Nachdem Thomas Friedrich-Hett im Herbst 2005 ein Themenheft der Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung über das positive Altern und in 2007 ein Buch zum Thema herausgegeben hat (welches in Kürze auch im systemagazin besprochen wird), legt er mit dem aktuellen Heft der ZSTB wieder ein Themenheft vor, das dem Umgang mit alten Menschen wie auch dem eigenen Älterwerden gewidmet ist. Aus dem Editorial:„Das Heft beginnt mit zwei theoretisch orientierten Beiträgen. Die Gerontologin Ursula Lehr, die bereits das erste Heft fachlich bereicherte, diskutiert unterschiedliche Auffassungen von Lebensqualität und erfolgreichem Altern, untersucht Voraussetzungen für ein erfolgreiches Altern und stellt ein interaktionistisches Modell der Bedingungen von Langlebigkeit vor. Adelheid Schramm-Meindl und Ulrich Meindl reflektieren über mögliche Gründe (Hürden) die ältere Menschen daran hindern sich mit neuen Altersbildern auseinander zu setzen. Sie sprechen eine Einladung zu einer psychologisch orientierten Biographiearbeit aus und schlagen vor, Alter als soziale Kategorie abzuschaffen. Thomas Gutknecht ist Theologe und niedergelassener Philosoph. Er stellt die Perspektive der Philosophischen Beratungspraxis im Dialog mit älteren Menschen als Alternative zu therapeutischen Angeboten vor und überdenkt wichtige Altersaspekte. Seine philosophischen Bezugspunkte scheinen mir an vielen Stellen Überschneidungen zu systemisch-dialogischen Haltungen aufzuweisen. In einem eigenen Beitrag stelle ich das Reflektierende Team von Tom Andersen in der Gruppentherapie mit älteren Menschen vor. Nach einer Darstellung von Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis folgt ein Erfahrungsbericht über eine tagesklinische und eine ambulante Gesprächsgruppe mit älteren Menschen, bei denen die Patientlnnen selbst ein Reflektierendes Team in der Beratung von MitpatientInnen bildeten. Dietmar Höhne skizziert mit unterschiedlichen sehr belesenen Bezügen wichtige Erfahrungen seines eigenen Alterns und reflektiert von dieser betroffenen Position aus sein Handeln als ärztlicher Psychotherapeut in der Arbeit MIT älteren Menschen. Ein für mich bewegender, stellenweise auch sehr gesellschaftskritischer Bericht. Klaus Zitt, dessen faszinierendes Versorgungskonzept, die integrierte Altenpflege in Ludesch, wir bereits durch ein Interview im ersten Heft über positives Altern kennen lernen konnten, beschreibt mit dem systemisch-konstruktivistischem Case Management Coaching ein Herzstück seiner Betreuung älterer Menschen in der Gemeinde“
Zu den vollständigen abstracts
5. Mai 2008
von Tom Levold
Keine Kommentare
Die neue Ausgabe des JoFT bringt Aufsätze zweier sehr prominenter Autoren. Carlos E. Sluzki warnt in seinem Beitrag vor einer„neugierigen“ Haltung von Therapeuten, die einen familientherapeutischen Prozess weit über die Bedürfnisse und die Erwartungen der Familie hinausführt und damit zum Gegenteil dessen wird, was Gianfranco Cecchin in seinem berühmten Aufsatz über„Neugier“ formuliert hat. Gleich zwei Beiträge stammen von John Byng-Hall, der wie kein zweiter in der englischsprachigen Szene für die bindungstheoretische Orientierung in der Familientherapie steht. Die erste Arbeit will FamilientherapeutInnen bindungs- und sicherheitsfördernde Interventionen nahebringen, der zweite Artikel beschäftigt sich mit dem Konzept der Parentifizierung, bei dem Kinder in Familien Elternrollen übernehmen und dabei in gewisser Weise ihre Kindheit verlieren. Familientherapie kann zu einer Aufhebung dieses„role reversal“ beitragen. Jan den Mol und Ann Buysse aus Belgien haben Vorstellungen über den Einfluss von Kindern auf ihre Eltern erforscht, und zwar sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern. Eine weitere Forschungsarbeit untersucht die therapeutische Beziehung in 37 Kurzzeit-Therapien aufgrund von Video-Analysen und setzt die Ergebnisse mit den Wahrnehmungen der Teilnehmer und dem Therapie-Erfolg in Beziehung.
Freiheit wiederum nichts weiter meinen kann als den Zwang zur Selbstreproduktion. Eine Profession ohne Eigenschaften ist in den Worten Heinz von Foersters ihr eigener Regler: Sie entscheidet in jedem Augenblick, wer sie ist, welche Eigenschaften sie an und welche sie ablegt, kurz: welche Form sie sich gibt“ Eine wichtige Frage für die Soziale Arbeit ist die Konzeptualisierung des Menschen, wenn man akzeptiert, dass der Mensch als Theoriebegriff nichts mehr taugt:„Wie in Bezug auf Wissen und Werte greift auch in Bezug auf den Menschen das Prinzip der Überzeugungsentbundenheit. Das meint: Sozialarbeiter müssen nicht mehr davon überzeugt sein, dass der Mensch die letzte oder höchste, jedenfalls tragende Wirklichkeitskonstante ist, doch sie finden auch keinen Grund mehr, nicht trotzdem so zu tun als ob
, um Mögliches zu ermöglichen: Man benutzt die Formel Mensch als eine Art Hebel, um andere zur Annahme von ansonsten prekären Sinnzumutungen zu bewegen. Indem man mit moralischen Untertönen an das eigene Menschsein, was immer das sei, erinnert, rührt man die Spenderherzen oder bewegt etwas in den Köpfen der Klienten. Es gehört mit anderen Worten zur Schmuddeligkeit der Sozialarbeit hinzu, den Menschen einerseits als Turbulenzquelle und Perturbator par excellence ernst zu nehmen, und ihn andererseits, sozusagen wider besseren Wissens, als Kontingenzunterbrecher, als Stopper von Beliebigkeit, als Marke, bei der der Spaß am Konstruieren sein Ende finden möge, in das Gerangel um Wirklichkeitskonstruktionen einzubringen.

