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Online-Journal für systemische Entwicklungen

Onlineseminar: Einführung in die Compassion Focused Therapy (CFT) – Eine Praxis des Mitgefühls in Beratung, Begleitung und Therapie

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Datum/Zeit
Date(s) - 03.06.21 - 04.06.21
Ganztägig

Veranstaltungsort
tandem Praxis & Institut

Kategorien





Onlineseminar vom 3. bis 4. Juni 2021 via Zoom und Moodle

mit Dr. Mirjam Tanner un Tom Pinkall

Detaillierte Infos unter: https://tandem-freiburg.org/

 

 

CFT – Compassion Focused Therapy: Mitgefühl im Fokus
Die Compassion Focused Therapy (CFT) wurde von dem britischen Psychologen Prof. Paul Gilbert und Kolleg*innen in den letzten 30 Jahren entwickelt und findet inzwischen weltweit großes Interesse. Neben einflussreichen Methoden wie der Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT), der emotionsfokussierten Therapie (EFT) u.a. reiht sich die CFT bei den achtsamkeitsbasierten und kontextuellen Therapien ein. Mit „Compassion“ meint Gilbert eine mutige und heilsame innere Haltung, sich selbst und der Welt gegenüber, die geprägt ist von wohlwollener Unterstützung.

Compassion, so Gilbert, umfasst drei Domänen: Weisheit, Wohlwollen sowie Engagement und wird definiert als die „Empfindsamkeit gegenüber eigenem Leid und dem Leid anderer Menschen, verbunden mit der tiefen Absicht, dieses Leid zu lindern und ihm vorzubeugen.“

Gilbert beobachtete im Kingsway Hospital in Derby (GB) in seiner psychotherapeutischen Arbeit sowie in seiner Forschungsarbeit mit schwer depressiven Patienten, dass deren Erleben oft von starker Scham und Selbstverachtung geprägt war. Sie fühlten sich nicht gewollt und ausgegrenzt und versuchten, ihre unangenehmen Gefühle zu regulieren, indem sie sich selbst oder andere kritisierten, verurteilten und schädigten. Ihre Fähigkeit, sich selbst zu besänftigen und Mitgefühl für sich und andere zu empfinden, war kaum entwickelt. Stattdessen empfanden sie es als bedrohlich, Unterstützung, Freundlichkeit und Verständnis anzunehmen.

In diesem Zusammenhang erkannte Gilbert auch wichtige Gründe für stockende, schwierige und erfolglose Therapieverläufe. Mit der CFT entwickelte er einen Ansatz, der genau hier ansetzt und der feinfühlig und bewusst Mitgefühl in der therapeutischen Arbeit explizit einführt und betont.

Gilbert ist es wichtig, dass Patient*innen in ihren Therapien lernen, Sicherheit und Geborgenheit in sich selbst und mit anderen aufzubauen sowie Gefühle wie Freude, Liebe, Güte und Mitgefühl zu geben, zu empfangen und für sich selbst aufzubringen. Die CFT konzentrierte sich im klinischen Kontext zu Beginn auf die Arbeit mit Patient*innen mit stark verurteilender Selbstkritik und ausgeprägter Scham. Mittlerweile wissen wir, dass diese im Zusammenhang mit fast allen psychischen Störungen eine wichtige Rolle spielen, was die CFT zu einem transdiagnostischen Ansatz hat werden lassen. Die Wirksamkeit konnte so in den letzten Jahren für viele Symptome und selbst Psychosen nachgewiesen werden.

Im Onlineseminar werden wir neben einer Einführung in die Grundzüge und Hintergründe dieses Ansatzes, den Blick darüber hinaus lenken und üben, die CFT auch für uns selbst als Berater*innen, Begleiter*innen, Therapeut*innen zu nutzen. Einen Teil des Seminars widmen wir so der Erfahrung eines mitfühlenden selbstfürsorglichen Umganges mit uns selbst. Dabei werden wir immer wieder den Bogen schlagen zu den Fragen, wie Sie das, was Sie dabei anspricht, in die Kontexte bringen können, in denen Sie arbeiten.
In Verbindung zu systemischem Denken sind uns dabei auch mehrgenerationale Zugänge wichtig, die oft öffnende neue Sichtweisen auf größere Zusammenhänge ermöglichen. Durch Erkenntnisse und Anwendung aus der Bindungstheorie werden wir die Brücke schaffen können zwischen systemischen Therapien und der CFT als moderner, achtsamkeitsbasierter Ansatz der kontextuellen Verhaltenswissenschaft.

 

 

Ihr Nutzen: Wie profitieren Sie vom Onlineseminar?

Das Onlineseminar vermittelt praxisnah anhand zahlreicher Beispiele und Übungen, wie Sie Ihre Klient*innen unterstützen können, ihr Leben mit mehr Mitgefühl zu erleben – in authentischer Verbundenheit mit sich selbst und anderen. Dabei werden die hauptsächlichen Denk- und Handlungsmodelle von CFT sehr praktisch und lebendig erfahrbar gemacht, wobei der Praxis der Achtsamkeit in vielen Übungen ebenfalls ein großer Stellenwert zukommt.

Sie erhalten eine Einführung in die Grundlagen des Ansatzes und Übungsmöglichkeiten, wie Sie

– Aspekte von Mitgefühl und Selbstführsorge für Klient*innen in Ihrem jeweiligen Arbeitskontext einbringen können,

– für und mit Klient*innen Übungen erleben können, die Mitgefühl und Selbstfürsorge begünstigen, hervorbringen und stärken,

– Klient*innen helfen können, einen akzeptierenden und dennoch engagierten Standpunkt einzunehmen, aus dem sich leichter mit schmerzhaften Erlebnissen umgehehen lässt,

– als Berater*in oder Therapeut*in selbst flexibel bleiben und sowohl mitfühlend als auch den Anforderungen entsprechend in Kontakt gehen und bleiben können (auch mit sich selbst),

– Verbindungen zu mehrgenerationalen, lebensgeschichtlichen Themen herstellen können und systemisches Arbeiten mit Mitgefühlspraxis verbinden können,

– Stille und körperliche Zugänge als Ressource pflegen können.

 

 

 

Was sind die konkreten Inhalte?

Innerhalb von zwei Tagen lernen Sie die Grundzüge und Annahmen der Compassion Focused Therapy (CFT) kennen, die Erkenntnisse aus der Evolutionspsychologie, Neurowissenschaften und Bindungslehre miteinschließt. Sie lernen die CFT-Sichtweise auf Aspekte der Natur unseres Menschseins und Leidens kennen. Therapeutische spielt die Unterscheidung von drei in unserem Körper tief verankerten unterschiedlichen und gleichwohl aufeinander eng bezogenen motivationalen Prozessen eine Rolle, die sich stark auf unser emotionales Erleben auswirken. Sie werden diese drei CFT-Emotionsregulierungssysteme kennen- und mit Ihnen arbeiten lernen. Dabei wird der Fokus auf der Stärkung von Mitgefühl liegen, das zentral ist bei der Fähigkeit, sich selbst und andere immer wieder emotionell zu beruhigen und mit sich und anderen Verbundenheit zu erleben. Dieser Teil wird im Kurs den größten Raum einnehmen.

Sie werden konkrete Interventionen ausprobieren und im Schwerpunkt eine Vielzahl von Übungen kennenlernen. Meist geschieht der Zugang über die eigene Erfahrung die jeweils auch theoretisch eingeordnet wird. Anwendungsmöglichkeiten werden so meist ganz von selbst klar und spürbar. Wir werden manchmal in Kleingruppen üben und manchmal im Plenum. Es wird Raum sein für Fragen und Sie erhalten ein Skript sowie Anregungen zur Weiterarbeit mit dem, was Sie erfahren haben.

 

 

Wie wird gearbeitet?

Im Onlineseminar wird in einem Wechsel von theoretischen Impulsen, Praxisreflexion, Selbsterfahrung, moderierter Plenumsdiskussion, Kleingruppen und Einzelreflexion gearbeitet. Konkrete Übungen in Rollenspielen helfen, das Erlernte im geschützten Seminarrahmen in die eigene Arbeitsweise zu integrieren.

 

 

Termin und Arbeitszeiten

Donnerstag, 3. Juni 2021, 09.30-17.00 Uhr

Freitag, 4. Juni 2021, 09.00-16.30 Uhr

 

 

 

Zielgruppe: An wen richtet sich das Onlineseminar?

Zur Seminarteilnahme eingeladen sind Praktiker*innen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, z. B.: Psychotherapeut*innen aller Ausbildungsarten, Mitarbeiter*innen in Beratungsstellen aller Art, Therapeut*innen mit Zusatzausbildung (z. B. Systemische Therapie), Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*innen, Psychosoziale Berater*innen, Sozialarbeiter*innen, Ärzt*innen, Lehrer*innen und Schulpsycholog*innen.

 

 

Teilnehmer*innenzahl

Am Onlineseminar können maximal 18 Personen teilnehmen.

 

 

Lernort
Das Onlineseminar findet auf der Videokonferenzplattform Zoom und auf der E-Learning-Plattform Moodle (Arbeitsmaterialien) statt. Die digitalen Lernorte sind DSGVO-konform. Die Zugangsdaten werden rechtzeitig vor Beginn der Veranstaltung per E-Mail an die Teilnehmenden geschickt – und vor Beginn des Onlineseminars werden die Tools und Funktionen auf der Videokonferenzplattform genau erklärt und vorgeführt.

 

 

 

Technik und Ausstattung
Die Teilnehmer*innen benötigen einen internetfähigen Rechner (z. B. Laptop), einen Internetzugang, eine (integrierte) Webcam sowie ein Headset mit Mikrofon oder einen Konferenzlautsprecher. Es empfiehlt sich, aktuelle Betriebssysteme/Software auf dem Rechner zu nutzen, um an den Videokonferenzen teilnehmen zu können sowie Dokumente lesen und bearbeiten zu können.

 

 

Hinweise zum Datenschutz
Zur Durchführung unserer Onlineseminare verwenden wir Zoom und Moodle. Wir haben mit Zoom einen Auftragsverarbeitungsvertrag geschlossen. In diesen sind u.a. die sog. EU-Standard-Vertragsklauseln integriert. Bei dem von uns angekündigten Angebot handelt es sich um ein Videomeeting, welches sich exklusiv an Teilnehmer*innen von tandem-Fortbildungen richtet. Der Videokonferenzraum wird mit eigener Meeting-ID und eigenem Passwort für diese Veranstaltung angelegt.

 

 

Werden bei Bedarf bei der PTK Baden-Württemberg beantragt. Bitte vermerken Sie dies bei der Anmeldung.

 

 

Für ganz Neugierige die passende Literatur
• Paul Gilbert & Choden (2014): Achtsames Mitgefühl, Arbor Verlag
• Mirjam Tanner (2015): Compassion Focused Therapy – Mitgefühl im Fokus, Ernst Reinhardt Verlag

 

 

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