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systemagazin-Adventskalender: open doors

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5adventJürgen Hargens, Meyn:

Als ich Toms Einladung zu seinem Adventskalender mit diesem Thema las, musste ich als erstes lächeln. „Open Doors“ – zumindest doppeldeutig.

„Offene Türen“, also einerseits gleichsam eine Einladung, respektvoll einzutreten, neue Räume zu erleben oder aber hinauszugehen bzw. hinausgehen zu können oder zu dürfen.

Andererseits könnte ich es auch als Aufforderung lesen: „Öffne Türen“ – mit den vielen Assoziationen, einen Weg freizumachen.

Im Grunde genommen Aufforderungen und Angebote, um Möglichkeiten zu erkennen, wahrzunehmen und, wenn ich es möchte, diese auch anzunehmen. Genau das, was für mich meine Art zu arbeiten (gearbeitet zu haben, darf ich heutzutage als Rentner sagen) auszeichnet: mit Möglichkeiten zu spielen. Und in der deutschen Grammatik besteht dafür sogar eine Form, der Konjunktiv.

Und in Zeiten wie diesen bekommt die offene oder zu öffnende Tür noch eine weitere Bedeutung: viele Menschen flüchten – zu uns – und hoffen darauf, dass ihnen die Tür geöffnet und offengehalten wird.

Wenn ich weiter mit diesem Bild spiele (in des Wortes bester Bedeutung), dann frage ich mich, wenn ich beraterisch-therapeutisch tätig bin (oder sein will), ob ich „meine Tür(en)“ offenhalte und die Menschen zu mir kommen lasse. Oder ob ich die Tür(en) zumache, indem ich darauf verweise, keine „freien Plätze“ zu haben … was mich sehr bedrückt, denn ich bin immer mehr zu der Überzeugung gelangt, dass dies letztlich ein Ausdruck dessen ist, dass ich nicht über den Tellerrand schaue, sondern so weitermache wie bisher – und dabei das Heinz-von-Foerstersche-Theorem beiseite schiebe: „handle stets so, dass sich die Zahl deiner Möglichkeiten vergrößert“. In einer negativen Formulierung könnte ich sagen: „alternativlos“. Und das, so glaube ich, kann nicht stimmen.

„Keine freien Plätze haben“ – diese Aussage begreife ich als Einladung, mir darüber Gedanken zu machen, die Arbeit anders zu organisieren, so dass immer freie Plätze da sind. Das soll gehen? Ich bin davon überzeugt und habe das entsprechend praktiziert.

Offene Türen oder Türen öffnen – eine Einladung gegen den Strich zu lesen, Gegebenes nicht als unveränderlich hinzunehmen, sondern infrage zu stellen. Anders gesagt – offene Türen oder Türen öffnen könnte ich auch so verstehen, dass ich mich einladen lasse, Neues zu erkunden.

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