Simon Lohse ist Erziehungswissenschaftler und Philosoph sowie Research Fellow im Bereich Science Studies am Centre for Ethics and Law in the Life Sciences (CELLS) und Mitglied des Center for Philosophy and Ethics of Science. In einem interessanten Artikel, der 2011 in der Zeitschrift für Soziologie erschienen ist, beschäftigt er sich mit dem Status der Kommunikation als eigenständigem, nicht ableitbaren sozialen Phänomen in der Theorie Luhmanns. Im abstract heißt es: „Der Artikel diskutiert Niklas Luhmanns Konzeption von Kommunikation als emergentem Phänomen. Erstens soll gezeigt werden, dass sich Luhmann, entgegen jüngster Einwände, in der Tat als sozialer Emergentist rekonstruieren und als solcher in die aktuelle Debatte um Reduktion und Emergenz des Sozialen einordnen lässt. Zweitens soll dadurch Licht auf die generellen Probleme und Voraussetzungen einer emergentistischen Soziologie geworfen werden. Um diese Ziele zu erreichen, wird zunächst geklärt, welche Positionen sich in der Soziologie grundsätzlich gegenüber stehen und auf welcher Grundlage Luhmann als Emergentist einzuordnen ist. Anschließend soll die Emergenz der Kommunikation als eigenständiges soziales Phänomen erläutert und ins Verhältnis zum Individuum gesetzt werden. Schließlich wird Luhmanns Konzeption mit Hilfe einiger Adäquatheitsbedingungen aus der allgemeinen Wissenschaftsphilosophie als unzureichend kritisiert. Ziel ist dabei auch die Klärung der Bedingungen für eine plausible Emergenztheorie innerhalb der Soziologie. Nach einer abschließenden Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse soll ein Ausblick auf eine aussichtsreiche soziologische Emergenzkonzeption geboten werden.“
15. Januar 2015
von Tom Levold
Keine Kommentare

Familie und Schule, das klingt nach Stress. Als vierfacher Vater, dessen Kinder alle noch in Schule oder Studium sind, weiß ich, wovon ich rede. Die Familiendynamik eröffnet mit Heft 1/2015 ihren 40. Jahrgang (Herzlichen Glückwunsch!) mit einem Themenheft über das Spannungsfeld Familie – Schule. Verantworten tun das Heft Herausgeber Hans Rudi Fischer und Gastherausgeber und Beirat Michael Göhlich, Professor für Pädagogik an der Universität Erlangen. In ihrem Editorial schreiben sie: „Die Familie wird mindestens während der Schulpflichtzeit des Kindes, heute oft sogar zwei Jahrzehnte lang durch ihr Verhältnis zur Schule geprägt. Diese Beziehung ist seit jeher spannungsgeladen und Thema vieler Familientherapien. Mit den jüngeren Entwicklungen der Schule zur Ganztagsschule verändert sich das Verhältnis von Schule und Familie, wobei zeitgleich ältere Entwicklungen weiterhin wirksam sind. Dies leuchten die Beiträge des vorliegenden Heftes in verschiedener Hinsicht aus. Dabei wird das Verhältnis zwischen Schule und Familie nicht nur als Spannungsfeld, sondern auch als kooperatives Zusammenspiel sichtbar. Zu diesem kooperativen Zusammenspiel tragen nicht zuletzt mimetische Prozesse bei: die Verschulung der Familie und die Familiarisierung der Schule. Während der erstgenannte Prozess mit dem Anstieg elterlicher Ansprüche auf Bildung der Kinder (Bildungsaspiration) seit den 1970er Jahren einhergeht und zum Einbezug professioneller Nachhilfe in die Familie sowie zum Aufbau professioneller Einrichtungen zwischen Schule und Familie geführt hat, ist der zweite – nach einem Vorlauf in Reformpädagogik und Alternativschulpädagogik des 20. Jahrhunderts – erst in den letzten Jahren vermehrt in Schulen zu beobachten. Die Perspektive unserer Fokus-Beiträge, sie argumentieren auf der Basis empirischer Studien, ist teils vorrangig schulbezogen, teils vorrangig familienbezogen, hat aber letztlich immer das Verhältnis von Schule und Familie im Blick.“






Liebe Leserinnen und Leser des systemagazin,
Das Adventskalenderthema von Tom Levold erinnert an die Eingangsfrage beim Hausarztbesuch: „Was fehlt Ihnen denn?“. Beantwortet wird diese Frage dann mit einer Auflistung dessen, was man hat, nämlich Beschwerden, Schmerzen, Fieber, ein Drücken hier, ein Ziehen da, bis der Arzt eine Vermutung äußert, was uns gesundheitlich fehlt oder, anders gewendet, was wir haben. Vielleicht schreibt er uns krank und wir nutzen die Zeit, um darüber nach zu denken, ob es sich besser mit einen Zuviel oder einem Zuwenig lebt.