Geht es um die Reflexion der historischen, sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen des Familienlebens und der Paarbeziehung, gehört Reinhard Sieder zu den ganz großen Autoren deutscher Sprache. In diesem Jahr hat er ein so umfangreiches wie reichhaltiges Werk bei Klett-Cotta vorgelegt, das zwar das Familienleben getrennter Eltern und ihrer Kinder zum Thema einer qualitativen Studie macht (die anhand der intensiven Darstellung eindrucksvoller Fallbeispiele durchgeführt wird), aber darüber hinaus eine Fülle von Einsichten und zeitdiagnostischen Überlegungen bietet, die das Buch alleine schon lesenswert machen. Reinhard Sieder ist nicht nur in der Sache kompetent und bewahrt stets den Überblick, er ist auch stilistisch brilliant, so dass die Lektüre nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch Spaß macht. Wolfgang Loth merkt in seiner ausführlichen Rezension an:„Das Buch bietet eine ungewöhnlich inhaltsreiche und umfassende Wissensfülle. Doch ist es für mich mehr als eine hervorragende Materialsammlung. Dieses mehr ergibt sich für mich daraus, wie Sieder einen forscherisch-kritischen Blick und eine zugewandt-wohlwollende Haltung miteinander verbindet, eine Haltung, die mir über den Einzelfall hinauszuweisen scheint, und die das Buch, wie mir scheint, von Beginn bis zum Ende rahmt“
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19. November 2008
von Tom Levold
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Im kürzlich vorgestellten Heft der„Sozialen Systeme“ ist auch ein Aufsatz enthalten, der auf der Website der Zeitschrift im Volltext geladen werden kann, allerdings in englischer Sprache. Die Autoren sind Harrison White, Jan Fuhse, Matthias Thiemann und Larissa Buchholz.„Der Aufsatz setzt Niklas Luhmanns Systemtheorie in Beziehung zur soziologischen Netzwerkanalyse, um Grundlagen für eine allgemeine Netzwerktheorie zu entwickeln. Er beginnt mit Luhmanns Diskussion von Sinn als einer zentralen Kategorie der Soziologie. Luhmanns Formulierung wird erweitert von einem Fokus auf die Dyade und doppelte Kontingenz hin zur Reichweite von Netzwerken und daher multipler Kontingenz. Während Kommunikations- und Handlungsaspekte von Sinn in Netzwerken ineinandergreifen, entflechtet der Aufsatz analytisch deren jeweils besondere Bedingungen und führt dabei die Konzepte Netdoms, Netdom Switching und Discipline ein. Netzwerktheorie lenkt damit den Blick auf das Zusammenspiel von zeitlichen, sozialen und interpretativen Dynamiken in der Konstitution und Verkettung von Sinnhorizonten. Darüber hinaus entfaltet der Aufsatz das Konzept »Style« als synkopierte Komplexität, um Luhmanns Top-Down-Ansatz bei der selbstreferentiellen Reproduktion von funktionalen Subsystemen zu ergänzen“
