Wolfgang Loth ist systemagazin-Lesern seit der Gründung vertraut. Er hat aber nicht nur zahlreiche Aufsätze und noch zahlreichere Rezensionen verfasst, sondern auch ein Buch, das heute an dieser Stelle gewürdigt werden soll. In seiner Rezension von„Auf den Spuren hilfreicher Veränderungen. Das Entwickeln klinischer Kontrakte“ schreibt Kurt Ludewig über Wolfgang Loth:„Seine Arbeiten der letzten Jahre imponieren als beharrliche Auseinandersetzung mit den theoretischen Prämissen systemischen Denkens und mit deren Wert im Hinblick auf die Umsetzung in Praxis. Das Dilemma des Praktikers – er ist seit nunmehr 20 Jahren Mitarbeiter einer Beratungsstelle – löst er nicht, indem er sich auf die eine oder andere Seite desselben lehnt, sondern indem er sich durchgehend treu bleibt bei seinem Bemühen, Theorie und Praxis zu verbinden, ohne sich dabei selbst zu vergessen. Er bleibt also der zentralen Voraussetzung systemischen Denkens treu, den ,Beobachter‘, also sich selbst, erkenntlich zu machen, ohne sich auf angebliche Vorgegebenheiten herauszureden. Mit seinem eigenen Begriff ausgedrückt, verzichtet er darauf, eine überhebliche Position des anleitenden Besserwissers einzunehmen, sondern er bescheidet sich bewusst auf die Funktion eines„Beisteuernden“, die über die Kompetenz verfügt, sich erkennbar, verantwortlich und anschlussfähig am Diskurs zu beteiligen“ Eine schöne Beschreibung der Haltung von Wolfgang Loth.
Und Cornelia Tsirigotis ergänzt in einer weiteren Rezension:„Im kälter wehenden Wind der Diskussion um Qualität und
Finanzierbarkeit von Hilfeangeboten ist es gut, sich mit einem
qualitativen und fundierten Konzept von Leistungsbeschreibung einen atmungsaktiven Windbreaker anzuziehen“
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30. Januar 2007
von Tom Levold
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Das Jahr der Geistenswissenschaften? Haben wir! Jetzt. Wirklich. Und gestern ist es im Berliner Martin-Gropius-Bau eröffnet worden. Vom Soziologen, und Friedenspreisträger Wolf Lepenies. Seine interessante Rede ist in der heutigen Online-Ausgabe der Welt nachzulesen:„Am bedrohlichsten aber ist das Verschwinden ganzer Disziplinen. Auch wenn wir von den Biologen gelernt haben, dass zum Erhalt der Artenvielfalt keine Maximierungs-, sondern eine Optimierungsstrategie notwendig ist: Analog zum Artenschutz- benötigen wir längst ein Fächerschutzabkommen. Es steht zu befürchten, dass der sogenannte Bologna-Prozess, der in das deutsche Universitätssystem die Bachelor- und Master-Studiengänge hineinzwingt, das Todesurteil für eine Reihe kleiner Fächer bedeutet“ Und:„Im Zeitalter der Wanderungen, des Kulturenwechsels und hoher Mobilitätsansprüche an den Einzelnen helfen die Geisteswissenschaften, sich in unterschiedlichen Milieus und Lebenswelten zurechtzufinden. Die Geisteswissenschaften sind Verstehens- und Übersetzungswissenschaften – aber sie übersetzen nicht mit dem Ziel, ein einheitliches Idiom zu schaffen, in dem sich alle mühelos miteinander verständigen könnten. In den Geisteswissenschaften muss die Geschichte vom Turmbau zu Babel neu erzählt werden: Am Anfang sprachen die Menschen verschiedene Sprachen, und weil es großer Anstrengung bedurfte, sich zu verständigen, werteten sie jede gelingende Verständigung hoch; zum Konflikt kam es erst, als die Menschen ein einziges Idiom zu sprechen anfingen und nun der Illusion verfielen, sich für die Verständigung untereinander nicht mehr anstrengen zu müssen. Die Geisteswissenschaften ebnen Unterschiede nicht ein, sondern machen sie verstehend deutlich – und zeigen dabei, dass ästhetisches Vergnügen und ethische Befriedigung darin liegen, sich über erkannte Unterschiede miteinander zu verständigen. Dies ist der Sinn einer auf den ersten Blick etwas rätselhaften Bemerkung des Anthropologen Claude Lévi-Strauss: ,Nicht die Ähnlichkeiten ähneln sich, sondern die Unterschiede.‘ Das Motto für die Geisteswissenschaften steht in Shakespeares ,King Lear‘, und der Graf von Kent spricht es aus: ,I’ll teach you differences‘ – ,Ich will euch Unterschiede lehren.'“
Gestern, am 25.1., wäre Ilya Prigonine, 90 Jahre alt geworden. Der Physikochemiker und Nobelpreisträger für Chemie (1977) wurde am 25.1.1917 in Moskau geboren und übersiedelte mit seiner Familie 1921 nach Deutschland und 1929 nach Belgien, wo er 1949 die belgische Staatsbürgerschaft annahm. Er wurde weltberühmt für seine Arbeiten, in denen er sich mit dem Problem der Genererierung von Ordnung aus Chaos beschäftigte. Der berühmt gewordene Begriff der„dissipativen Strukturen“ wurde von ihm geprägt. Sein Werk ist weit über den eigenen Arbeitsbereich hinaus bekannt geworden, so auch in der Psychologie und den Sozialwissenschaften. Im Internet ist ein autobiografischer Text von ihm 