Ein sinnliches Abenteuer: In der Nähe Stuttgarts liegt die kleine Stadt Ostfildern, die sich als Stadt der Ideen und des offenen Miteinanders beschreibt. Wohl wahr. In der aktuellen Ausstellung der städtischen Galerie im Stadtteil Scharnhausen gibt es noch bis zum 02.09. das Projekt Fliegen zu bestaunen (ab 26.09. dann in Esslingen).
Der ehemalige Flugüberwachungspunkt im Scharnhauser Park war Ausgangspunkt für dieses Projekt. Zur Zeit der Nationalsozialisten errichtet, wurde das Gelände nach dem Krieg von den Amerikanern als Luftwaffenbasis genutzt, seit 1992 entsteht hier ein neuer Stadtteil. Es
begab sich die Gruppe Margit Schranner, Janne Reuss und Thomas Lang an diesen Un-Ort mit sprichwörtlicher Ausstrahlung auf Spurensuche. Tote Fliegen als stumme Zeitzeugen dominierten den ansonsten leeren Raum. Sich ein Bild von einem Ort zu machen, zu erfahren, was der Ort von seiner Vergangenheit preis gibt, diese Erfahrung schließlich sichtbar zu machen, mit wissenschaftlicher Akribie zu archivieren und zu transformieren war das Anliegen der Gruppe. So beschreibt die Kuratorin Holle Nann das Projekt.
Die Künstler haben tote Fliegen in Gießharz und Wachs gegossen, archiviert und präsentiert. Eine gelungene Provokation der Wiederholung. Als Beobachter (1. Ordnung) beobachten wir was wir beobachten. Wir sehen alles, alles was wir sehen.
Immer bedeutet Sehen, dass etwas gesehen wird, das wiederum das Sehen verändert. Das kann auf die konstruierte Wirklichkeit gerichtet sein, wie auf Prozesse der Vorstellung und der Phantasie. Das Eintauchen in die Welt, die Skulptur der Fliegen ist eine kreative Leistung. Kunst spricht nicht, sinnliche Erkenntnis hingegen erfordert Aufmerksamkeit, die sich nicht mit Worten zufrieden gibt. Und: die Intensität der Wiederholung, Fliege 1, Fliege 2, Fliege 246
, ist hoch wirksam, hat den Reiz minimaler Variation und fördert die meditative Sichtweise (Foto: U. Schlingensiepen).
Und: Kunst muss nicht erklären, was für ein Glück. Die archivierten Fliegen als stumme Zeitzeugen im Stahlgestell machen was sie wollen, die Skulptur als Erfahrung und nicht als Begründung. Und: das Schweigen der Fliegen ist ohrenbetäubend!
Wer nun als Beraterin/Berater sein Geld verdient, kann sich nun überlegen, was hat dies mit ihr/ihm zu tun. In der Kunst gibt es, so scheint es mir, einen Zusammenhang zwischen minimal invasiven Verfahren und starken Wirkungen. Je einfacher die Dinge, desto stärker ist ihre ästhetische Wirkung.
Hier der Link zur Ausstellung
21. August 2008
von Schlingensiepen
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Dennoch bekomme ich auch jede Menge schöne Rückmeldungen zum systemagazin, für die ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken möchte. Das systemagazin besteht nun seit über dreieinhalb Jahren und hat sich wohl mittlerweile als ein Medium im systemischen Diskurs etablieren können. Fast jeden Tag finden Sie hier einen Link, eine Rezension oder andere interessante Informationen. Dafür möchte ich auch in Zukunft sorgen. Ich freue mich aber, dass sich ab sofort die Perspektive des systemagazin-Blogs, d.h. der Kreis der AutorInnen, erweitern wird. Ich habe eine Reihe von KollegInnen eingeladen, daran in unregelmäßigem Abstand mitzuwirken. Bereits am 14.8. hat Wolfgang Loth mit einem Beitrag den Anfang gemacht. Jetzt setzt Ulrich Schlingensiepen (Foto) aus Stuttgart die Reihe mit einem Hinweis zu einer interessanten Ausstellung fort. In nächster Zukunft werden Sie an dieser Stelle immer wieder diese und auch andere Stimmen zu lesen bekommen, die Ihnen ihre Beobachtungen, Textfunde, Kommentare oder Meinungen mitteilen werden. Lassen Sie sich überraschen. Ich danke schon jetzt allen für ihre Mitwirkung am Projekt systemagazin, das damit sicherlich noch lebendiger werden wird und freue mich auf Ihre Rückmeldungen.