
Lieber George W. Bush,
der österreichische„Standard“ schrieb am 21.11.:„In den USA gibt es offiziell keine unter Hunger leidenden Menschen mehr – weil die Regierung in Washington sie kurzerhand umbenannt hat. In einem Bericht über die Nahrungsmittelversorgung der Bürger änderte das Landwirtschaftsministerium die Terminologie: Sprach es im vergangenen Bericht im Fall von hungernden Familien noch von ,Nahrungsunsicherheit mit Hunger‘, ist im aktuellen Bericht von Menschen mit ,sehr geringer Nahrungssicherheit‘ (,very low food security‘) die Rede. Betroffen waren davon im Jahr 2005 der Studie zufolge 10,8 Millionen US-Bürger. Insgesamt hatten 35 Millionen Menschen Schwierigkeiten, sich zu ernähren“
systemagazin gratuliert zu dieser gelungenen (und auch ein bisschen sättigenden) positiven Konnotation. Es ist schön, dass Sie uns nicht nur von der islamistischen Gefahr befreien wollen, sondern auch von allerlei hässlichen Wörtern. Allerdings sollten Sie nicht auf halbem Wege stehen bleiben, denn es gibt noch genug zu tun. systemagazin möchte Ihnen daher gleich einige weitere Vorschläge machen. Verwenden Sie doch ab sofort:
1.„low peace security“ für Krieg im Irak
2.„low fun security“ für Terrorismus
3.„low wealth security“ für Armut
4.„low health security“ für Krankheit
5.„low climate security“ für Umweltzerstörung
6.„low vote security“ für Wahlfälschung
7.„low truth security“ für Regierungserklärungen
8.„low intelligence security“ für George W. Bush
Dann würden wir uns alle sofort ein bisschen sicherer fühlen.
In vielen Kursen und Seminaren mache ich immer wieder die Erfahrung, dass zahlreiche TeilnehmerInnen, die noch am Anfang ihrer beruflichen Entwicklung stehen oder noch in Weiterbildung sind, angesichts ihres relativen Mangels an Erfahrung trotz aller positiver Konnotation und Ressourcenorientierung schnell entmutigt sind oder das Gefühl bekommen, das, was sie bei ihren Lehrern bzw. Trainern beeindruckt, selbst nicht erreichen zu können. An Erlebnisse dieser Art kann ich mich natürlich selbst noch gut erinnern, auch wenn das schon eine Weile zurückliegt. Jedenfalls hat mich diese Erfahrung angeregt, bei erfahrenen systemischen Kolleginnen und Kollegen nachzufragen, wie es denn ihnen mit ihrem professionellen„ersten Mal“ als TherapeutInnen, BeraterInnen und SupervisorInnen ergangen ist. Wie sind die Erinnerungen an den ersten Fall, die erste Beratung, Therapie oder Supervision? In welchem Kontext stand die berufliche Entwicklung, was war das Rüstzeug, was war hilfreich, was war hinderlich, was war großartig, was einfach peinlich? Und was von alledem hat sie im Verlauf der Zeit als Ressource begleiten können?
Unter der Adresse
Nachdem gestern ein Vortrag von Sabine Klar zum Thema„Helfen wir unseren KlientInnen auch beim Widerstand?“ veröffentlicht wurde, der auf dem ÖAS-Kongress im September in Wien gehalten wurde, können Sie heute die Erwiderung von Kurt Ludewig unter dem Titel:„
Der Jubiläumskongress des Instituts für Ehe- und Familientherapie (30 Jahre) und der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Systemische Therapie und Systemische Studien (ÖAS, 20 Jahre) am 22. und 23. September 2006 in Wien zum Thema„Blinde Flecken oder Ich sehe nichts, wo Du was siehst“ (Clemens und Danielle Stieger berichteten darüber im systemagazin) bot nicht nur einen interessanten Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte (mit den Vorträgen von Corina Ahlers, Joachim Hinsch und Rosmarie Welter-Enderlin), sondern stellte auch die Frage, inwiefern sich systemische PsychotherapeutInnen in aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse einmischen sollen, die nicht selten im blinden Fleck des Nicht-Beobachteten bzw. des Nicht-Beobachten-Wollens verschwindet.