„die welt, in der der mensch bislang lebte, war die ihn umgebende natur, der kosmos, in dem er stand. und philosophie war die frage, wie wir mit diesem kosmos verbunden sind.
erst seit etwas mehr als einem jahrhundert beschäftigt sich die philosophie mit den organisationsformen des gesellschaftlichen lebens, darunter den wirtschaftlichen bedingungen seiner existenz. es gibt eine philosophie der arbeit, eine philosophie der produktion, eine philosophie der technik gibt es nicht, keine philosophie. wie technik entsteht, entworfen, organisiert, vermarktet wird und verantwortet werden kann. wir gefallen uns in einer phi- losophie der erkenntnis und des wissens. eine philosophie des machens und des entwurfs steht aus.
der mensch ist umstellt nicht mehr von natur und welt, sondern von dem, was er gemacht und entworfen hat. gleichwohl wird das machen herabgesetzt. ein denker ist etwas besseres als ein macher, wer organisiert, ist mehr als wer produziert, der manager ist mehr als der ingenieur, die universität ist mehr als die technische hochschule, der bankier ist mehr als der fabrikant. ein handwerker ist ohnehin abgehängt. und wer gar selbst sein gemüse zieht, wird belächelt. man kann es doch kaufen.
auf hegel und marx geht zwar das heute allgemeine bewußtsein zurück, daß der mensch mitglied der gesellschaft erst wird durch sein handeln und seine tätigkeit. aber zwischen tätigkeit, arbeiten und machen sind essen- tielle unterschiede. die meisten menschen haben nur einen job, aber keine arbeit mehr, und von dem, der arbeitet, ist noch lange nicht gesagt, daß er etwas macht. machen ist ein selbst zu verantwortendes tun, an dem jemand mit konzept, entwurf, ausführung und überprüfung beteiligt ist. das, was er macht, steht unter seiner kontrolle und verantwortung und ist teil seiner selbst. machen ist die verlängerung des ich in die selbstorgani- sierte welt hinaus. im machen erfüllt sich die person. und dies in dem maße, als ein eigenes konzept, ein eigener entwurf beteiligt ist und in einer ständigen rückkoppelung aus dem machen erkenntnisse gewonnen werden für die korrektur von konzept und entwurf.
nur das schöpferische machen ist wirkliche arbeit, ist entfaltung der person. der entwurf ist das signum der kreativität, durch ihn wird aktivismus und job erst human. eine humane welt setzt eine arbeit und ein machen vor- aus, die durch den entwurf gekennzeichnet sind, weil im entwurf das motiv der person erscheint“ (In:„die welt als entwurf“. ernst & sohn, berlin 1991, S. 191f.)
9. Dezember 2009
von Tom Levold
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„Mein Pass wurde am 22. November 1989 ungültig, wenn er nicht verlängert würde. Ich hätte aber schon im Sommer 1989 einen neuen Reisepass beantragen müssen, die Seiten für die Sichtvermerke/Visas waren erneut bis auf die letzte Seite voller rechteckiger Stempel in schwarz-grün, rotblau, grünblau, braun, gelbblau oder schlicht schwarz, mit Namen wie Staaken, Marienborn, Drewitz, Horst, Schwanheide, Frankfurt/Oder, Wartha, Görlitz und DDR 087, 188, 069 Transit oder wie auch immer voll und so also aufgebraucht. Auch der 9. November 1989 war ein Tag, an dem ich es erfolgreich vermieden hatte, einen neuen Reisepass zu beantragen. Wenn man gegen die Übellaune dieser großmützigen DDR-Grenzbeamten andiskutierte, weiblicher Charme half nur wenig, bekam man ja immerhin für die Transitstrecke lose Blätter in den Reisepass gelegt, auf denen die Stempel sogar etwas farbenfroher als auf den grünen BRD-Seiten wirkten. Welchem Rhythmus die Farben und Nummerierungen folgten, ist eines der vielen Rätsel, die die damalige DDR mit in ihr Grab genommen hat“ So beginnt Dörte Foertsch ihre Reflexion der Berliner Zeit vor und nach dem Mauerfall, der auch für sie und ihre Arbeit als Lehrtherapeutin in Berlin nachhaltig verändert hat.
„Eigentlich wollte ich mich diesmal nicht beteiligen am Adventskalender. Was hätte ich zum Thema zu sagen als Bewohner einer einmal Bonner Republik , was könnte ich anderes beisteuern als bestenfalls sympathisierende Anekdoten? Natürlich weiß ich noch, wo ich war, als ich vom Mauerfall erfuhr, von eröffneter Entgrenzung: ich wollte gerade von der Arbeit nach Hause fahren als ich im Autoradio davon hörte. Ich bin zurückgelaufen zu den KollegInnen in der Stelle und