Niels Werber (Foto: Gegeninformationsbuero.de) setzt sich in diesem Text mit der Ablehnung des Kulturbegriffes durch Niklas Luhmann kritisch auseinander:„Die Systemtheorie in der Ausformulierung Niklas Luhmanns und seiner Schule kommt bislang ohne elaborierte Theorien der Kultur und des Textes aus. Texte sind für Luhmann schlicht Medien ,schriftlicher Kommunikation‘ (Gesellschaft der Gesellschaft: 257). Der Begriff der Kommunikation ist zentral, auch der Begriff der Schrift ist wichtig für den evolutionstheoretischen Teil der Systemsoziologie, ein Textbegriff wird dagegen nicht entwickelt; ein Text ist das, was schriftlich oder gedruckt vorliegt. Der Begriff wird rein deskriptiv verwendet und ist für die Systemtheorie in etwa so problematisch wie die Begriffe Äpfel und Birne. Cest ça. Kultur dagegen erfährt etwas mehr Aufmerksamkeit, denn Luhmann hält ,Kultur‘ für ,einen der schlimmsten Begriffe, die je gebildet worden sind‘ (Kunst der Gesellschaft: 398). Auf sein Konto gehe es, so Luhmanns Vorwurf, dass die Ausdifferenzierung der Sozialsysteme vor dem 19. Jahrhundert nicht beobachtet und beschrieben werden konnte, weil Semantiken nicht systemspezifisch in den Blick genommen wurden, sondern system-indifferent als Teil einer integralen Kultur. Statt systemspezifische Selbstbeschreibungen zu entwickeln, wurde Kommunikation auf Kultur bezogen. So heterogene Erscheinungen wie Libertins, Atheismus, Esprit, Etikette, strengster Klassizismus, raffinierte Saucen und Ragouts, Arroganz und Eleganz konnten als Teil der französischen Kultur identifiziert werden und so weiterhin ,Gegenstand für Seinsaussagen‘ bleiben (ebd.). Der Franzose ist dies oder das. Kurzum: Der Kulturbegriff habe die Selbstbeobachtung der Gesellschaft und ihrer Geschichte mit der Differenz von Gesellschaftsstruktur und Semantik verhindert. Dietrich Schwanitz übrigens, auch er ein Systemtheoretiker, übersetzt die Fragestellung des New Historicism in seiner Auseinandersetzung mit Greenblatt umstandslos in genau diese Unterscheidung der Form gesellschaftlicher Differenzierung und ihrem entsprechenden ,semantischem Gelände‘. Dabei geht, wie mir scheint, allerdings genau der spezifische Einsatz des New Historicism verloren, denn statt mit einer schier ,unendlichen Datenfülle ohne vorgegebene Ordnungsmuster‘ zu beginnen, setzt Schwanitz einen bestimmten historischen Stand der Ausdifferenzierung von Funktionssystemen voraus, der von der Literatur beobachtet, um nicht zu sagen: widergespiegelt wird. Die von Schwanitz inszenierte ,Konfrontation von Systemtheorie und New Historicism‘ kann dann natürlich nur mit der Aufzählung der ,Vorteile der Systemtheorie‘ enden“
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19. März 2007
von Tom Levold
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Gregory Bateson und Margaret Mead trafen sich 1932 in Neu-Guinea, wo sie beide ethnologische Feldforschungen durchführten. Sie heirateten 1936, bekamen 1939 eine gemeinsame Tochter, Mary Catherine Bateson, trennten sich aber später. Dies hielt sich nicht ab, bis zum Ende ihres Lebens miteinander freundschaftlich verbunden zu bleiben. Beide waren an der Entwicklung und Durchführung der berühmten Macy Conferences in den Jahren 1947-1953 beteiligt, die zum wissenschaftlichen Durchbruch der Kybernetik wesentlich beigetragen haben und zu der Heinz von Foerster später als Sekretär und Organisator hinzustieß. Stewart Brand führte 1976 für die Zeitschrift„CoEvolutionary Quarterly“ ein Interview mit Margaret Mead und Gregory Bateson über die Initialphase der Macy-Konferenzen durch. Zu diesem Zeitpunkt war Mead 75, Bateson 72. Es offenbart nicht nur ungewöhnliche Einblicke in die Aufbruchstimmung der damaligen Jahre, sondern auch in eine auch zum damaligen Zeitpunkt immer noch lebendige, widerspruchsfreudige und anregende Beziehung zweier außergewöhnlicher Persönlichkeiten.