In diesem äußerst lesenswerten Text aus dem Jahre 1999, der im Original in„System Familie“ erschienen ist, setzt sich Bruno Hildenbrand kritisch mit dem Konzept der„Auftragsklärung“ in der Systemischen Therapie und Beratung auseinander und setzt ihm das umfassendere Konzept der Rahmung zur Seite, das an die Theorien von Erving Goffman und Gregory Bateson anknüpft, ohne diese Konzepte gegeneinander auszuspielen. In seinem Fazit formuliert er:„Das theoretische Konzept des Rahmens und die vorgelegte empirische Analyse zeigen, daß die Auftragsklärung zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Entwickeln von Rahmen der Beratung und Therapie ist. Auftragsklärung wird vor allem dann nicht zu einem Prozess des Rahmens, wenn Berater(in) und Therapeut(in) den jeweils herrschenden Konsensritualen (
) folgen, und die Klienten als ,Kunden‘ ansprechen. Dies ist zwar politisch korrekt, weil sich Berater(in) und Therapeut(in) damit auf eine Hierarchieebene mit den Klienten stellen und diese (welch gelungenes Wortspiel!) als ‚Kundige‘ ansprechen (die Klienten das vielleicht aber gar nicht merken, weil sie im Traum nicht auf dieses Wortspiel kämen), aber darüber hinaus ist nichts gewonnen. Denn bei Beratung und Therapie geht es nicht um den Tausch von Gütern und Dienstleistungen wie im Kaufhaus, sondern um den Zentralwert psychosozialer Integrität. Gerade bei Bateson, aber auch bei Goffman hat der Rahmen Meta-Charakter (bzw. Regel-Charakter), indem Prozesse des Rahmens im Bereich der Bedingung von Möglichkeiten sozialer Interaktion angesiedelt sind. Die Auftragsklärung erreicht dann diesen Meta-Bereich und wird zur Rahmenklärung, wenn z. B. gefragt wird, warum jemand in Beratung oder Therapie gekommen ist, ohne ein Anliegen formulieren zu können, indem also die Regeln ausgehandelt werden. Die Diskussion geht nicht darum, ob Auftragsklärung gegen Rahmung auszuspielen sei, sondern darum, die Potentiale der Auftragsklärung für Veränderungsprozesse im Kontext von Rahmungen zu sehen“ Der Aufsatz wird von einem Kommentar von Arist von Schlippe sowie einer Replik von Bruno Hildenbrand abgerundet und ist in der Systemischen Bibliothek nachzulesen.
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25. April 2008
von Tom Levold
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Russell Crane von der Brigham Young University in Utah, USA, beschäftigt sich seit längerem mit den gesundheitsökonomischen Aspekten des Einsatzes von Familientherapie als Behandlungsform. Ein Beitrag über die Kosten-Nutzen-Rechnung von Familientherapie ist im Psychotherapeutenjournal 1/2007 erschienen und kann auch online gelesen werden.„Die vorliegende Arbeit fasst Effektivitätsstudien zur Einbeziehung familientherapeutischer Behandlungen in die medizinische Versorgung psychischer Erkrankungen zusammen. Das zur Verfügung stehende Datenmaterial stammt aus drei unterschiedlichen Quellen: 1. einer im Westen der USA (Region Utah) ansässigen großen Health Maintenance Organization (HMO, Krankenkasse) mit 180.000 Mitgliedern; 2. dem Medicaid-System (staatlicher Gesundheitsdienst für bedürftige Bürger) des US-Staates Kansas; 3. einer großen nationalen US-Krankenversicherungsgesellschaft mit neun Millionen Versicherten. Die gewonnenen Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Einbeziehung familientherapeutischer Maßnahmen in die medizinische Versorgung die Häufigkeit von Arztbesuchen insbesondere bei Menschen, die oft einen Arzt aufsuchen, reduzieren können. Ebenso ergaben die in zwei unterschiedlichen Krankenversicherungssystemen durchgeführten Studien, dass die Einbeziehung von Familientherapie als Behandlungsform die Gesundheitskosten nicht ansteigen lässt“
