
Der aktuelle Jahrgang der Zeitschrift für Systemische Therapie und Beratung hat bislang zwei Themenhefte vorgelegt, deren erstes sich mit dem Thema „Positives Altern“ auseinandersetzt. Es ist bereits das dritte Themenheft zu diesem Thema und wird wie schon die ersten Beiden auch von Thomas Friedrich Hett herausgegeben. Inhaltliche Beiträge umfassen „Erfahrungen sexualisierter Gewalt in der Lebensgeschichte alter Frauen“, „Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen in der Psychiatrie“, „transkulturelle gerontopsychiatrische Versorgung“ und „generationsübergreifendes Arbeiten in Schreibgruppen“. Das aktuelle Heft stellt systemische Sozialarbeit unter das Motto „SelbstHandeln“ und vereint eine Vielzahl von kurzen Beiträgen, die in der Sozialen Arbeit Tätigen Mut und Zuversicht vermitteln wollen. Besonders hervorzuheben ist hier ein Text von Haja Molter und Birgit Wolter, die sich kritisch mit der Ressourcen- und Lösungsorientierung auseinandersetzen: „In dem vorliegenden Beitrag beschäftigen wir uns mit den Ansätzen Capability und Empowerment. Ebenso schenken wir dem Begriff Resilienz wohlwollend kritisch unsere Aufmerksamkeit. Wir wolllen die unterschiedlichen Positionen und ihre Verwandtschaftsbeziehungen zum lösungsorientierten und ressourcenorientierten Ansatz in Beratung, Coaching und Supervision nutzen, um ihre Bedeutung für eine systemisch-lösungsorientierte Praxis herauszustellen und einige Positionen des lösungsorientierten Ansatzes in Frage zu stellen.“
Alle bibliografischen Angaben zu den einzelnen Texten und Rezensionen gibt es hier…
Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF)
Bevor das erste Heft der Zeitschrift „Systeme“ des Jahrgangs 2016 an den Start geht, möchte ich noch auf die ertragreichen beiden Hefte des vergangenen Jahrgangs hinweisen. In Heft 1 fragt Hans Lieb „Was muss eine Systemtherapie im Gesundheitswesen bewältigen, um eine Systemtherapie im Gesundheitswesen zu bleiben?“, eine Frage, die die Systemische Therapie in den kommenden Jahren noch verstärkt umtreiben wird. Ein weiterer Text von Sybille Vosberg befasst sich mit dem „weitgehend unbestellten Feld“ der systemisch-lösungsorientierten Begutachtung in familiengerichtlichen Verfahren. Ein ziemlich gewagter Artikel von Simon Springmann versucht, „mögliche Anknüpfungspunkte zwischen Nietzsches perspektivischem Denken und dem systemlschen Ansatz“ zu finden. In Heft 2 fordert Klaus Ottomeyer, angesichts der kapitalistischen Krise in Zeiten des Neoliberalismus Individuen als „Arbeitende, als Liebende und als Kämpfende eine je spezifische soziale Anerkennung“ zuteil werden zu lassen. Ulrike Borst macht einem sehr verbreitenswerten Text über „Ethik in der Psychotherapie aus systemischer Perspektive“ klar, das „Nicht alles geht“! Zwei weitere Texte beziehen sich auf die Betreuung von Kindern in Kindertageseinrichtungen aus entwicklungspsychologischer Sicht (Fabienne Becker-Stoll) und auf Kriegsenkel in Therapie und Beratung (Ingrid Meyer-Legrand). Schließlich ist noch ein Tagungsbericht zur SG-Jahrestagung 2015 in München zu erwähnen (Florian Wiedemann), die ganz dem Change-Management-Ansatz von Otto Scharmer („Theorie U“) gewidmet war. Als schöner Kontrast schließt das aktuelle Heft mit einer sehr lesenswerten Kritik der Theorie U ab, die Stefan Kühl auf der Tagung vortrug und die erfreulicherweise mit diesem Heft auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht wird. Darüber hinaus enthält der Jahrgang auch wieder zahlreiche gehaltvolle Rezensionen (die meisten vom Rezensionsaltmeister und systeme-Spiritus Rector Wolfgang Loth) und leistet damit auch wieder einen wunderbaren Beitrag gegen den Niedergang der Rezensionskultur in unseren Breitengraden.

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und die Systemische Gesellschaft (SG) vergeben erstmals gemeinsam einen systemischen Forschungspreis. Der mit 3000 Euro dotierte Preis wird auf einer internationalen systemischen Forschungstagung im März 2017 verliehen. Bewerbungen sind ab sofort möglich.

