systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Familiendynamik 2019

Heft 1

Kleve, Heiko & Arist von Schlippe (2019): Editorial: Familienunternehmen. Was Familien so alles unternehmen …. In: Familiendynamik 44 (01): 1-1.

Caspary, Simon (2019): Die Unternehmerfamilie als Familie eigener Art. Wenn das Unternehmen mit am (Beratungs-)Tisch sitzt. In: Familiendynamik 44 (01): 4-13.

abstract: Die Unternehmerfamilie kann im Vergleich zu den heute vorherrschenden Familienformen als »Familie eigener Art« klassifiziert werden. Ihr Wesen ergibt sich aus der strukturellen Kopplung der zwei Systeme Familie und Unternehmen. Daraus resultiert unweigerlich eine Vermischung beider Kontexte, wodurch die Familienmitglieder gleichzeitig unterschiedlichen Logiken ausgesetzt sind. Diese beeinflussen und prägen auch die Nachkommen. Der Beitrag geht der Frage nach, wie sich die Kopplung an ein Unternehmen auf die Familie wie auch auf die Identitätsbildung der Nachkommen auswirkt. Um zu verstehen, in welchem Kontext sich die Sozialisation der Nachkommen vollzieht, werden zunächst die Besonderheiten von Unternehmerfamilien dargestellt. Anschließend wird ein theoriegeleitetes Verständnis dessen vermittelt, wie die Dynamiken innerhalb der Unternehmerfamilie die Identität der Nachkommen im Zuge ihrer Sozialisation formen. Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengefasst und Implikationen für die Beratungspraxis erläutert.

Wulf, Esther-Marie (2019): Freiwilligkeitsmythos Nachfolge. Die paradoxe Entscheidungssituation von Nachfolgern in Familienunternehmen. In: Familiendynamik 44 (01): 14-22.

abstract: Die Nachfolgeentscheidung wird vielfach als eine auf Freiwilligkeit basierende Handlung des Nachfolgers beschrieben. Dabei ist trotz gesellschaftlicher Entwicklungen, die eine Vielfalt an biografischen Optionen nahelegen, bis heute die familieninterne Nachfolge das bevorzugte Modell, um ein Familienunternehmen weiterzuführen. Oftmals geht sie mit ambivalenten Gefühlen seitens des Nachfolgers einher, was die Frage nach der Spannung zwischen deklarierter Freiwilligkeit und den Motiven, die der Entscheidung zugrunde liegen, aufwirft. Dieser Artikel zeigt auf, in welchem Spannungsverhältnis sich Nachfolger heute bei der Entscheidung, in das Familienunternehmen einzusteigen, bewegen. Zugleich beleuchtet der Artikel das Dilemma des übergabewilligen Unternehmers, dessen größter Wunsch und Wille es ist, das Familienunternehmen mit dem eigenen Sohn (meist sind es bis heute die männlichen Nachkommen) in die nächste Generation zu überführen, ohne dabei jedoch dem Nachfolger die biografischen Entscheidungen direkt und verpflichtend aufzuerlegen.

Kleve, Heiko (2019): Die Verkörperung der Unternehmerfamilie. Systemische Strukturaufstellungen einer besonderen Sozialform. In: Familiendynamik 44 (01): 24-32.

abstract: Unternehmerfamilien sind besondere Sozialsysteme, in denen sich die in der modernen Gesellschaft gemeinhin getrennten Sphären der Familie und des Unternehmens verbinden. Diese Verbindung sowie die Herausforderungen, die damit einhergehen, lassen sich mit systemischen Strukturaufstellungen reflektieren. Diese systemische Reflexion nutzt Körperwahrnehmungen im Raum, die bestenfalls dreierlei anregen: kognitive, emotionale und aktionale Bewegungen, also Veränderungen in Kopf, Herz und Hand. Wie dies in der Arbeit mit Unternehmerfamilien realisiert werden kann, wird anhand der Tetralemma-, der Nachfolge- und der Polaritäten-Aufstellung gezeigt.

Sposini, Claudia (2019): Psychologische Aspekte des Cybermobbing. Erfahrungen mit italienischen Schülern. In: Familiendynamik 44 (01): 34-42.

abstract: Dieser Beitrag nähert sich dem Phänomen des Cyber­mobbing zunächst definitorisch und in der Abgrenzung zum herkömmlichen Mobbing. An drei Fallbeispielen werden Arten und Verläufe von Cyber­mobbing sowie Ausgänge aus dem leidbringenden Geschehen dargestellt. Dann wird berichtet, welche Präventionsmaßnahmen und Interventionen sich an italienischen Schulen bewährt haben. Schule, Familie und Schüler müssen dafür zusammenarbeiten. Zu Beginn des Schuljahres wird ein »Pakt der gemeinsamen Verantwortung« zwischen Familie, Schule und Schülern geschlossen. Darin wird zugesagt, dass alle Maßnahmen zum Ziel haben, den Schüler zu fördern und wertzuschätzen. Die schulischen und pädagogischen Ziele werden kommuniziert und veranschaulicht. Das Dokument beschreibt außerdem Interventionen und präventive Maßnahmen gegen Mobbing und Cybermobbing. Schule und Familie einigen sich so auf eine gemeinsame Linie in der Erziehung zum respektvollen Umgang miteinander. Ziel ist es, eine Geisteshaltung zu fördern, die das »Andere« anerkennt und respektiert. Weitere konkrete Maßnahmen werden erläutert. Gefordert wird, dass jede Schule ein Konzept zu digitaler Bildung entwickelt.

Olthof, Jan (2019): Ein gemeinsamer Rahmen für das therapeutische Vorgehen: der Ansatz der systemisch-narrativen Therapie. In: Familiendynamik 44 (1): 44-52.

abstract: Thema dieses Beitrags ist die Notwendigkeit, in der Psychotherapie eine gemeinsame Linie zu finden. Damit die Therapie erfolgreich sein kann, müssen Therapeut und Klient sich über die Behandlungsziele einigen. In diesem Zusammenhang ist u. a. zu klären, welche Person(en) in den therapeutischen Prozess einbezogen werden sollte(n). Der Autor erörtert insbesondere die Notwendigkeit, einen therapeutischen Kontext zu definieren und einen therapeutischen Bezugsrahmen zu entwickeln. Das Konzept des Kontextes ist von vorrangiger Bedeutung und liegt der gesamten Kommunikation zugrunde. Zu entscheiden, wo die kontextuellen Grenzen zu ziehen sind, ist Aufgabe des Psychotherapeuten. Ein Kontext ist therapeutisch, wenn sämtliche Beziehungen innerhalb dieses Kontextes organisiert werden. Sobald dies geschehen ist, kann ein therapeutischer Bezugsrahmen entwickelt werden. Das einschlägige Metamodell wird anhand mehrerer aussagekräftiger Fallgeschichten beschrieben.

Aderhold, Volkmar & Petra Hohn (2019): Das Konzept von Psychosen und die Antwort des Offenen Dialogs. In: Familiendynamik 44 (01): 54-62.

abstract: Der Beitrag beschreibt, mit welchen Konstrukten und in welchen Kontexten im Offenen Dialog mit Menschen in Psychosen gearbeitet wird. Psychose wird dabei verstanden als Ausdruck von etwas »Noch-nicht-Gesagtem«. Sie wird als Versuch aufgefasst, eine Kommunikation herzustellen, die auf andere Weise (noch) nicht möglich ist. Grundsätzlich wird sie als eine verstehbare Reaktion auf unerträgliche und ungelöste Lebensprobleme sowie häufige Traumatisierungen gesehen. In den Netzwerkgesprächen des Offenen Dialogs, bei denen sich wichtige Bezugspersonen zusammen mit dem Klienten und Professionellen treffen, geht es darum, ein gemeinsames Verständnis der Krise und des weiteren Vorgehens zu entwickeln. Der Offene Dialog zeichnet sich u. a. dadurch aus, dass Professionelle, auch körpersprachlich, echtes Interesse daran zeigen, was jede Person im Raum zu sagen hat. Jegliche Andeutung, dass jemand etwas Falsches gesagt haben könnte, wird dabei vermieden. Indem die Worte und Formulierungen insbesondere des Menschen in der Krise von den Professionellen aufgenommen werden, entsteht oft ein Zugang zu weiteren Beschreibungen und zu biografischen Erfahrungen, die der Krise zugrunde liegen könnten. Weisen des dialogischen Fragens werden ausgeführt. Die Gespräche im Offenen Dialog wirken oft »antipsychotisch«, auch über das konkrete Gespräch hinaus, sodass auf neuroleptische Medikation häufig verzichtet werden kann.

Kriz, Jürgen (2019): Zurück-Geschaut: Wissenschaftlich verbrämte Ideologie. Stephen Jay Gould (1983): Der falsch vermessene Mensch. In: Familiendynamik 44 (01): 63-65.

Santo, Brigitte (2019): Der besondere Fall: Danach ist man schlauer … Ein persönlicher Bericht darüber, wie man im Nachfolgeprozess den Überblick verlieren kann. In: Familiendynamik 44 (01): 66-70.

Bohne, Michael & Arist von Schlippe (2019): »Ein ›psychotherapeutischer Brühwürfel‹ ­sozusagen …« Arist von Schlippe im Gespräch mit Michael Bohne über das »Klopfen« und die Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie. In: Familiendynamik 44 (01): 71-75.

abstract: Michael Bohne, Dr. med., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist einer der bedeutendsten Vertreter der Klopftechniken in Deutschland und hat diese weiterentwickelt sowie mit psychodynamisch-hypno-systemischem Wissen kombiniert, woraus eine neue Interventionsarchitektur Namens PEP entstanden ist. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher über Auftrittsoptimierung, Klopftechniken und PEP. Gemeinsam mit Gunther Schmidt, Bernhard Trenkle und Matthias Ohler (Carl-Auer Akademie) hat er die Tagung »Reden reicht nicht« ins Leben gerufen, die 2014 und 2016 mit großem Erfolg stattfand. Ferner unterstützt und initiiert er Forschungsprojekte, u. a. mittels fMRT, zu den Klopftechniken und PEP (Med. Hochschule Hannover).

Moritz, Bernhard (2019): Film-Dynamik: Jasmin – die Geschichte einer Depression. Anatomie einer Verzweiflungstat. In: Familiendynamik 44 (01): 76-79.

Hanswille, Reinert (2019): Rezension – Elisabeth Wagner, Sigrid Binnenstein (Hrsg.) (2018): Wie systemische Kinder- und ­Jugendlichenpsychotherapie wirkt. Prozessgestaltung in 10 Fall­beispielen. Berlin (Springer). In: Familiendynamik 44 (01): 80-81.

Timmermann, Helene (2019): Rezension – Volker Langhirt t(2017): Psychoanalytische Familien­therapie. Bedeutung und Anwendung in der Praxis. Stuttgart (Kohlhammer). In: Familiendynamik 44 (01): 81-82.

Emlein, Günther (2019): Rezension – Fritz B. Simon (2018): Formen. Zur Kopplung von Organismus, Psyche und sozialen Systemen. Heidelberg (Carl-Auer). In: Familiendynamik 44 (01): 82-85.

Schick, Maren (2019): Rezension – Reinhard Maß & Renate Bauer (2016): Lehrbuch Sexualtherapie. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Familiendynamik 44 (01): 85-86.

Loth, Wolfgang (2019): Wir müssen etwas unternehmen! Müssen wir? In: Familiendynamik 44 (01): 87-87.

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