich – fließen Hargens‘ theoretische Kenntnisse über Psychologie wie über Leiden und Stärken der Menschen mit ein, immer eingebunden in einen klaren und die eigene Vorstellung befördernden Lesefluss. Auf diese Weise ein mehrfaches Lesevergnügen: eine interessante und anregende Geschichte, viele Perspektiven auf bedeutsame Themen, psychologisches Knowhow unaufdringlich vermittelt. Und, wie bei seinen anderen Romanen, fehlt auch hier das Happyend – es ist ein offenes Ende, das den Leser hungrig und neugierig auf mehr macht. Wie wird es weitergehen? Wie kann es weitergehen? Denn der Roman – das ist eine seiner Stärken – wirft Fragen auf, ohne zu moralisieren und bietet Geschichten aus dem Alltag in all ihrer Verwicklung und Widersprüchlichkeit. Darin liegt für mich die besondere Stärke dieses Romans.

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Zu einer Leseprobe

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Alltag – Arbeit – Abendrot. Roman

trafo Literaturverlag Berlin 2014

318 S.

ISBN 978-3-86465-042-0

Preis: 17,80 €

Über den Autor: 

Jürgen Hargens, Nordlicht seit 1947. Seit 1979 in der Nähe von Flensburg zuhause. Vater dreier erwachsener Kinder, von denen er – nach eigener Aussage – viel gelernt hat. Vierzig Jahre innovative psychologische und psychotherapeutische Arbeit. Mitwirkung beim Aufbau der systemischen und lösungsorientierten Psychotherapie in der Bundesrepublik. 1983-1991 Herausgeber der Zeitschrift für systemische Therapie. Autor und Herausgeber von Fachbüchern und Unterstützungsbüchern.

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