Die Ausgabe 2/2015 des (Online-)Journals für Psychologie nimmt eine Standortbestimmung der Qualitativen Psychotherapieforschung vor. Matthias Lutz-Kopp, Soziologe mit den Arbeitsschwerpunkten Qualitative Sozialforschung und Biografieanalyse (Foto: www.kh-mz.de) untersucht anhand zweier Fallbeispiele, wie Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose ihre Situation beschreiben und zu den Diagnosen in Beziehung setzen. Im abstract heißt es: „Die soziologische Forschung zu psychischen Krankheiten bewegt sich oftmals in einem ambivalenten Verhältnis zwischen medizinischen bzw. psychotherapeutischen Diskursen, in dem sie kritisiert oder Anschlussfähigkeit sucht. Beide Zugänge werden dem Phänomen als soziologischem Gegenstand jedoch nicht gerecht. Ein Vorteil soziologischer Grundlagenforschung besteht in der Möglichkeit der Handlungsentlastung. Aus soziologischer Sicht ist die erzählte Biografie nicht zwingend Ausdruck eines Krankheitsbildes; sie kann vielmehr als Lösung eines spezifischen Darstellungsproblems gesehen werden: nämlich einem bestimmten Lebensverlauf Sinn zu geben. Aus einer solchen Binnenperspektive lässt sich erahnen, wie Betroffene ihre Krankheit erleben und welche biografischen Prozesse damit verbunden sind. Die Analyse der narrativen Interviews zeigt, wie einerseits professionelle Krankheitszuschreibungen zurückgewiesen werden und andererseits dargestellt wird, dass der Lebensverlauf nicht an »normalen« Standards gemessen werden kann. In den lebensgeschichtlichen Erzählungen kann der Kern der Person gesund bleiben, ohne den gesellschaftlichen Verhaltenserwartungen an »normale« Gesunde genügen zu müssen.“
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Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und die Systemische Gesellschaft (SG) vergeben erstmals gemeinsam einen systemischen Forschungspreis. Der mit 3000 Euro dotierte Preis wird auf einer internationalen systemischen Forschungstagung im März 2017 verliehen. Bewerbungen sind ab sofort möglich.
Der Preis ist als Förderpreis konzipiert. Angenommen werden Masterarbeiten, Dissertationen, Habilitationen oder Forschungsarbeiten aus einem Projekt, das in oder auch außerhalb der Hochschule durchgeführt wurde. Erwünscht sind aktuelle Forschungsarbeiten, die nicht oder bei Einreichung nicht länger als ein Jahr veröffentlicht sind.


Erika Gollor, erfahrene Lehrerin an einer Montessori-Grundschule, und NLP-Practitioner mit einer Ausbildung in Systemischer Pädagogik, hat 2015 im Carl-Auer-Verlag ein Buch über Systemische Pädagogik in der Grundschule mit dem Titel „Hier fühle ich mich wohl“ veröffentlicht. Susanne Steinebrunner aus Köln hat es gelesen und empfiehlt es als „ein Buch aus der Praxis für die Praxis!“. Aber lesen Sie selbst…
Im systemischen Feld gehört Klaus Deissler (Foto: deissler.org) seit langem zu den Vertretern des sozialkonstruktionistischen Ansatzes, über den er auch schon viel veröffentlicht hat. In seinem Text „Wandel durch Dialogische Zusammenarbeit“ aus dem Jahre 2016 resümiert er noch einmal die wichtigsten Aspekte einer dialogisch orientierten, sozialkonstruktionistischen Therapie, die sich weniger an den „großen Erzählungen“ der Psychopathologie, Psychoanalyse oder Systemtheorie orientiert, sondern – Francois Lyotard folgend, eher an den „«kleinen Erzählungen» (…), die innerhalb lokalgebundener Gespräche (Diskurse) stattfinden und die der Bewältigung von Alltagsproblemen und der Erschaffung neuer Bedeutungen und Handlungsmöglichkeiten dienen. Den kleinen Erzählungen bringt Lyotard eine hohe Wertschätzung entgegen: sie überflügeln in der Gesamtheit ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit die Bedeutung einzelner monolithischer Theorien oder Kosmologien. Es liegt nahe, therapeutische und beraterische Formen der Zusammenarbeit eher in dem Bereich zu lokalisieren, den Lyotard die kleinen Erzählungen nennt.“
