systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

22. Mai 2012
von Tom Levold
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EPJ Data Science – ein neues Online-Journal

Die Beschäftigung mit komplexen Systemen hat nicht nur Komplexität zum Gegenstand, sondern lässt sich angesichts der digitalen Datenflut, die das Internet in Hinblick auf (fast) jede relevante Fragestellung bietet, selbst als komplexes System verstehen. Wie kann man mit solchen Datenmengen nicht nur als Konsument, sondern auch als Forscher auf sinnvolle Weise umgehen? Wie kann diese Reduktion auf sinnvolle Weise reduziert werden? Wie kann die Datenmenge, aber auch die Milliarden von inhaltsbezogenen Online-Interaktionen, die täglich stattfinden, auf eine Weise untersucht werden, die selbst wieder Aufschluss über die dem zugrundeliegenden inhaltlichen Prozesse geben können? Welche empirischen Gesetzmäßigkeiten und welche grundlegenden Theoriekonzepte lassen sich in diesem Zusammenhang entwickeln? Mit diesen Fragestellungen beschäftigt sich ein neues Online-Journal, das als SpringerOpen Journal unter Open Access Bedingungen ab sofort verfügbar ist. Versprochen wird:„All articles published by EPJ Data Science are made freely and permanently accessible online immediately upon publication, without subscription charges or registration barriers“ Allerdings sollen die Autoren bzw. die hinter ihnen stehenden Forschungsinstitute dann eine ordentliche Gebühr für einen veröffentlichten Artikel berappen. Im Editorial der Schriftleiter Frank Schweitzer (ETH Zürich) und Alessandro Vespignani (Northeastern University, USA) heißt es:„The idea to launch a new journal, EPJ Data Science, was formed exactly around the challenge of tackling massive amounts of data in a scientific manner, by exploring its engineering but even more so its conceptual challenges. Accordingly, the journal’s scope goes well beyond technical issues of gathering data from “sensors” or programming issues of data crawlers. It also goes beyond the classical statistical analysis. Our focus here is on identifying new empirical laws emerging from massive data sets and the “How?” question, i.e. on conceptually new scientific methods for analyzing and synthesizing these laws. We want to recognize the picture that is hidden in these mas- sive data streams, to predict its occurrence in a statistical sense, and to control it. But we also want to go further, to the “Why?” question, by linking these findings to theoretical concepts in a broader sense, to understand their origin and their impact. Going for the latter implies more than plotting data the right way, fitting curves, or mapping regularities to known dynamics. New concepts need to be established – notably about social systems – that support and contain these findings, models of basic social interactions need to be developed to predict a certain outcome on the system level, and we have to pay attention to those empirical findings that do not nicely fit with established theories“
Die erste Ausgabe des Journal ist hier zu finden…

21. Mai 2012
von Tom Levold
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systhema 1/2012

Ein buntes Potpourrie an Beiträgen ist im aktuellen Heft der systhema versammelt. Zwei der Beiträge gehen der Frage nach, wie Luhmanns abstrakte Theorie für systemische Praktiker fruchtbar gemacht werden kann, weitere Beiträge beschäftigen sich mit Macht, Theologie und Seelsorge, systemischem Arbeiten im Gefängnis, Geschwisterbeziehungen und anderem mehr.
Zu den vollständigen abstracts… 

18. Mai 2012
von Tom Levold
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Wie kommt Neues in die Welt?…

Gestern startete in Heidelberg bei bestem Wetter und freundlicher Atmosphäre der Kongress„Wie kommt Neues in die Welt? …systemisch weiter denken!“. Im Gegensatz zu früheren systemischen Großveranstaltungen war die Stadthalle leider nicht sehr voll. In den drei Eröffnungsvorträgen kamen der Philosoph Thomas Macho, Altmeister Gottlieb Guntern und der Philosoph und Soziologe Oskar Negt zu Wort. Macho setzte sich anhand vieler schöner Literaturzitate mit der Idee auseinander, dass Kreativität immer auch mit Zerstörung des Alten einhergehe, die sich aus der Genieästethik ableiten lässt, und stellte die Frage in den Raum, ob man diesen Zusammenhang nicht zukünftig aufgeben sollte… G. Guntern wies daraufhin, dass man bei der Schaffung des Neuen erst einmal das Alte verstanden haben sollte und vergaß auch nicht, auf seine eigenen Beiträge zum systemischen Diskurs in den 70er Jahren hinzuweisen. Oskar Negt berührte das Publikum mit einer sehr emotionalen politischen Rede – und erinnerte in Hinblick auf das Tagungsthema an eine schöne Anekdote um den Philosophen und Mathematiker Leibniz. Dieser wurde auf dem Weg zum König von diesem schon ungeduldig mit den Worten erwartet:„Leibniz, was hat er Neues zu berichten?“, worauf Leibniz geantwortet haben soll:„Aber wissen Majestät denn schon alles Alte?“…
Ein schöner und anregender Auftakt!

16. Mai 2012
von Tom Levold
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Foltern für das Vaterland

Nachdem am vergangenen Donnerstag die eindringliche Rezension von Michael B. Buchholz über ein englischsprachiges Buch zur Beteiligung von Psychologen an US-amerikanischen Folterprogrammen im systemagazin erschienen ist, hat mich Wolfgang Loth auf einen Text des Kieler Wahrnehmungspsychologen Rainer Mausfeld (Foto: UNi Regensburg) mit dem Titel„Foltern für das Vaterland. Über die Beiträge der Psychologie zur Entwicklung von Techniken der ‚weißen Folter’“ aufmerksam gemacht, der als Ergänzung gelesen werden kann. Ein weiterer Text von Mausfeld ist in der Psychologischen Rundschau 2009 erschienen, der sich noch einmal speziell mit der Beteiligung der American Psychological Association an Folterprogrammen auseinandersetzt:„Psychologie, ‚weiße Folter‘ und die Verantwortlichkeit von Wissenschaftlern“:„Die Techniken psychischer Folter, wie sie in den ‚innovativen Verhörtechniken‘ zum Ausdruck kommen, wurden konzipiert, um das absolute Folterverbot des internationalen Rechts zu unterlaufen. Dies kann nur in dem Maße erfolgreich sein, wie es gelingt, juristisch den Folterbegriff auf intentional zugefügte schwerste Schmerzen zu reduzieren. Mit einer solchen Neudefinition, wie sie vom Justizministerium der Bush-Regierung versucht wurde, wird jedoch das bestimmende Merkmal von Folter verdeckt. Sowohl physische wie auch psychische Folter lassen sich nicht allein von der konkreten Ebene der Schwere der physischen oder psychischen Schmerzen her erfassen, die eine Person einer anderen zufügt. Der Schlüssel zur Erfassung von Folter liegt vielmehr in der Art der durch sie hergestellten interpersonalen Situation. In ihr erfährt sich der Gefolterte als ein vollständig rechtloses Objekt. Der mit einer solchen Situation verbundene vollständige Kontrollverlust und das grenzenlose Ausgeliefertsein eines Menschen an einen anderen stellt die höchste Steigerungsform des Totalitären dar. Daher wird im internationalen Recht die mit der Folter herbeigeführte Totalinstrumentalisierung einer Person zu einem Mittel des Staates als eine der schwersten Verletzungen der Würde und Autonomie des Menschen angesehen. Nur auf der Basis eines solchen Verständnisses wird die Absolutheit des Folterverbotes verständlich und die sich in ihm ausdrückende Auffassung, dass Folter und Rechtsstaat sich ausschließen“

15. Mai 2012
von Tom Levold
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Tom Andersen’s way of being Tom Andersen (2.5.1936-15.5.2007)

Heute vor fünf Jahren ist Tom Andersen, einer der wichtigen Pioniere der Systemischen Therapie, beim Klettern an der Küste tödlich verunglückt. John Shotter, mittlerweile Emeritus Professor of Communication in the Department of Communication, University of New Hampshire und bekannter Autor im sozialkonstruktionistischen Spektrum, hat 2007 auf der 12. Internationalen Konferenz zur Behandlung von Psychosen in Palanga (Litauen) einen wunderbaren Vortrag im Andenken an Tom Andersen („Not to forget Tom Andersen’s way of being Tom Andersen: the importance of what ‘just happens’ to us“) gehalten, der in der Zeitschrift Human Systems erschienen ist:„It is easy to think that tom Andersen’s central contribution was the introduction into psychotherapy and family therapy of the “reflecting team” – later to be developed into “reflecting processes.” But Tom thought of himself as “a wanderer and worrier” – he was constantly reflecting on his own practice, on his way of ‘going on’, to further develop and refine it, and then continuing further to worry about the right words in which to express what seemed to be his new way. Each new way came to him as he reached a ‘crossroads’, a moment when he could no longer continue in the same way, a moment when he stopped doing something he came to see as ethically wrong. In these special moments, he found that “alternatives popped up almost by themselves” (Anderson and Jensen, 2007, p.159) – a special phenomenon in itself, as we shall see. There are thus many, many more features to tom’s way of therapy than just his use of the reflecting process. Central to Tom’s way of being in the world was what came to him as he moved around in the world, as a participant in it rather than an observer of it. Thus below I will try to set out many of the small detailed changes Tom made in his way-of- being-with those around him in his meetings with them, and the large changes these small changes led to. These changes matter to us all. Thus we must do more than merely commemorate his achievements, we must work out how not to forget them, ever“ Der Text ist auch online zu lesen,
und zwar hier…

13. Mai 2012
von Tom Levold
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Psychotherapie im Dialog? Diagnostik und Evaluation

Das aktuelle Heft der Zeitschrift„Psychotherapie im Dialog“ beschäftigt sich mit dem Thema Diagnostik und Evaluation. Ein wunderbares Thema, über das man die unterschiedlichen Therapieschulen und -Praktiken mitsamt ihren jeweiligen wissenschaftlichen Orientierungen miteinander in einen Dialog bringen könnte, ganz abgesehen davon, dass es auch an soziologischen sowie wissenschaftstheoretischen bzw. -historischen Diskursen zum Thema Diagnostik keineswegs mangelt. Gerade angesichts der heftigen Auseinandersetzungen um die Erstellung des DSM-V, die momentan im Gange ist (und verdeutlicht, dass es hier keineswegs nur um Fragen der Operationalisierung forschungsrelevanter Daten geht, sondern auch um handfeste Interessen der unterschiedlichsten Akteure), öffnet man gespannt das neue Heft in der Hoffnung, dass der Aspekt des psychotherapeutischen Dialogs nach einer erschlafften Phase vorwiegend symptomorientierter Informationssammlung in der Zeitschrift mal wieder etwas befeuert wird. Das Editorial„Diagnostik und Evaluation – zähneknirschend oder neugierig?“ setzt auch dementsprechend ein Fragezeichen, das aber schon im Eröffnungsbeitrag von Jürgen Hoyer durch ein nachhaltiges Ausrufungszeichen ersetzt wird:„Psychotherapie braucht strukturierte Diagnostik!“. Und damit ist der Tenor des Heftes auch schon vorgegeben. Diskussion von Theorie und Praxis der Diagnostik, von quantitativen vs. qualitativen Ansätzen, von gesellschaftlichem Stellenwert der Konstruktion von diagnostischen Kategorien (und ihren Konsequenzen): Fehlanzeige. Da passt es auch hinein, dass entgegen der normalen PiD-Praxis dieses Heft keinen Beitrag eines ausgewiesenen Systemikers aufweist. Ob das nicht vorgesehen war, oder ob alle angefragten Systemiker sich zu diesem Thema lieber nicht äußern wollten, ist dem Heft nicht zu entnehmen. Der diskussionsinteressierte Leser muss sich daher angesichts der angebotenen mainstream-Engführung an anderen Quellen orientieren. Immerhin ist der Verlag auch diesmal seiner Linie treu geblieben, die Literaturangaben von Beiträgen aus der Print-Version herauszunehmen und nur im Internet unter verwirrenden Dateinamen zu veröffentlichen (diesmal trifft es fünf Texte). Dafür sind auf der website mit den Inhaltsangaben auch nicht alle Seitenzahlen korrekt.
Zu den vollständigen abstracts…

12. Mai 2012
von Tom Levold
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Francisco Varela: Reflections on Consciousness