Die Differenzierung von Gemeinschaft und Gesellschaft ist ein altes Zentralthema der Soziologie. In der Zeitschrift „Theory and Society“ ist im Februar ein interessanter Text von Vitor Barros erschienen, einem brasilianischen Soziologen, der derzeit als Doktorand an der Abteilung für Demokratieforschung der Universität Bonn arbeitet. Sein Open Access-Artikel „Similarity: Outline of a Systems Theory of Community“, entwickelt eine systemtheoretische Grundlegung des Gemeinschaftsbegriffs.
Soziologische Theorien stehen vor einem anhaltenden konzeptionellen Dilemma im Umgang mit Gemeinschaften: Schwache Definitionen von Gemeinschaft vermeiden zwar „Groupismus“, also die problematische Annahme, Gemeinschaften seinen scharf voneinander abgegrenzte, intern homogene und extern geschlossene Gruppen, opfern aber dafür analytische Präzision. Starke Definitionen dagegen sind präziser, setzen aber soziale Schließung, Wertekohäsion und kollektive Handlungsfähigkeit voraus, was in komplexen modernen Gesellschaften empirisch nicht haltbar ist.
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