In den„Systemischen Notizen“ der Wiener Lehranstalt für systemische Familientherapie hat Helmut de Waal in der Ausgabe 3/2003 einen schönen Text über den therapeutischen Umgang bzw. den Umgang von Therapeuten mit Ungewissheit verfasst, der auch online zu lesen ist. Die Zusammenfassung:„Der Zweifel ist immer von Gefühlen begleitet, die uns meist überraschen. Er changiert zwischen Wundern und Peinlichkeit. Das macht unser Leben unsicherer und reicher, auch wenn wir die damit verbundenen Einsichten und Erfahrungen ursprünglich lieber vermieden hätten. Der Zweifel ist eminent wichtig, v.a. wegen seiner Wirkung, nicht (nur) der therapeutischen. Der Zweifel macht bescheiden und deswegen gewappnet gegen die einzige Todsünde des Therapeuten, die Idee er bewirke etwas, er brächte das Wunder hervor – das ist guruhaft, auch ok., aber das ist dann etwas Anderes, eher etwas für Religionsgründer als für die Psychotherapie. Zweifel erspart uns so viel Mühe, v.a. die der Arroganz. Der Zweifel sollte keinesfalls utilisiert werden, das hat er nicht verdient, auch nicht von einer Therapieform, die in der Nutzung des Hinderlichen eine ihrer Stärken sieht. Das hieße den Bock zum Gärtner machen und abgesehen davon, dass der Bock vielleicht kein guter Gärtner ist, er fehlt dann auch der Herde, ohne ihn wird sie nicht gedeihen. Anders gesagt: Der Zweifel ist zu fruchtbar um gleich genutzt zu werden. Der Zweifel steht dem Glauben gegenüber, nicht entgegen. Glaube und Zweifel sind Positionen, die nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden können. Wer nur zweifelt, der verzweifelt, wer nur glaubt sieht alle Erfahrung im ewig gleichen Licht. Was wäre der Sinn des Zweifels für die Therapie? Technisch gesprochen keiner, er mahnt uns aber ständig an die Vorläufigkeit unseres beruflichen Handelns und die Abhängigkeit dieses Handelns von außertherapeutischen Wirkungen und Kontexten. Der Therapeut ist immer ungewiss und deswegen neugierig und immer wieder auf der Suche nach der neuen maßgeschneiderten Lösung. Der Therapeut weiß nichts und kann nichts, wenn er sich hinsetzt und zu arbeiten beginnt. Er fängt immer wieder von vorne an, jeden Tag. Das ist das Schöne und Schöpferische an seiner Arbeit. Der Zweifel ist der notwendige Preis dafür. Der Glaube ist die Münze, in der wir diesen Preis zahlen können ohne zu verzweifeln“
Zum vollständigen Text
14. Oktober 2011
von Tom Levold
Keine Kommentare

In der Ausgabe 3/2011 des Coaching-Magazins, die seit kurzem online zur Verfügung steht, gibt es einen kurzen Essay von Bernhard Pörksen über die unterschiedlichen Spielarten des Konstruktivismus, der zum Schluss für einen„subversiven Konstruktivismus“ plädiert:„Ein subversiver Konstruktivist lässt sich seine Themen und seine Herangehensweise nicht extern diktieren und arbeitet nie direkt mit den Argumenten und Ansichten der gegnerischen Position, sondern er spielt mit ihnen, denkt sie weiter und zu Ende, versucht, ihre Konsequenzen auszuleuchten. Der subversive Konstruktivist macht nicht den Fehler, sich in die jeweils abgelehnte Wirklichkeit zu verbeißen und dadurch zu einem dogmatischen Anti-Dogma- tiker zu werden, der dem Gegner an Starrheit und Hartherzigkeit in nichts nachsteht. Er verkündet kein neues Dogma, sondern versteht seine Denkanstöße und Kopfnüsse als eine Medizin gegen den Dogmatismus selbst“
Wie erst heute in Berlin bekannt wurde, lag der aufsehenerregenden Bemerkung von Ronald Pofalla (Foto: teAM Deutschland) in Richtung seines Fraktionskollegen Wolfgang Bosbach („Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen“) keineswegs – wie von bösen Zungen kolportiert – eine Beleidigung zugrunde, sondern vielmehr eine stressbedingte Netzhaut-Ablösung, die dazu führte, dass er kurzzeitig nicht mehr sehen konnte. Mittlerweile wurde Pofalla in der Berliner Charité von einem Spezialistenteam der Augenklinik operiert. Aus einer Presseerklärung, die am heutigen Abend veröffentlicht wurde, geht hervor, dass die Operation gut gelungen ist und es dem prominenten Patienten schon wieder besser geht. Pofalla sei zuversichtlich, dass er schon bald die Fresse von Wolfgang Bosbach wieder sehen könne, heißt es in der Nachricht, die von der CDU-Spitze mit Erleichterung aufgenommen wurde.