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Systemische Mediation?!

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kontext-2015-04

Mit einem besonderen Projekt beendet der Kontext einen inhaltlich und personell hervorragenden Jahrgang, nämlich einem recht umfangreichen Themenheft über Mediation. Das Mediationsprojekt ist eines einer Zusammenarbeit zwischen zwei Zeitschriften, dem Kontext und der in Österreich erscheinenden Perspektive Mediation.  Wolf Ritscher und Yvonne Hofstetter Rogger haben das Heft in einem langen Vorlauf geplant, vor diesem Hintergrund unterscheidet es sich auch ein bisschen von „normalen“ Themenheften. Um die Konzeption dieses Projektes besser zu verstehen, ist es am einfachsten, aus dem Editorial zu zitieren:

„Die Geschichte begann mit einem Gespräch zwischen Wolf Ritscher und Noa Zanolli, auf einer Geburtstagsfeier, zu der Satu und Helm Stierlin eingeladen hatten. Noah, die Schwester von Satu Stierlin, war viele Jahre in den U.S.A. als Mediatorin tätig und ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Zeitschrift perspektive mediation, deren Herausgeber/innen aus Österreich (Friedrich Schwarzinger), der Schweiz (Yvonne Hofstetter Rogger) und Deutschland (Benedikta Deym-Soden) kommen. In diesem Gespräch entwickelten wir zusammen die Idee einer gemeinsamen Ausgabe des KONTEXT und der perspektive mediation (pm), in der Themen der Mediation und der systemischen Therapie-Beratung-Sozialarbeit zusammengebracht und diskutiert werden könnten. Noa stellte den Kontakt Wolf Ritscher und Yvonne Hofstetter Rogger her. Bei mehreren Treffen und Diskussionen in den beiden Redaktionsgremien wurde deutlich, dass eine gemeinsame Ausgabe beider Zeitschriften deren Redaktionen logistisch und finanziell überfordern würde. Erreichbar schien uns aber eine Ausgabe des KONTEXT, bei dem die pm, vertreten durch ihre Mitherausgeberin Yvonne Hofstetter Rogger, »mit am Tisch sitzt«. In der Zwischenzeit hat die pm ein Themenheft zur systemischen Perspektive in der Mediation erstellt, das im Dezember dieses Jahres erscheinen wird.
Als wir – Yvonne Hofstetter Rogger und Wolf Ritscher – über das Format dieser Ausgabe diskutierten, kam uns die Idee des »Prozessheftes«, das nun vor Ihnen/Euch liegt. Wir wollten kein Heft, in dem unterschiedliche Autor/innen unterschiedliche Themen unter dem gemeinsamen Schirm »Mediation und systemische Theorie-Praxis« bearbeiten, sondern einen Prozess darstellen, in dem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen beiden Feldern beschrieben und diskutiert werden. Dabei sollten zugleich neue Ideen entstehen, die den Prozess weiterführen – bis zu einem Punkt, der durch die Begrenzungen eines einzelnen Heftes vorgegeben ist. Wir haben für diese KONTEXT-Ausgabe auch auf die Abstracts der einzelnen Beiträge verzichtet, um diesen Prozess- und Ideengenerierungscharakter zu unterstreichen. An dem nun erreichten Punkt sind Sie, die Leserinnen und Leser eingeladen, den Prozess weiterzuführen – für sich, mit Kolleg/innen, am eigenen Arbeitsplatz, durch weiterführende Beiträge im KONTEXT, in den Gruppierungen der DGSF, auf deren Mitgliedertagungen oder an noch vielen anderen möglichen Orten.
Diesen Überlegungen folgend entwickelten wir eine dreiphasige Struktur des nun erstellten Heftes. Den Anfang bildet ein Überblicksartikel von Yvonne Hofstetter Rogger zur Mediation, in dem sie deren verschiedene, manchmal sehr unterschiedlichen, manchmal sich überschneidenden Facetten und die »Angrenzungen« an andere Verfahren der psycho-sozialen Praxis beschreibt. Wolf Ritscher kommentiert diesen Überblick mit einem komplementären Text. Diese beiden Artikel wurden den Mitgliedern im Vorfeld des Panels zugeschickt, das am 8.7.2014 in Luzern stattfand – der zweiten Phase unserer Prozessstruktur. Wir erhofften uns davon Anregungen und Startpunkte für die Diskussionen des Panels, das im übrigen seiner Eigendynamik folgend eine immense Themenbreite zur Mediation und der systemischen Theorie-Praxis entfaltete, die weit über unsere Eingangsartikel hinausging. Wir hatten Michaela Herchenhan und Jochen Schweitzer von der Seite der systemischen Theorie-Praxis, Friedrich Glasl und Angela Mickley aus dem Feld der Mediation und für die Moderation Joseph Duss- v. Werdt, seines Zeichens einer der Pioniere der Familien-/Paartherapie und der Mediation, eingeladen. Das Panel erstreckte sich – in Anwesenheit von Yvonne Hofstetter Rogger und Wolf Ritscher – über mehrere Stunden des Vor- und Nachmittages, was wiederum bedeutete, dass die fünfeinhalbstündige Audioaufnahme erheblich gekürzt und damit auch textlich verändert werden musste. Wolf Ritscher übernahm diese Aufgabe; sein Textentwurf wurde dann von den Teilnehmer/innen nochmals überarbeitet, sodass der in diesem Heft abgedruckte Text selbst schon wieder das Produkt eines weitergeführten kreativen Prozesses ist – »man kann nie zweimal in denselben Fluss steigen«. Für die dritte Phase benannten wir, Herausgeberin und Herausgeber, vier Themen des Panels, die nun weiterführend diskutiert werden sollten: Familientherapie/-beratung und Familienmediation (ein Thema, auf das Michaela Herchenhan im Panel immer wieder verwies), Macht, Kontrolle und Freiwilligkeit in Mediations- und Beratungsprozessen (von Fritz Glasl betont und mit Beispielen unterlegt), politische Mediation (die im Panel von Joseph Duss-v. Werdt nur gestreift wurde, aber schon von der Geschichte der Mediation her eines ihrer wichtigen Felder ist – siehe die Rezension des homo mediator von Joseph Duss-v. Werdt, in diesem Heft), und der Zusammenhang von Mediation und systemischen Theoriekonzepten (ein Thema, zu dem Jochen Schweitzer mehrere Beiträge formulierte) – verbunden mit der Frage nach dem Zusammenhang von systemischer Mediation und Sozialer Arbeit (die von Angela Mickley vor allem mit ihrem Beispiel aus der Schulsozialarbeit vertreten wurde). Für diese vier Themenfelder fragten wir die in diesem Heft zu Worte kommenden Autorinnen Sabine Zurmühl, Heiner Krabbe, Lars Kirchhoff und Heiko Kleve an, wobei sich Heiko Kleve dankenswerter Weise sowohl der Verbindung von Mediation und systemischer Beratung/Therapie als auch der Verbindung von systemischer Mediation und Sozialer Arbeit annahm.
Joseph Rieforth, einer der wichtigsten Vertreter der (systemischen) Mediation in der DGSF und der Mediationsszene, hat in seinem bilanzierenden Artikel nochmals die Essentials dieses Verfahrens formuliert, die sich für ihn aus den vorausgegangenen Beiträgen und seinen darauf bezogenen Reflexionen ergeben.
Besonders wichtig ist, dass er auch die politische und die die DGSF-interne Perspektive in den Blick nimmt.
Den Abschluss des Thementeils dieses Heftes bildet eine Rezension von Wolf Ritscher zur Neuauflage des »homo mediator« von Joseph Duss-v. Werdt, was genau zu diesem Heft passt, und in dem der Autor unter anderem deutlich macht, wie wichtig die politische Mediation in der Geschichte der Mediation von Anfang an war.
Damit müssen wir den Diskussionsprozess interpunktieren und hoffen, dass er an vielen anderen Stellen im Sinne des von Heiko Kleve zitierten Rhizom geplant und ungeplant weitergeht.“

Und hier ist der Überblick über den gesamten Kontextjahrgang 2015

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