Nach der Eröffnung des systemagazin Specials am gestrigen Tag kommt heute Rosmarie Welter-Enderlin zu Wort, die von ihren Lernerfahrungen als Studentin in den USA berichtet, in den aufregenden Pionierzeiten der Familientherapie:„Wir jungen Therapeutinnen und Therapeuten schwankten zwischen Eltern- und Schulbeschuldigung. Manchmal belasteten wir die Eltern, vor allem die Mütter, und im Handumdrehen wieder die Lehrerinnen und Lehrer der Junior
High School, in der wir ihren Unterricht von weissen und schwarzen Kindern scharf beobachteten, mit Papier und Bleistift deren Interaktionen mit dem Lehrpersonal kodierten und diesem ,random reinforcement‘ beibrachten. Das bedeutete schlicht, dass die Kinder Anerkennung nicht ,verdienen‘ mussten, sondern meistens und unvorhersehbar bekamen. Gregory Bateson, unser grosses Vorbild, war damals in Hawaii und lehrte uns, dass Delphine mit unverdientem Fisch, wie er ,random reinforcement‘ nannte, weit besser lernten als mit vorhersehbarer Belohnung. Ich glaube übrigens noch heute an diese Theorie und vertrete sie in Therapien und beim Unterrichten.
Dann kam Jay Haley aus Philadelphia zu uns. ,Systemisch‘ würde man Haleys Ansatz vielleicht heute nennen. Aber Haley liess sich niemals in eine Schablone pressen! Ich fand es wunderbar, wie er immer den roten Faden im Netz von Kind, Eltern und Geschwister, Schule und Gemeinde fand und auch ärgerlich, wenn mir das nicht so schnell gelang wie ihm. In seiner trockenen Art lehrte Haley uns, dass Wissenschaft ohne Kunst und Kunst ohne Wissenschaft wenig taugen. Er war Kommunikationsforscher und weder Psychiater noch Psychologe oder Soziologe, dafür hell wach und unbekümmert gegenüber ,heiligen‘ therapeutischen Theorien“
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2. Dezember 2006
von Tom Levold
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In vielen Kursen und Seminaren mache ich immer wieder die Erfahrung, dass zahlreiche TeilnehmerInnen, die noch am Anfang ihrer beruflichen Entwicklung stehen oder noch in Weiterbildung sind, angesichts ihres relativen Mangels an Erfahrung trotz aller positiver Konnotation und Ressourcenorientierung schnell entmutigt sind oder das Gefühl bekommen, das, was sie bei ihren Lehrern bzw. Trainern beeindruckt, selbst nicht erreichen zu können. An Erlebnisse dieser Art kann ich mich natürlich selbst noch gut erinnern, auch wenn das schon eine Weile zurückliegt. Jedenfalls hat mich diese Erfahrung angeregt, bei erfahrenen systemischen Kolleginnen und Kollegen nachzufragen, wie es denn ihnen mit ihrem professionellen„ersten Mal“ als TherapeutInnen, BeraterInnen und SupervisorInnen ergangen ist. Wie sind die Erinnerungen an den ersten Fall, die erste Beratung, Therapie oder Supervision? In welchem Kontext stand die berufliche Entwicklung, was war das Rüstzeug, was war hilfreich, was war hinderlich, was war großartig, was einfach peinlich? Und was von alledem hat sie im Verlauf der Zeit als Ressource begleiten können?
Unter der Adresse
Nachdem gestern ein Vortrag von Sabine Klar zum Thema„Helfen wir unseren KlientInnen auch beim Widerstand?“ veröffentlicht wurde, der auf dem ÖAS-Kongress im September in Wien gehalten wurde, können Sie heute die Erwiderung von Kurt Ludewig unter dem Titel:„