Heute vor fünf Jahren starb Pierre Bourdieu, einer der bedeutensten europäischen Soziologen der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, im Alter von 71 Jahren in Paris. Er hinterließ ein komplexes Werk, das sich gerade der deutschen Leserschaft nicht ohne weiteres erschloss. Lesen Sie eine ausführliche Besprechung von Tom Levold über eine
Einführung in das Werk von Pierre Bourdieu, die von Werner Fuchs-Heinritz und Alexandra König, SoziologInnen an der Fernuniversität Hagen geschrieben wurde:„Den Autoren ist eine hervorragende Einführung gelungen, nicht nur in das Werk von Pierre Bourdieu, sondern auch in seine wichtigsten Einzelwerke. Die zentralen Begriffe und Konzepte werden ausreichend differenziert und nachvollziehbar herausgearbeitet, die persönlichen und wissenschaftlichen Kontexte werden in der Darstellung berücksichtigt und erleichtern die Orientierung. Viele sinnvoll platzierte Bourdieu-Zitate machen Lust auf das Nachschlagen im Original. Trotz allen Wohlwollens wird auch die Kritik an Bourdieu nicht übergangen, an vielen Stellen wird auf theoretische, argumentative oder empirische Schwachpunkte hingewiesen. Der gesamte Band ist durchgängig gut verständlich und kommt daher auch für Leserinnen und Leser in Frage, die bislang noch keine Bekanntschaft mit Bourdieu gemacht – oder gesucht haben. Was will man von einer Einführung mehr?“
Zur vollständigen Besprechung
23. Januar 2007
von Tom Levold
Keine Kommentare
Sexualtheoretiker müssen sich irgendwann, spätestens nach ihrem Ableben, die Frage gefallen lassen, wie es denn um ihre eigene Sexualpraxis bestellt gewesen ist. Das gilt in ganz besonderem Maße für die Person Sigmund Freuds, dessen Libido seit Jahrzehnten alle möglichen Biografen auf der Spur sind. Nun ist mal wieder jemand fündig geworden, nämlich der Heidelberger Soziologe, Psychoanalytiker und Freud-Forscher Franz Maciejewski, dem es gelang, im vergilbten Fremdenbuch eines kleinen Schweizer Hotels eine Eintragung ausfindig zu machen, aus der hervorgeht, dass Freud hier am 13.8.1898 mit seiner Schwägerin Minna in einem Doppelzimmer mit Doppelbett abgestiegen ist. Das erregt den Freud-Forscher, weil diese Tatsache aus irgendeinem Grunde bedeute, dass„die Psychoanalyse
nicht länger durch die Einheit der Person (Freud) zusammengehalten werden“ könne, als ob – wie Ludger Lütkehaus in der NZZ treffend bemerkt,„sie jemals dadurch zusammengehalten worden wäre“. Wir sind gespannt auf die zukünftigen Enthüllungen über das Sexualleben der Freud-Biografen.