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Adventskalender 2016: Fremd – Vertraut. Begegnungen mit der Fremdheit

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24adventLiebe Leserinnen und Leser,

das Jahr eilt voran und in vier Wochen beginnt wieder die Adventskalender-Zeit. Ich weiß, mit meiner Einladung bin ich dieses Mal etwas später dran. Trotzdem möchte ich Sie wieder herzlich zur Teilnahme einladen, damit mit Ihrer Hilfe auch dieses Mal wieder ein interessanter Adventskalender zustande kommt. Der hat mittlerweile eine vieljährige Tradition, wird sehr gerne gelesen und in den vergangenen Jahren gab es viele längere oder kürzere Beiträge, die auch zu einer intensiven Diskussion geführt haben. Oft standen zu Beginn noch nicht alle Beiträge fest, so dass es auch für mich immer spannend war, zu sehen, ob alle Türchen bis zum 24.12. besetzt werden. Auch dieses Mal bin ich zuversichtlich, dass das klappt.

In diesem Jahr soll das Thema „Fremd – Vertraut. Begegnungen mit der Fremdheit“ das Motto des Kalenders sein. Die Globalisierung und die damit verbundenen Möglichkeiten der weltweiten Echtzeitkommunikation, die zunehmende Internationalisierung beruflicher Einsatzorte, die erzwungenen, aber auch freiwilligen Wanderungsbewegungen und Migrationsströme geben uns die Chance, jederzeit mit dem Fremden in Berührung zu kommen. Wir sehen aber auch gerade gegenwärtig, welche Ängste und Befürchtungen dadurch mobilisiert werden. Der Wunsch nach Abschottung, nach dem vermeintlich Identitären nimmt zu. Eine Studie zeigte kürzlich, dass mehr als zwei Drittel aller amerikanischen Studierenden kein Interesse daran haben, mit jemandem zu diskutieren, dessen Meinung sie nicht teilen. Das wird durch das Geschäftsmodell von Facebook massiv befördert: Menschen nur noch die Informationen zu liefern, die sie ohnehin kennen und lesen wollen, sie in ihren vertrauten Meinungen zu bestätigen und das Unbekannte, Fremde zu meiden.

Betrachten wir die Welt als eine Fülle möglicher Wirklichkeitskonstruktionen, sollte uns das erschrecken. Wenn die Begegnung mit dem Fremden durch Angst, Scham und Aggression bestimmt wird, wird die Spaltung der Gesellschaft dominant. Der zentrale Affekt für alle Prozesse der Veränderung, Beziehungsaufnahme und Zusammenarbeit ist ja Interesse: Interesse und Neugier als Voraussetzung für Exploration und Begegnung mit dem Unbekannten. Angst, Scham und Wut sind aber starke Antagonisten von Interesse – sie fördern das Trennende.

Ich möchte Sie daher gerne einladen, Ihre Gedanken zum Thema des diesjährigen Adventskalenders beizusteuern. Die damit verbundenen Fragen könnten lauten: Wie wird uns das Fremde vertrauter? Wie können wir das Fremde im Vertrauten erkennen? Welche Erfahrungen in und mit der Fremde haben wir in unterschiedlichen privaten und beruflichen Kontexten gemacht und welche Schlüsse daraus gezogen? Was hat uns geprägt, angezogen, abgestoßen? Welche Rolle spielen dabei unsere eigenen kulturellen und milieugebundenen Vorerfahrungen? Wie ergeht es uns in der Arbeit mit Klientensystemen, die uns nicht ohne weiteres verständlich sind, weil sie ihre Werte und ihre Praxis aus uns fremden Bezugssystemen der Religion, Kultur und Weltanschaung beziehen? Welche Erfahrungen haben uns dabei bereichert, welche auch vorsichtiger gemacht? Welche Haltungen und Vorgehensweisen haben uns in der Auseinandersetzung mit diesen Themen unterstützt und geholfen? Wie sind unsere Klienten mit uns als Fremden zurechtgekommen und umgegangen?

All dies sind Fragen, die viele von uns beschäftigen. Ich bin sicher, dass Ihnen noch viel mehr dazu einfällt. Deshalb würde ich mich freuen, wenn Sie Ihre Erfahrungen und Einschätzungen mit den Leserinnen und Lesern des systemagazin teilen – ob Sie einen langen oder kurzen Text schicken, theoretische Überlegungen oder persönliche Erfahrungen und Geschichten einbringen, bleibt ganz Ihnen überlassen: jedes Türchen ist anders …, aber sollte etwas mit dem Thema zu tun haben.

Schicken Sie mir einfach Ihren Beitrag an levold@systemagazin.com – alle Texte werden nach Möglichkeit berücksichtigt.

Herzlichen Dank schon jetzt und Beste Grüße

Tom Levold
Herausgeber systemagazin

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