systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Lynn Hoffman (10.9.1924)

| Keine Kommentare

Heute wird Lynn Hoffman 90 Jahre alt, ein Anlass, diese wichtige Pionierin und Wegbereiterin der Systemischen Therapie im systemagazin zu würdigen. Sie kam am 10. September in Paris als Tochter der Malerin und Textildesignerin Ruth Reeves zur Welt. Nachdem sie 1946 ein Studium der Englischen Literatur mit summa cum laude abgeschlossen hatte, kam sie über die redaktionelle Bearbeitung psychiatrischer Arbeiten mit dem therapeutischen Bereich in Berührung. 1963 redigierte sie Virginia Satirs Buch „Conjoint Family Therapy“ und hatte dabei auch die Gelegenheit, hinter der Einwegscheibe Satir bei ihrer Arbeit zuzuschauen, was ihr Interesse an Familientherapie weckte. Im Anschluss daran arbeitete sie eine Weile als Redakteurin für Don J. Jackson – schon in den 60er Jahren sind Texte von ihr in Family Process zu lesen. Da sie (wie manch andere Pioniere der Familientherapie und Systemischen Therapie) keine formale Qualifikation für die therapeutische Tätigkeit besaß, belegte sie ab 1969 in New York Sozialarbeit und schloss ihr Studium mit einem Master Degree ab. In den Folgejahren arbeitete sie mit allen TherapeutInnen von Rang und Namen aus dem Familientherapie-Feld, so mit Jay Haley, Harry Aponte, Peggy Papp, Olga Silverstein, Mara Selvini, Luigi Boscolo, Gianfranco Cecchin, Giuliana Prata, Peggy Penn, Bradford Keeney, Harry Goolishian, Tom Andersen, Michael White und David Epston.

Schon Anfang der 80er Jahre erschien ihr Lehrbuch der Familientherapie bei ISKO-Press in deutscher Sprache (Die Grundlagen der Familientherapie), das sich schon damals durch ein hohes Theorieniveau auszeichnete. Ihr gelang es wie nur wenigen anderen, die theoretischen Grundlagen des Nachdenkens über Familie und andere Systeme immer wieder zu reflektieren und neu zu denken. Nachdem sie zunächst eher aufgrund ihrer Arbeit mit Jay Haley den strategischen Ansatz der Familientherapie verfolgte, veränderte sie in den 80er Jahren ihre Sichtweise und trat seitdem als entschiedene Verfechterin des sozialkonstruktionistischen Ansatzes auf (gemeinsam mit Ken Gergen und Harlene Anderson). Mit ihrer publizistischen Tätigkeit begleitete sie mehrere Generationen systemischer TherapeutInnen, für längere Zeit war sie Herausgeberin von Family Process und des Journal of Marital & Family Therapy. Bis zu ihrem Ruhestand 2000 arbeitete sie im Team des Ackerman Institutes in New York und an der Smith College School of Social Work.

In einem wunderbaren Buch, das 2002 erschien, verwebt sie ihre eigene Geschichte und die Geschichte der Familientherapie. Der Band Family Therapy: An Intimate History ist großartig erzählt, aber leider noch nicht ins Deutsche übersetzt worden.

In diesem Video, dass vor zwei Jahren auf Youtube veröffentlicht worden ist, ist Lynn Hoffman in hohem Alter selbst zu sehen und zu hören.

Print Friendly, PDF & Email

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Zur Werkzeugleiste springen