systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

19. April 2012
von Tom Levold
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Kontext 1/2012

Das aktuelle Heft des Kontext bietet in verschiedenen Aufsätzen Perspektiven auf Altes und Neues in der Entwicklung systemischer Therapie. Anke Groß zeichnet in einem interessanten Beitrag die Entwicklung Murray Bowens von psychoanalytischer hin zu einer systemischen Denkweise nach, ein Ansatz, der im deutschsprachigen Diskurs keine große Rolle mehr spielt, aber dennoch in den USA durchaus noch eine Rolle spielt und auch gelehrt wird. Marc Weinhardt ist mit seinem Artikel über Beratung im Internet sozusagen an der Schwelle zur Zukunft in der Entwicklung von Beratung und Therapie. In einem Nachruf würdigt Hildegard Schäfer Karl Gerlicher, dem Gründungsvorsitzenden der DAF. Friedebert Kröger und Günter Reich prüfen in„Klassiker wiedergelesen“, was von Helm Stierlins und Gunthard Webers Buch„In Liebe entzweit – Ein systemischer Ansatz zum Verständnis und zur Behandlung der Magersuchtfamilie“ aus dem Jahre 1989 noch heute von Belang ist. Darüber hinaus gibt es noch einen Beitrag über systemisch orientierte familiengerichtliche Gutachtertätigkeit von Mike Lehmann, einen Text Reinhard Wick über Störungsbilder in der Systemischen Therapie und Beratung, das Stichwort von Wolf Ritscher („Kontext“!) und jede Menge Rezensionen.
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17. April 2012
von Tom Levold
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Die Bedeutung von „Rahmen“ (frames) für die Arzt-Patient-Interaktion

In einer„Studie zur ärztlichen Herstellung von dem, ‚was der Fall ist‘ im gewöhnlichen Krankenhausalltag“, hat der Soziologe Werner Vogd, Professor für Soziologie an der Universität Witten/Herdecke, Kontext und Bedingungen ärztlichen Handelns in der Klinik vorabe jeden Patientenkontaktes:„Noch bevor sich eine Arzt-Patient-Beziehung in konkreter Form entfalten und entwickeln kann – sei es in paternalistischer oder demokratischer Form -, prägen zuvor getroffene Situationsdefinitionen, sogenannte ‚Rahmen‘, ihre Gestaltung. Diese Rahmen stellen im Sinne von Goffman sozusagen eine Wirklichkeitssicht, eine Perspektive dar, in der ein gegebenes Problem gesehen und verstanden werden kann. Es ist zu erwarten, dass diese Situationseinschätzungen die Arzt-Patient-Beziehung in erheblichem Maße beeinflussen. Am Beispiel verschiedener medizinischer Abteilungen (Chirurgie, Innere Medizin, Psychosomatische Medizin) wird die Dynamik unterschiedlicher medizinischer Rahmungsprozesse rekonstruiert. Hierzu fanden auf drei Stationen (zwei Krankenhäuser der Maximalversorgung und ein Universitätsklinikum) jeweils 8- bis 10-wöchige Feldaufenthalte statt, in denen Ärzte unterschiedlicher Funktionsbereiche begleitet wurden, wobei deren Kommunikationen soweit wie möglich schriftlich fixiert wurden. Mit den ärztlichen und einigen nicht-ärztlichen Mitarbeitern der Stationen wurden anschließend Leitfaden-Interviews durchgeführt (insgesamt 30). Die Auswertung erfolgt anlehnend an die dokumentarische Methode von Bohnsack in den drei Schritten ‚formulierende Interpretation‘, ‚reflektierende Interpretation‘ und ‚komparative Analyse‘. Die Analyse zeigt auf, dass Patientenerwartungen, veränderte ökonomische Rahmenbedingungen, die Antizipation möglicher juristischer Konsequenzen, die Interaktionsdynamik im Team, fachspezifische Problemdefinitionen, aber auch die Spezifika der Krankenhaushierarchie eine wichtige Rolle für die Gestaltung der Beziehung zum Patienten spielen. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Arzt-Patient-Interaktionen komplexe soziale Prozesse darstellen, die nur über die Systemdynamik medizinischer Organisationen, insbesondere dem reziproken Abtasten von Erwartungen und den sich hieraus entfaltenden ‚Täuschungsmanövern‘, verstanden werden können“
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16. April 2012
von Tom Levold
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DGSF-Jahrestagung in Bremen

Wie war’s? Sehr interessant, vielfältig, gute Atmosphäre, schön, wieder viele Leute getroffen zu haben. So ist in der Regel der Tenor vieler Tagungsberichte in Druck- und Online-Medien. Man erfährt, dass es gut gewesen ist, auf diese Tagung zu fahren, kann sich aber nicht immer ein Bild machen, warum eigentlich. Auf der DGSF-Seite ist nun ein Tagungsbericht über die letzte Jahrestagung in Bremen erschienen, der weit über diesen Standard hinausgeht. DGSF-Mitglied Klaus-Peter Langner aus Schwerte hat einen fast 30seitigen Bericht verfasst, in dem nicht nur der Ablauf der Tagung, sondern auch der Inhalt von Vorträgen und Workshops so aufgezeichnet wurden, dass man auch als Abwesender einen Eindruck dessen bekommen kann, was in Bremen so alles geboten wurde.
Den Link zum Volltext von Klaus-Peter Langner findet man hier…

7. April 2012
von Tom Levold
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Nerven bewahren

Dem systemagazin-Publikum ist Andreas Manteufel kein Unbekannter. Neben vielen Rezensionen (mit Vorliebe aus den Bereichen Neuropsychologie und Neurophysiologie) gibt es von ihm immer ebenso ausführliche wie informative Tagungsberichte über wissenschaftliche Veranstaltungen, z.B. über den Kongress „Neurobiologie der Psychotherapie“, den u.a. Günter Schiepek 2011 in Salzburg veranstaltete. Nicht viele kennen sich so gut mit dem diesbezüglichen Stand der Forschung aus wie er. In erster Linie ist er aber als Praktiker tätig, nämlich als Psychologe in der Abteilung für Allgemeinpsychiatrie an der Klinik Bonn des Landschaftsverbandes Rheinland, und das seit nunmehr 20 Jahren. In dieser Zeit hat er ein„Sudelbuch“ angelegt, um Notizen, Reflexionen, Begebenheiten aus dem Alltag festzuhalten, die sonst schnell verloren gegangen wären. Im Verlag Paranus ist in diesem Frühjahr eine Auswahl von Einträgen aus seinen Sudelbüchern erschienen, die die ganz persönliche Handschrift seiner Arbeit in der Psychiatrie erkennen lassen. Und da Andreas Manteufel auch noch einen Magister in Angewandter Sprachwissenschaft erworben hat, ist das Ganze ungemein gut lesbar und pointiert geschrieben. Die Texte sind kurz und prägnant, man liest sich fest und das Buch schnell durch – und wünscht sich mehr. Vielleicht als Blog? Aber den kann man nicht ins Café oder an den Strand mitnehmen (wo immer man gerne Texte auf sich wirken lassen möchte) – oder verschenken. Zu beidem rate ich. Wer sich ein Bild machen möchte, kann hier
einen„Vorabdruck“ lesen…

6. April 2012
von Tom Levold
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Atmosphärische Intelligenz

In Teams und Organisationen spielt sich vieles ab, das man als„Atmosphäre“ wahrnimmt. Dicke Luft, tolles Klima, Eiseskälte: das sind keine leicht überprüfbaren oder begrifflich bestimmbaren Konzepte, aber dennoch weiß man intuitiv, was damit gemeint ist. Das Atmosphärische in einem System beeinflusst Produktivität, Kundenzufriedenheit und Arbeitsmotivation. Raimund Schöll, Soziologe, Organisationsberater und Mitbetreiber der website atmosphaeriker.de, hat in einem Text für managerseminare sein Konzept„atmosphärischer Intelligenz“ vorgestellt und beschreibt hier sechs„typische Atmosphären in der Arbeitswelt“, nämlich die aufgekratzt-hektische, die kämpferisch-hitzige, die niedergeschlagen-ohnmächtige, die freundlich-gelassene, die kühl-distanzierte und die abwertend-dämonisierende Atmosphäre.„Die Erfahrung zeigt: Ist eine atmosphärische Perspektive erst einmal akzeptiert, fangen viele an, die Zusammenarbeit neu zu gestalten. Die Mitarbeiter empfinden ihre Firma nicht mehr nur als Arbeits-, sondern auch als Lebensraum. Konflikte können über bewusst hergestellte Atmosphären entschärft bzw. konstruktiv ausgetragen werden. Und Führung wird durch atmosphärische Kompetenz nicht mehr nur als soziotechnische Angelegenheit angesehen, sondern sie fordert den Chef als ganzen Menschen“
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5. April 2012
von Tom Levold
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Setting the House on Fire: The Melbourne Interview With Salvador Minuchin

Auf einem großen Familientherapie-Kongress in Melbourne 2001 führte Brian Stagoll ein Interview mit Salvador Minuchin, das über Satellit in den Kongress-Saal live übertragen wurde. Es ist ein wunderbares Interview geworden, in dem Minuchin über die Anfänge der Familientherapie und über deren Pioniere Nathan Ackerman, Gregory Bateson, Murray Bowen, Carl Whitaker und natürlich über sich selbst ins Erzählen kommt. Das Interview ist 2002 im Australian and New Zealand Journal of Family Therapy erschienen und
hier vollständig zu lesen… 

4. April 2012
von Tom Levold
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Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt. Überlegungen zum Prinzip des wertschätzenden Dialogisierens in der Arbeit mit der inneren Organisation

Lothar Eder gehört zu den interessanten Autoren im systemischen Feld, gerade weil er sowohl den systemischen Diskurs überblickt als auch immer wieder über den Tellerrand des Systemischen hinausschaut. 2004 hat er über seine Modifizierung der Arbeit mit der„Inneren Familie“ in der Zeitschrift für Systemische Therapie und Beratung geschrieben, bei der die„innere Familie“ durch die„Inneren Organisation“ ersetzt wird:„Von innerer Organisation statt von innerer Familie zu sprechen, ergibt sich aus den Unterschieden von Familien zu anderen sozialen Verbänden. Die Mitgliedschaft in einer Familie ist – soweit dies die Verwandtschaftsbeziehungen betrifft – irreversibel, wie auch immer sie gestaltet wird. Ein Beispiel: Ein Vater kann seinen Sohn verstoßen, er kann sagen ‚ich habe keinen Sohn mehr‘, der Sohn aber bleibt für dieses Leben sein Sohn. Die Mitgliedschaft in einer Organisation hingegen ist herstellbar und kündbar. Man kann in eine Organisation eintreten, man kann aus ihr ausscheiden. In der Arbeit mit inneren Konferenzen zeigt sich hier eine Art Mischverhältnis. Der oder die ‚Vorsitzende‘ der Konferenz (dies ist derjenige, auf den der Pass ausgestellt ist) und die Stimme der Körperlichkeit (dies wird weiter unten ausgeführt) sind vorausgesetzte und damit nicht kündbare Mitglieder. Andere Mitglieder jedoch können sich als vorübergehende erweisen und sich in der Folge eines Beratungsprozesses verabschieden oder nur noch teilzeitmäßig oder in anderer Funktion genutzt werden (z.B. die Stimme, die ständig mit dem eigenen Schicksal hadert). Bei genauerer Betrachtung sprechen somit Argumente für den Begriff der inneren Organisation“
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3. April 2012
von Tom Levold
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Konfliktdynamik 2/2012

Soeben ist das zweite Heft der neuen Zeitschrift„Konfliktdynamik“ herausgekommen, dass sich um das Thema„Umgang mit Konflikten in Teams und damit auch um Aspekte der Gruppendynamik“ dreht, wie Herausgeber Markus Troja in seinem Editorial schreibt. U.a. können wir Beiträge von Eberhard Stahl, Bernd Schmid, Rudi Ballreich und Kirsten Schroeter lesen.
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1. April 2012
von Tom Levold
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Unternehmerfamilien als Gesellschafter

In einem interessanten Beitrag, der 2011 in dem von der EQUA-Stiftung herausgegebenen Reader Gesellschafterkompetenz.
Die Verantwortung der Eigentümer von Familienunternehmen“ erschienen ist, setzt sich Rudolf Wimmer mit der Situation von Mitgliedern von Familien als Gesellschafter ihrer Familienunternehmen auseinander. Diese ist in gewisserweise paradox, weil unser Recht einerseits nur Individualbesitz kennt, die Familie aber keine juristische Person darstellt, andererseits aber Gesellschafter im Familienunternehmen nur Aussichten auf Erfolg haben, wenn sie ihre Rechte als Eigentümer in den langfristigen Dienst nicht nur des Unternehmens, sondern auch der Eigentümerfamilie stellen:„Letztlich sind Familienunternehmen so gebaut, dass die konsequente Verfolgung von Einzelinteressen der Gesellschafter ohne Rücksicht auf den Familienzusammenhang am Ende des Tages immer zu einer massiven Selbstschädigung aller Beteiligten führt. Konflikte im Gesellschafterkreis haben es meist an sich, eine ungebremste Eskalationsdynamik zu entwickeln, in der diese Selbstschädigungsprozesse (oftmals sehenden Auges) in Kauf genommen werden“ Unternehmen und Familie stehen also in einem wechselseitigen Verantwortungszusammenhang, der die Vitalisierung beider Systeme im Blick behalten muss.
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31. März 2012
von Tom Levold
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Paul Watzlawick (25.7.1921-31.3.2007)

Heute vor fünf Jahren ist der große Pionier systemisch-konstruktivischer Therapie, Paul Watzlawick, gestorben. Das Video zeigt einen schönen Vortrag von ihm, der einmal vom SWR aufgezeichnet worden ist. Zudem ist heute früh im WDR 5 ein„Zeitzeichen“ zu hören (und anschließend auch als Podcast im Internet herunterzuladen), das Paul Watzlawick und seiner Wirkung bis heute gewidmet ist.

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28. März 2012
von Tom Levold
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Die Wirklichkeit der Universität

Im vergangenen Jahr ist Rudolf Stichweh 60 Jahre alt geworden. Er hat bei Niklas Luhmann in Bielefeld studiert und ist gehört zu den wichtigsten Vertretern der Systemtheorie in der Gegenwart. Bekannt geworden ist er unter anderem durch seine Studien zur Entwicklung der Professionen und der Unversitäten. Er ist gegenwärtig Professor für Soziologische Theorie und Allgemeine Soziologie an der Universität Luzern und Mitherausgeber der Zeitschrift„Soziale Systeme“, die ihm zum 60. Geburtstag ein Themenheft über„Die Wirklichkeit der Universität“ gewidmet hat. Das Heft 2/2010 (die Jahrgänge hängen immer etwas hinter dem Kalender hinterher) bietet in 19 durchweg spannenden Beiträgen systemtheoretische Reflexionen der Universität als Ort von Wissenschaft, Forschen, Lehren und Lernen, Rezipieren und Publizieren, Denken und Verwalten, Leben und Arbeiten. Eine schöne Lektüre für die Osterferien!
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