Im Verlag Systemische Forschung bei Carl-Auer ist bereits 2005 ein schmales Buch von Anna Stöber (heute Henkel) erschienen, das sich mit der Verfasstheit von Kirchengemeinden als betriebswirtschaftliche Organisation einerseits, als soziales System andererseits auseinandersetzt. In seinem Vorwort schreibt Dirk Baecker:„Frau Stöber fasst ihre Überlegungen in zwei Punkten zusammen. Der erste Punkt ist, dass die Gemeinde jene Form von Management bereits ist, die ein betriebswirtschaftlich informiertes Beratungskonzept vermisst und nur deswegen hier nicht erkennen kann, weil ein hinreichend verallgemeinerter Managementbegriff fehlt. Und der zweite Punkt ist, dass das betriebswirtschaftliche Konzept perverserweise darauf hinausläuft, der Organisation der Kirchengemeinde genau dort einen Ausbau formalisierter Organisationsstrukturen zu empfehlen, wo informelle Organisations formen zum einen wirtschaftlich günstiger (das Fixkostenargument) und zum anderen motivationsstärker sind (das Gemeindeargument)“ Und Norbert Schlüpen lobt in seiner Rezension:„In der Tat wären die Gemeinden gut beraten, wenn sie die Schnittstellen und ihre Synergien berücksichtigen würden, die durch das komplexe Zusammenwirken von Religion, Organisation und Gemeinschaft (ROG) entstehen. Mit ihrer Untersuchung entwickelt sie eine Gemeindearchitektur, die die finanziellen Schwierigkeiten der Kirchen und Gemeinden aufgreift und ihnen Wege aus der Form- und Gestaltlosigkeit gemeindlicher Aktionismen zeigt“
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7. April 2008
von Tom Levold
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Im Februar 2003 veröffentlichte die Paar- und Sexualtherapeutin Ulrike Brandenburg mit dem 2005 verstorbenen Heinz Kersting aus Aachen eine Arbeit über den systemischen Ansatz bei sexuellen Problemen, der in der edition ferkel nun auch im systemagazin zu lesen ist:„Anhand eines Erstgesprächs mit einem impotenten Paar wird Systemische Sexualtherapie dargestellt, analysiert und diskutiert. Dabei wird deutlich, welch hohe therapeutische Potenz der systemische Ansatz bei der Behandlung von Menschen mit sexuellen Problemen hat. Nicht die Störung an sich, sondern die Störung in Bezug auf wen, auf was, auf wie darum geht es. Die systemische Therapie vermag mit ihren Möglichkeiten ein Verständnis herzustellen dafür, wie Sexualität kommuniziert wird. Durch ihre geplanten Irritationen bietet sie in einem zweiten Schritt an, dieses Kommunikationssystem sofern vom Paar gewünscht zu verändern. Insofern ist sie in der Lage, Patienten darin zu unterstützen, Sexualität neu zu konstruieren. Am beschriebenen Fall wird aufgezeigt, wie das Paar unter der behutsam verstörenden, ressourcenorientierten und ermutigenden Anleitung durch die Therapeutin zu dem angst- und schambesetzten Thema der Impotenz eigene und neue Perspektiven bezüglich des Symptoms vornehmen kann. Über das Wagnis des Sich-Einander-Zumutens erhöhen sich Nähe und emotionale Intimität und es entwickelt sich ein von dem Paar selbst initiierter Prozess von höchster therapeutischer Potenz. Dabei kann das Symptom der Impotenz bereits an Bedeutung verlieren, obwohl auf der Symptomebene noch gar nicht therapeutisch gearbeitet wurde“
systemagazin ist von interessierter Seite ein internes Arbeitspapier der„Arbeitsgruppe Aktualisierung der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen – ICD 11″ zugespielt worden, die als Zusammenschluss forschender Psychiater und Psychotherapeuten aus dem Bereich namhafter Verbände, Institute und Kliniken mit Schwerpunkt auf dem Gebiet der deutschsprachigen Sozialpsychiatrie damit befasst ist, Vorschläge für eine Aktualisierung des derzeitig gültigen ICD-10-Kataloges zu entwickeln. Die vorliegende, vertrauliche Passage gilt der Einführung einer neuen umschriebenen Störungskategorie im Bereich der bereits bekannten spezifischen Persönlichkeitsstörungen sowie anderen Persönlichkeitsstörungen und anhaltenden Persönlichkeitsänderungen. Diese Kategorien werden im bisherigen ICD-10-Katalog unter den Ziffern F60 F62 beschrieben und katalogisiert. Die neu zu katalogisierende Störung soll mit ICD 11 F 62.2 – andauernde Persönlichkeitsstörung nach tief greifender sozioökonomischer Belastung Ökonomisierungswahn überschrieben werden. Da in den letzten Monaten auch im systemagazin eine heftige Debatte um das„Störungsspezifische Wissen“ in der systemischen Therapie zu verzeichnen war, sind alle Leserinnen und Leser herzlich eingeladen, ihre Meinungen und Kommentare über die Einführung dieser neuen Diagnose an dieser Stelle beizusteuern. 