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Kultur und Migration 2015 – Wege zwischen Flucht und Gestaltung

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ZSTB 33(3) - 2015

ZSTB 33(3) – 2015

Aktueller geht es nicht. Momentan ist die Situation der Flüchtlinge in Deutschland und Europa das allbeherrschende Thema. Cornelia Tsirigotis ist als Herausgeberin der Zeitschrift für systemische Therapie und Beratung seit langem an diesem Thema dran – und die aktuelle Ausgabe der ZSTB ist dankenswerterweise wieder diesem Thema gewidmet. In ihrem Editorial schrieb sie im Mai (!): „Während der Vorbereitung zu diesem Heft ertrinken beinahe täglich Flüchtlinge im Mittelmeer und in anderen Weltmeeren, in die Flucht getrieben von Krieg, Armut, Folter, Unterdrückung und unmenschlichen Lebensbedingungen, Die Zahlen aus dem Editorial von ZSTB 3-2014 sind noch gestiegen – und es geht nicht um Zahlen, Kontingente und Verteilung, Hinter jedem einzelnen Menschen auf der Flucht liegt ein Schicksal, liegen Leid und weiteres Leiden und es gibt nur wenig Hilfe zur Bewältigung, Zugleich werden in unserem Land sehr unterschiedliche Bewegungen deutlich: Schulen bemühen sich um pädagogische Konzepte, die Kindern und Jugendlichen, die unfreiwillig unterwegs sind. Teilhabe an Bildung zu ermöglichen, Jugendhilfeeinrichtungen denken sich neue Angebote für Kinder und Jugendliche aus, die u unbegleitet bei ihnen ankommen, ein ganzer Ort bereitet sich mit ehrenamtlichen Helferinnen darauf vor, Menschen, deren Flucht hier ein(vorläufiges) Ende haben soll, einen Ort, ein zu Hause und Hilfen anzubieten, ein Dorf gibt Jugendlichen mit einem Musikprojekt das Gefühl, wichtig und willkommen zu sein. Solange die Arbeit mit Menschen mit Migrationsbiografien und aus fremden kulturellen Kontexten in der psychosozialen Hilfe, in Therapie und Beratung eine Herausforderung bedeutet, bedarf das Thema Kultur und Migration auch weiterhin einer besonderen Aufmerksamkeit. Wenn es vielleicht zunächst redundant erscheint, dass sich dieses Heft das dritte Mal mit dem gleichen Schwerpunktthema innerhalb von drei Jahren beschäftigt, so hat es doch gerade wieder einen höchst aktuellen Bezug, Mir scheint, es könnte noch längere Zeit Jährlich ein Heft zum Thema Kultur und Migration geben. In den Beiträgen dieses Heftes setzen sich Autorinnen und Autoren mit unterschiedlichen Facetten von Fremdheit, Flüchtlingsidentität, Kultur und Migration auseinander. Carmen Unterholzer hat mit ihrem Begrüßungsvortrag fremd.gehen bei der OEAS-Tagung im Mai 2014 in Wien engagiert in die Thematik eingeführt, und so führt ihr Text auch dieses Heft ein. Ingrid Eggert und Gerhard Walter zeigen in ihrem Beitrag sehr beeindruckend, dass Migrations- und Fluchtgeschichten nicht als Defizitgeschichten betrachtet werden müssen, sondern dass Bewältigungs- und Gestaltungsgeschichten daraus werden können, Sie entwickeln systemische Arbeitsweisen, die diese B&G Geschichten ans Licht befördern, Flucht- und Migrationsgründe wirken sich auch auf das Erziehungsverhalten in Familien aus. Barbara Abdallah-Steinkopff beschreibt einen Ansatz von Elterntraining, der sich in der Arbeit mit Flüchtlingsfamilien bei Refugio in München bewährt hat. Bikulturelle und -nationale Paare erleben vielfältige offene und oft auch sehr subtile Formen von Diskriminierung. Gerti Saxer erzählt aus der paartherapeutischen Arbeit und zieht Konsequenzen daraus für diskriminierungsbewusste Beratungskompetenzen. Eine ganz andere Art der Auseinandersetzung mit Kultursensibilität erfordern Coaching und Beratung im Organisationsbereich in einer globalisierten Welt, Kirsten Dierolf und Isabelle Hansen passen lösungsorientierte Arbeitsweisen an kulturspezifische Herausforderungen im asiatischen Raum an.

Alle bibliografischen Angaben des aktuellen Jahrgangs von ZSTB finden Sie hier…

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