systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

Familiendynamik 2018

Heft 1

Fischer, Hans Rudi (2018): Editorial: Systemisches Coaching – eine glückende Liaison. In: Familiendynamik 43 (1): 1-1.

Hunger-Schoppe, Christina (2018): Vorstellung der neuen Herausgeberin: Christina Hunger-Schoppe. In: Familiendynamik 43 (1): 5-5.

Fischer, Hans Rudi (2018): Systemisches Coaching. Philosophische, methodische und praktische Grundlagen. In: Familiendynamik 43 (1): 6-17.

abstract: Coaching ist eine professionelle Form der persönlichen Beratung und Unterstützung von Führungskräften. Systemisches Coaching arbeitet im Spannungsfeld von Person, Funktion und Organisation (System) mit dem Ziel, die individuellen Kompetenzen und Bedürfnisse mit den Anforderungen und Zielen des Unternehmens in Einklang zu bringen oder für die Klienten alternative Lösungen zu kreieren. Der vorliegende Beitrag rekonstruiert zentrale Prinzipien systemischen Coachings aus der Philosophie und zeigt, darauf aufbauend, wie über methodisch geführte Formen von Reflexion, Selbstreflexion und Metareflexion Selbsterkenntnis gefördert und Denk- und Verhaltensänderungen ausgelöst werden können. Anhand praktischer Beispiele wird die Methodik geführter Reflexion illustriert.

Dievernich, Frank E.P. (2018): Zuviel des Selbst – systemisches Coaching als Erholung. In: Familiendynamik 43 (1): 18-22.

abstract: Dieser Artikel zeigt auf, welche Elemente des systemischen Coachings einen Beitrag dazu leisten können, das Selbst zu entlasten. Gerade in Zeiten, in denen stark auf das optimierbare Selbst und, damit einhergehend, auf Eigenverantwortung und eine klare Selbstdarstellung fokussiert wird, dürfte es für die Klientinnen und Klienten im Coaching hilfreich sein, eine neue, »realistischere« Selbstverortung zu erfahren. Diese beginnt damit, sich in die Position der Beobachtung zweiter Ordnung hineinzuversetzen. Dadurch können die Muster, respektive Konstruktionsmechanismen der Dialoge des eigenen Selbst erkannt werden. Auch dürfte es erhellend sein, dass es die Kommunikation des sozialen Systems ist, die das Selbst adressiert und formt, z.T. unabhängig vom eigenen Zutun. Die Wirkung von Steuerungsversuchen ist und bleibt begrenzt. Als weitere, beruhigende Erkenntnis wird deutlich, wie sehr es v.a. der Kontext ist, der uns zu dem macht, der wir, durch andere bestätigt, glauben zu sein. Angeregt durch den ethischen Imperativ von Heinz v. Foerster, können die Coachees sich schließlich wieder als vielseitige, anschlussfähige Wesen betrachten; das eindimensionierte Selbst kann gesprengt werden.

Hölscher, Stefan (2018): Herausforderungen von agilen Arbeitsformen und die Rolle von Coaching im Umgang damit. In: Familiendynamik 43 (1): 24-31.

abstract: Ausgehend von einer Definition von Agilität und einem Blick darauf, inwiefern agiles Arbeiten als systemisch betrachtet werden kann, werden allgemeine Risiken des aktuellen Hypes um Agilität skizziert. Anschließend werden die wichtigsten Ergebnisse einer Studie mit 40 halbstrukturierten Interviews zu Erfahrungen mit agilen Arbeits- und Organisationsformen zusammengefasst, um bestehende Herausforderungen der jeweiligen Umgebung konkreter zu beleuchten. Als die beiden wichtigsten Herausforderungen haben sich kulturelle Barrieren sowie Rollen- und Organisationsprobleme herausgestellt. Um diesen sinnvoll zu begegnen, braucht es neben ›harten‹ Weichenstellungen wie Veränderungen in der Organisationsstruktur insbesondere ›weiche‹ Maßnahmen wie Coaching. Abschließend werden drei Typen von Coachingaktivitäten charakterisiert, die sowohl gemäß den Befragungsergebnissen wie auch nach den Erfahrungen des Autors wesentlich sind, um agile Weiterentwicklung wirksam voranzubringen.

Lauterbach, Matthias (2018): Systemisches Gesundheitscoaching. Begleitung auf dem Weg einer vitaleren Lebenspraxis. In: Familiendynamik 43 (1): 32-40.

abstract: Das systemische Gesundheitscoaching hat sich ab Ende der 1990er Jahre entwickelt und ist in zahlreichen Publikationen dargestellt (M. Lauterbach, 2005, 2008; J. Lauterbach, 2015). Im vorliegenden Artikel werden aktuelle Entwicklungen erläutert. Anhand der vier Themenfelder Sinnhaftigkeit, Achtsamkeit, Imagination und Lebensrhythmen wird beispielhaft gezeigt, wie sich systemisches Gesundheitscoaching praktisch umsetzen lässt.

Gadenne, Volker (2018): Wahrheit und Viabilität. Warum Ernst von Glasersfeld Karl Popper missverstanden hat. In: Familiendynamik 43 (1): 42-49.

abstract: Von Glasersfeld war der Auffassung, dass Popper viel Überzeugendes gelehrt, jedoch auch an unhaltbaren Konzeptionen festgehalten habe, wie dem Realismus und der Korrespondenztheorie der Wahrheit. Tatsächlich vertreten beide eine Reihe von ähnlichen Annahmen. Hierzu gehören die aktivistische Sicht von Kognition und die Skepsis gegenüber dem Anspruch auf sichere Erkenntnis. Auch die Ideen der Viabilität und der Bewährung sind ähnlich. Selbst in Bezug auf den Realismus und die Wahrheitsidee sind die Positionen beider nicht so verschieden, wie im Allgemeinen angenommen wird und wie Glasersfeld selbst glaubte. Dies soll im Einzelnen dargelegt werden. Die eigentliche Gegenposition zu Glasersfelds Konstruktivismus bildet nicht Poppers Lehre, sondern jene Form des Realismus, nach der gut bestätigte wissenschaftliche Theorien als wahr oder als sehr wahrscheinlich wahr gelten können.

Panning, Markus (2018): Geschichten, Aphorismen, Heldenreisen. Das erzählerische Moment in Therapie und Beratung. In: Familiendynamik 43 (1): 50-56.

abstract: In der Arbeit mit Klienten ist es ein gängiges Mittel, Geschichten, Aphorismen u.Ä. zu nutzen, um indirekt andere Wahrnehmungsmuster, neue Gedankengänge und alternative Verhaltensweisen anzuregen. Im Monomythos der Heldenreise wird eine Geschichte als universelle Situationsabfolge bestimmter Stationen erzählt, in denen der Protagonist eine Entwicklung zu einer reifen Persönlichkeit durchläuft. In diesem Artikel wird aufgezeigt, wie dieses Grundmuster der Situationsabfolge als roter Faden für den Veränderungsprozess in Therapie und Beratung und damit auch für den systematischen Einsatz von Geschichten, Aphorismen etc. genutzt werden kann.

Schettgen, Peter (2018): Der Weg entsteht beim Gehen. Zur Rolle des Körpers in Veränderungs- und Entwicklungsprozessen. In: Familiendynamik 43 (1): 58-66.

abstract: Bei der Betrachtung menschlicher Veränderungs- und Entwicklungsprozesse wurde die Rolle des Körpers bisher kaum systematisch reflektiert. Der vorliegende Beitrag analysiert den Körper im Spannungsfeld von gesellschaftlichen Disziplinierungsprozessen und den körperlichen Resonanzen, die durch sie erzeugt werden (Formkorrespondenz, Symptombildung, kritische Distanzierung). Am Beispiel der japanischen Bewegungskunst »Aikido« wird aufgezeigt, wie es durch Embodiment im Sinne einer emanzipatorischen Körperarbeit gelingen kann, sich von Haltungs- und Bewegungsschemata zu befreien, die via Disziplinierung inkorporiert wurden und der persönlichen Entwicklung im Weg stehen.

Göppel, Rolf & Margherita Zander (2018): Replik auf B. Hildenbrands Besprechung zu Resilienz aus der Sicht der betroffenen Subjekte. In: Familiendynamik 43 (1): 67-71.

Straub, Jürgen & Oswald Balandis (2018): Niemals genug! Selbstoptimierung und Enhancement. Attraktive Praktiken für verbesserungswillige Menschen? In: Familiendynamik 43 (1): 72-82.

abstract: Selbstoptimierungen gibt es in zahlreichen Varianten. Neben traditionellen Weisen der Selbstformung setzen sich technische Enhancements zunehmend durch. Eine historische und kulturelle Universalie ist diese eigentümliche Praxis, das Selbst und seine Welt unaufhörlich, expansiv zu verbessern, nicht. In ihrer gegenwärtigen Gestalt und oftmals propagierten Radikalität, Absolutheit und Exzessivität indizieren Selbstoptimierungen eine besondere Lebens-, Subjektivierungs- und Sozialform. Nach einer knappen Begriffsklärung und exemplarischen Hinweisen auf typische Optimierungstechniken wenden wir uns möglichen Anziehungskräften der unaufhörlichen Arbeit an sich selbst zu. Ohne psychologisch zu verstehen, weshalb die (technische) Selbstoptimierung derart attraktiv ist, läuft jede Kritik dieser Praxis ins Leere. Sie wird unversehens zu einer Wiederauflage pessimistischer Kulturkritik, die das Vergangene idyllisch verklärt. Dies erscheint ebenso unangebracht wie eine affirmative Apologie des Neuen, welche die vielfach diagnostizierte Cyborgisierung als Endpunkt der Optimierung des Humanen und als Triumph eines kommenden Maschinenlebewesens über den antiquierten Menschen feiert.

N.N. (2018): Prof. em. Dr. Jürgen Kriz erhält Egnér-Preis 2019. In: Familiendynamik 43 (1): 83-83.

Klein, Rudolf (2018): Der besondere Fall: Von stillgelegten Bergwerken und unvollständigen Puzzeln. In: Familiendynamik 43 (1): 84-89.

Emlein, Günther (2018): Rezension – Sinje Hörlin (2016): Figuren des Misstrauens. Konstanz (Konstanz University Press). In: Familiendynamik 43 (1): 90-91.

Schlippe, Arist von (2018): Rezension – Rudolf Klein & Gunther Schmidt (2017): Alkoholabhängigkeit. Heidelberg (Carl-Auer Systeme). In: Familiendynamik 43 (1): 91-92.

Schlippe, Arist von (2018): Rezension – Corina Ahlers (2017): Kommunikative Kompetenz. Das Rollenspiel in der systemischen Psychotherapie: Münster (Waxmann). In: Familiendynamik 43 (1): 92.93.

Schlipat, Hans (2018): Coaching seniorer Führungspersönlichkeiten: Anleitung zum Unglücklichsein? In: Familiendynamik 43 (1): 95-95.


Heft 2

Hunger-Schoppe, Christina & Ulrike Borst (2018): Editorial: Depression in der Lebensspanne. In: Familiendynamik 43 (2): 97-97.

Nonnenmacher, Nora, Anna-Lena Zietlow, Daniela Noe & Corinna Reck (2018): Depressionen in der Peripartalzeit. Mutter-Kind-Beziehung und kindliche Entwicklung im Blickpunkt. In: Familiendynamik 43 (2): 100-107.

abstract: Depressionen während der Schwangerschaft und den ersten Monaten nach der Geburt betreffen etwa 12 % der Schwangeren und 6 % der Frauen im Postpartalzeitraum. Sie zeichnen sich durch negative Kognitionen, Selbstzweifel, Gefühle der Überforderung, der Unfähigkeit, sich am Kind zu freuen sowie durch Ängste und Sorgen bezüglich der Fähigkeit, eine gute Mutter zu sein, aus. Peripartale De­pres­sio­nen stellen einen Risikofaktor für die sich entwickelnde Mutter-Kind-Beziehung und die kindliche Entwicklung dar. Neben Einschränkungen der kognitiven und sozio-emotionalen Entwicklung weisen Kinder von Müttern mit peripartalen Depressionen ein vielfach erhöhtes Risiko auf, im Laufe ihres Lebens selbst an Depressionen zu erkranken. Die genauen Mechanismen dieser transgenerationalen Weitergabe sind nicht abschließend geklärt, die Mutter-Kind-Interaktion spielt jedoch offenbar eine zentrale Rolle. Der Zusammenhang zwischen postpartalen Depressionen und Beeinträchtigungen der Mutter-Kind-Interaktion ist durch eine Vielzahl an Studien belegt. Interventionen, die sowohl die Erkrankung der Mutter als auch das mütterliche Beziehungserleben und die Mutter-Kind-Interaktion berücksichtigen, stellen einen vielversprechenden Ansatz dar.

Noe, Daniela, Anna-Lena Zietlow, Selina Bader & Nora Nonnenmacher (2018): Krise nach der Geburt. Stationäre Mutter-Kind-Behandlung bei postpartaler Depression. In: Familiendynamik 43 (2): 108-114.

abstract: In der Behandlung postpartaler Depressionen nehmen neben störungsspezifischen Interventionen vor allem Strategien zur Verbesserung der Mutter-Kind-Beziehung und der Interaktion eine zentrale Rolle ein. Sie berücksichtigen die Sensitivität der Kinder für das emotionale Befinden ihrer Mütter sowie weiterer Bezugspersonen und machen damit Psychotherapie über die Mutter-Kind-Beziehung auch für die unmittelbar betroffenen Kinder wirksam. Die Nutzung videobasierter Therapieansätze zur Förderung mütterlicher Kompetenzen bietet eine vielversprechende Möglichkeit, um negativen kindlichen Entwicklungsprozessen und einer generationalen Transmission der mütterlichen Erkrankung präventiv zu begegnen. Ein stationärer Behandlungsansatz, der speziell an die Bedürfnisse und die Lebenssituation von peripartal psychisch erkrankten Patientinnen angepasst ist, wird vorgestellt und an einem Behandlungsbeispiel einer Mutter mit postpartaler Depression exemplarisch verdeutlicht.

Weitkamp, Katharina, Eva Klein, Helmut Hofmann, Silke Wiegand-Grefe & Nick Midgley (2018): Therapieerwartungen Jugendlicher mit Depression. Eine qualitative Interviewstudie. In: Familiendynamik 43 (2): 116-124.

abstract: Therapieerwartungen gelten als allgemeiner Wirkfaktor für den Verlauf und Erfolg von Psychotherapie. Bislang ist jedoch wenig über Therapieerwartungen bei Jugendlichen bekannt. Ziel der Studie war es, die Erwartungen von Jugendlichen mit depressiven Störungen zu Beginn einer Psychotherapie explorativ genauer zu betrachten. Mit sechs Jugendlichen (5 weiblich, 15 – 19 J.) wurden halbstrukturierte Interviews durchgeführt, bevor sie eine ambulante psychodynamische Therapie begonnen haben. Die Interviews wurden audiographiert, transkribiert und mithilfe der Interpretative Phenomenological Analysis ausgewertet. Die Analyse ergab vier Themen, die sich in allen sechs Interviews wiederfanden: keine klare Vorstellung, aber zögerliche Hoffnung; Therapie als langer und schwieriger Prozess; Therapie als ein Ort, sich selbst zu verstehen und weiterzuentwickeln; und die zentrale Rolle der interpersonellen und professionellen Fähigkeiten des Therapeuten. Die Ergebnisse legen nahe, dass es wichtig ist auf individueller Ebene, die spezifischen Erwartungen der Jugendlichen in der Therapie zu berücksichtigen, sowie auf gesellschaftlicher Ebene, realistische Therapieprozess- und Ergebniserwartungen zu fördern.

Hejl, Peter M. (2018): Kommunikation – zum Kernbereich mensch­lichen Sozialverhaltens. In: Familiendynamik 43 (2): 126-133.

abstract: Ausgehend vom übertragungstechnischen Kommunikationsmodell, wie es der Informationstheorie zugrunde liegt, versucht der Beitrag, zu einer komplexeren Sicht des Kommunikationsprozesses zu gelangen. Dabei wird das »Übertragen von Bedeutung« als Metapher für die Konstruktion von Bedeutung durch selbstreferenzielle lebende Systeme verstanden. Es wird argumentiert, dass vergleichbare Bedeutungskonstrukte – also erfolgreiche Kommunikationen – aus Übereinstimmungen zwischen den Konstrukteuren resultieren. Sie können zurückgeführt werden auf phylogenetische und/oder ontogenetische Vergleichbarkeiten, die mit der Konstruktion der menschlichen (natürlich differenzierten) sozio-kulturellen Nische entstehen, die ständig durch ihre Konstrukteure – Menschen als soziale Lebewesen! – verändert wird und rückwirkend zu deren Veränderung beiträgt. Mit Blick auf menschliche Kommunikation wird schließlich die Bedeutung von Sprache hervorgehoben, um die damit gegebene Möglichkeit anzusprechen, durch nichtsprachliche Kommunikation bedingte Beschränkungen auf eine räumlich und zeitlich relativ enge Umwelt aufzuheben.

Utsch, Michael (2018): Depression und Religiosität / Spiritualität. In: Familiendynamik 43 (2): 134-143.

abstract: In vielen psychotherapeutischen Ausrichtungen, eingeschlossen der psychoanalytischen, verhaltensbasierten, humanistischen und auch bei systemischen Ansätzen, ist die Bedeutung von Religiosität und Spiritualität in den letzten Jahren genauer in den Blick genommen worden. Nach einer Klärung der Begriffe Religiosität und Spiritualität und einem Überblick über diesen »spiritual turn« werden aktuelle empirische Befunde zu Depression und schützenden sowie schädlichen Religiositätsformen zusammengefasst. Für hochreligiöse Patienten liegen mittlerweile religiös-spirituell adaptierte Manuale zur Depressionsbehandlung vor. Es wird empfohlen, religiös-spirituelle Ressourcen stärker zu nutzen sowie therapeutische Ansätze ggf. mit Angeboten der Seelsorge zu verbinden.

Hildenbrand, Bruno (2018): »Die schärfsten Kritiker der Elche …«. Anmerkungen zur Replik von R. Göppel und M. Zander. In: Familiendynamik 43 (2): 144-145.

Ruhwinkel, Bernadette (2018): Der besondere Fall: Gemeinsam geht es besser. Psychotherapie mit älteren Menschen zwischen Depression, Angst und Somatik. In: Familiendynamik 43 (2): 146-149.

Retzlaff, Rüdiger (2018): Systemische Therapie in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland. In: Familiendynamik 43 (2): 150-157.

abstract: Dieser Artikel informiert über formale und rechtliche Aspekte des ambulanten psychotherapeutischen Versorgungssystems in Deutschland und greift kritische Fragen auf, die sich im Zusammenhang mit einer möglichen sozialrechtlichen Anerkennung der systemischen Therapie als Richtlinienverfahren stellen. Insbesondere wird auf die zu erwartende Verrechtlichung von Ausbildung und therapeutischer Praxis eingegangen.

Dittrich, Kerstin (2018): Systemisch auf Rezept. Wirksamkeitserwartungen einer sozialrechtlichen Anerkennung systemischer Therapie – Bericht vom Berliner Symposium der DGSF und SG. In: Familiendynamik 43 (2): 158-159.

Kriz, Jürgen (2018): Der Mensch als »Störgröße«. In: Familiendynamik 43 (2): 160-161.

Kriz, Jürgen (2018): WBP-Bewertung tendenziös und voller Mängel. In: Familiendynamik 43 (2): 162-163.

Kormann, Hermut (2018): Schwerpunkte der deutschsprachigen Forschung zu Familienunternehmen. Ein Zwischenbericht (anlässlich der Emeritierung) über Arist von Schlippes Wirken. In: Familiendynamik 43 (2): 164-167.

Wild, Thomas (2018): Zu den Herausforderungen einer zeitgenössischen ars moriendi. In: Familiendynamik 43 (2): 183-183.

Diederichs, Antonia (2018): Zurück-Geschaut: Helm Stierlins Theorie der bezogenen Individuation. Helm Stierlin (2005): Gerechtigkeit in nahen Beziehungen. Systemisch-therapeutische Perspektiven. Heidelberg (Carl-Auer). In: Familiendynamik 43 (2): 168-170.

Praxl, Berit, Leonie Köllbichler & Milena Zuniga Le-Bert (2018): Zurück-Geschaut: Die Mailänder Gruppe und das Paradoxon und Gegenparadoxon. Palazzoli, M.S., Boscolo, L., Cecchin, G., & Prata, G. (1977). Paradoxon und Gegenparadoxon. Ein neues Therapiemodell für die Familie mit schizophrener Störung. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Familiendynamik 43 (2): 171-173.

Reich, Günter (2018): Eine Lücke im Familiengefühl. Nachruf auf Manfred Cierpka (1950–2017). In: Familiendynamik 43 (2): 174-175.

Retzlaff, Rüdiger (2018): Zum Tode von Salvador Minuchin (13.10.1921 – 30.10.2017). In: Familiendynamik 43 (2): 176-178.

Froidevaux, Laurine (2018): Rezension – Stefan Hammel (2017): Grüßen Sie Ihre Seele! Therapeutische Interventionen in drei Sätzen. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Familiendynamik 43 (2): 179-180.

Mahal, Julia (2018): Rezension – Martin Hautzinger (2018): Ratgeber Depression. Informationen für Betroffene und Angehörige. Göttingen (Hogrefe), 2., aktualisierte Aufl. In: Familiendynamik 43 (2): 180-182.

 


Heft 3

Kluttig, Tilman & Arist von Schlippe (2018): Editorial: Paradoxe Kontexte. In: Familiendynamik 43 (03): 185-185.

Kluttig, Tilman (2018): Systemische Praxis in der forensischen ­Psychotherapie. In: Familiendynamik 43 (03): 188-201.

abstract: Der Beitrag führt ein in das Feld der forensischen Psychotherapie im Straf- und Maßregelvollzug. Er zeigt die spezifischen gesellschaft­lichen, juristischen und institutionellen Rahmenbedingungen auf, denen diese therapeutische Arbeit unterliegt. Dar­über hinaus benennt er charakteristische Merkmale forensischer Patientinnen und Patienten und diskutiert, wie mit der Dynamik von Macht und Ohnmacht, die Zwangskontexten inhärent ist, umgegangen werden kann. Überblicks­artig werden Beispiele systemischer Praxis in diesem Feld aufgeführt. Abschließend wird erörtert, welche Relevanz systemische Therapie in Verbindung mit neuen therapeutischen Entwicklungen in der forensischen Psychotherapie haben könnte, um antisoziale Persönlichkeitsstörungen zu behandeln.

Reutter, Peter & Roswita Hietel-Weniger (2018): Genogrammarbeit in der forensischen ­Psychiatrie und Psychotherapie. In: Familiendynamik 43 (03): 202-211.

abstract: In diesem Beitrag geht es um die Arbeit mit Genogrammen bei Patientinnen und Patienten, die im Maßregelvollzug untergebracht sind. Vollzugsziel ist die Resozialisierung, d. h. die Integration in die Gesellschaft nach Abschluss der Behandlung im Maßregelvollzug. Den Überlegungen liegt der Gedanke zugrunde, dass die Resozialisierung umso besser gelingt, je genauer die prägenden Sozialisationsbedingungen der Patientinnen und Patienten her­aus­gearbeitet und verstanden werden. Diese erschließen sich durch die Rekonstruktion von Genogrammen mit­hilfe der Methodik der sequenziellen ­Analyse.

Heilemann, Michael (2018): Chronifizierte ­Gewaltbereitschaft. In: Familiendynamik 43 (03): 212-221.

abstract: Die grenzen­lose, opferzynische und ausschließlich an punktueller, künstlicher Selbstüberhöhung ausgerichtete Gewaltbereitschaft wird nicht – wie oft vom Täter proklamiert – aus einem Täter-Opfer-Dissens heraus erklärt, sondern als Ausdruck eines inneren Konflikts des Täters verstanden. Im Moment der Unterwerfung raubt der Täter dem Opfer dessen Lebensenergie, Lebensoptimismus und Kontrollüberzeugungen. Dieser Vorgang ist als suchtartiges Geschehen zu verstehen: Der Endorphinschub hält nicht lange an und ruft nach Dosisverstärkung. Die Legitimationsstrategien des »Unterwerfungserfolges« sowie Drohungen bei Anzeige bedingen oft lebenslange Opfertraumata. Die Bindung des Täters an den autoritären Vater und die damit einhergehende Autoritätshörigkeit, zugleich die Anbindung an die eigene Subkultur und der damit einhergehende Männlichkeitswahn sind typisch. Diese Muster gelten insbesondere bei den wenigen hochbegabten, charismatischen Anführern der gewalttätigen Subkultur. Bei diesen Personen kommt eine wei­tere Qualität hinzu: dass das Umfeld die Taten bewundert. Mit dem Konzept der »Elite-Integration« wird versucht, genau diese Personen dafür zu gewinnen, positive Führungsfiguren in ihrer Subkultur zu werden.

Gilad, Ziv, Ronen Kasten & Haim Omer (2018): Training von Polizisten in konstruktiver ­Auseinandersetzung. Auswirkungen auf Verhalten und Einstellungen in Konflikten mit Bürgern. In: Familiendynamik 43 (03): 222-231.

abstract: Die Methode der konstruktiven Auseinandersetzung vermittelt Fertigkeiten, sich von Gewalt zu distanzieren, um Verletzungen und andere Schäden zu verhindern. Eine Gruppe von Polizisten, die an einem Training in konstruktiver Auseinandersetzung teilgenommen hatte, wurde in einer Simulationsübung, bei der es um einen Einsatz in einem Nachbarschaftsstreit ging, mit einer Kontrollgruppe verglichen. Die Beurteiler bewerteten die gefilmte Simulation im Hinblick auf charakteristische Merkmale konstruktiver bzw. destruktiver Auseinandersetzung. Die Kontrollgruppe absolvierte das Training im Anschluss an die Simulation. Alle 28 Polizisten füllten vor und nach dem Workshop einen Fragebogen aus, der ihre Einstellungen bzgl. konstruktiver und destruktiver Formen von Auseinandersetzung erfasste. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Einstellungen nur leicht in Richtung konstruktive Auseinandersetzung verändert hatten; größere Veränderungen zeigten sich aber in der Fähigkeit, in der Simulation konstruktiv statt destruktiv zu reagieren. Diese Veränderung wurde als Hinweis darauf gedeutet, dass Methoden konstruktiver Auseinandersetzung durchaus erlernt werden können, es allerdings weitergehender Trainingsmaßnahmen bedarf, um Einstellungen nachhaltig zu verändern.

Brinkmann, Ulrich (2018): Agil in den Abgrund. Kontrolle und Koordination von Arbeit in Zeiten von Agilität und Digitalisierung. In: Familiendynamik 43 (03): 232-240.

abstract: Agilität ist als organisationales Koordinations-, Handlungs- und Führungskonzept in aller Munde. Der vorliegende Beitrag diskutiert Agilität als Pendant zur »Digitalisierung« und als zentralen Bestandteil eines größeren zeitgenössischen Narrativs (Solutionismus). Er zeigt, dass Agilität als normativer Ansatz in der Tradition arbeitskraftbezogener Koordinations- und Kontrollformen von Arbeit steht und sich als solcher Bestandteile früherer Konzepte selektiv aneignet. Darüber hinaus fokussiert er die Machtvergessenheit dieses Ansatzes und kritisiert dessen fehlendes Verständnis für etablierte demokratische Verfahren.

Kleve, Heiko (2018): Die Unternehmerfamilie der Gesellschaft. Überlegungen zur Systemtheorie einer besonderen Sozialform. In: Familiendynamik 43 (03): 242-243.

Lüscher, Kurt, Arist von Schlippe & Christian Mürner (2018): »Verkörperte Ambivalenz«. Kurt Lüscher und Arist v. Schlippe im Gespräch mit dem Behinderten- pädagogen und Autor Christian Mürner zum Thema Behindert-Sein und Behindert-Werden. In: Familiendynamik 43 (03): 244-246.

Schlippe, Arist von (2018): Der besondere Fall – Ein Businessplan für das Juwel: »Schräge kommunikative Anschlüsse«. In: Familiendynamik 43 (03): 248-251.

Baumann, Sebastian (2018): Systemische Therapie muss Kassenleistung werden. In: Familiendynamik 43 (03): 252-253.

Simon, Fritz B. (2018): Zurück-Geschaut: Der unerhörte Abgesang auf die Bio-Psychiatrie. In: Familiendynamik 43 (03): 254-255.

Merklin, Elisabeth (2018): Rezension – Eia Asen & Michael Scholz (2017): Handbuch der Multifamilien-therapie. Heidelberg (Carl-Auer). In: Familiendynamik 43 (03): 258-259.

Wäschle, Robert (2018): Rezension – Martin Koschorke (2017): Lösbare und unlösbare Aufgaben in der Paarberatung. Die Paardynamik in Supervision und Selbstsupervision. Stuttgart (Klett-Cotta). In: Familiendynamik 43 (03): 259-260.

Neraal, Terje (2018): Rezension – Günter Reich & Antje von Boetticher (2017): Hungern, um zu leben – die Paradoxie der Magersucht. Psychodynamische und familientherapeutische Konzepte. Gießen (Psychosozial-Verlag). In: Familiendynamik 43 (03): 260-261.

Emlein, Günther (2018): Rezension – Thomas Bock u. Gerhard Dieter Ruf im Gespräch mit Uwe Britten (2018): Eine Frage der Haltung – Psychosen verstehen und psychotherapeutisch behandeln. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Familiendynamik 43 (03): 261-262.

Loth, Wolfgang (2018): Kurz vor Schluss: In der Tat. In: Familiendynamik 43 (03): 263-263.


Heft 4

Hunger-Schoppe, Christina & Ulrike Borst (2018): Editorial: Evidenzbasierung systemischer Therapie. Gewinnt jeder einen Preis? In: Familiendynamik 43 (4): 265-265.

Fydrich, Thomas (2018): Evidenzbasierung in der Psychotherapie. In: Familiendynamik 43 (4): 268-279.

abstract: Der möglichst objektive Nachweis der Wirksamkeit ist eine berufs- und sozialrechtlich begründete Anforderung an die Behandlungen, die im Gesundheitssystem angeboten werden. Diese Forderung gilt auch für psychotherapeutische Maßnahmen. Im Artikel werden die methodischen Charakteristika verschiedener Arten von Untersuchungen zur Wirksamkeit vorgestellt und das Wesen und die Idee der Forderung nach einer evidenzbasierten Psychotherapie inklusive der Kriterien für Therapieerfolg erläutert. Eine besondere Bedeutung haben dabei die randomisiert-kontrollierten Psychotherapiestudien, deren methodische Vor- und Nachteile sowie deren Rolle im Gesundheitswesen dargestellt und diskutiert werden. Weiterhin wird betont, dass für eine gute Versorgung neben der Berücksichtigung externer Evidenz die klinische Expertise der Behandler für die Umsetzung und die Adaptation auf den Einzelfall unerlässlich ist.

Kriz, Jürgen (2018): Rückkehr zum wissenschaftlichen Diskurs? Kommentar zum Beitrag von Thomas Fydrich. In: Familiendynamik 43 (4): 280-285.

abstract: Ein Diskurs über die Bewertung von Psychotherapie in Deutschland fand viele Jahre mit dem Hinweis auf laufende Bewertungsverfahren kaum statt. Der Kommentar begrüßt daher zunächst den Konsens, »Evidenzbasierung« wieder im Sinne des Begründers (Sackett) zu verwenden, statt dieses Konzept unzulässig auf RCT-Studien zu reduzieren. Kritisch stellt sich damit die Frage, ob es wissenschaftlich angemessen und / oder patientengerecht ist, aufgrund von methodisch strittigen Details in der Beweisführung zur Wirksamkeit ganze Grundorientierungen aus Praxis, Forschung und Lehre zu eliminieren. Zumal diese international – und bis 1999 auch in Deutschland – von Wissenschaftlern und Praktikern als wirksame Vorgehensweisen zum Nutzen der Patienten gesehen werden. Kontrovers zu diskutieren ist auch der Stellenwert von RCT- bzw. experimentellen Designs: Diese setzen voraus, dass keine Interaktion zwischen Experimentator (hier: Therapeut) und Proband (hier: Patient) stattfindet, die nicht im Manual des Versuchsplans spezifiziert ist. Kreativ und situationsspezifisch denkende Therapeuten und Patienten sind in diesem Denken nur Störgrößen. Ist das ein Leitbild, dem alle Therapieformen folgen sollen?

Lange, Stefan (2018): Kommentar zum Beitrag »Evidenzbasierung in der Psychotherapie« von Thomas Fydrich. In: Familiendynamik 43 (4): 286-289.

abstract: Die Evidenzbasierung in der Psychotherapie hat eine lange Tradition und scheint fest verwurzelt. Der Disput über eine angemessene Methodik dauert aber weiterhin an. Hierin unterscheidet sich die Psychotherapie nicht wesentlich von der somatischen Medizin. Argumente, die oftmals gegen die Durchführbarkeit randomisierter kontrollierter Studien ins Feld geführt werden, sind zumeist nicht spezifisch für den Aspekt der Randomisierung oder schlicht falsch. Bedenklich muss der offenbar weit verbreitete »Hemineglect« in der Psychotherapieforschung stimmen, nämlich dass mögliche durch Psychotherapie hervorgerufene Schäden ausgeblendet und damit nicht erfasst werden.

Buchholz, Michael B. (2018): Medizinalisierung ­schadet professioneller Psychotherapie. Was tun nach DSM-V, Neurohype und RCT-Dominanz? In: Familiendynamik 43 (4): 290-302.

abstract: Meine 1999 veröffentlichte Theorie Psychotherapie als Profession (Buchholz, 1999) dient als Grundlage, um den Stand von heute zu reflektieren: Die psychotherapeutische Forschung hat die »talking cure« in ihren Effektstärken und »outcome«-Maßen erheblich rehabilitiert. Weder die technische (»Interventionen« bei »Störungen«) noch die medizinische Metapher (Stiles & Shapiro, 1989) haben halten können, was sie versprochen haben. RCT-Methodologie hat strenge Logik, weniger jedoch Praxisrelevanz für sich. Diese Forschungs-Umwelt kontrastiert mit einer politischen Umwelt, wie sie durch eine »Direktausbildung« – vom Psychotherapeutentag im Herbst 2015 beschlossen – geschaffen würde. Sie würde dem medizinischen Paradigma zu einem Zeitpunkt zu Dominanz in den Ausbildungen verhelfen, in welchem die Medizinalisierung der Psychotherapie durch die Forschung massiv infrage gestellt wird.

Hemmelmayr, Paul & Günter Amesberger (2018): Systemisch-handlungsorientierter Therapie­ansatz für Kinder und Jugendliche. Ausgewählte empirische Befunde. In: Familiendynamik 43 (4): 304-319.

abstract: Der Beitrag untersucht, welche Wirkung systemisch-handlungsorientierte Gruppenangebote in der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen (n = 66) mit gravierenden Schwierigkeiten im Sozialverhalten haben. Im Rahmen einer viermonatigen Interventionsstudie mit Pre-, Post- und Retention-Test nach drei Monaten wurde überprüft, ob sich (a) die Kompetenzeinschätzung sowie (b) die psychische Symptomatik veränderten und (c) welche Zusammenhänge zwischen einer veränderten Kompetenzeinschätzung und einer veränderten psychischen Symptomatik bestehen. Dazu wurde ein analoges Kompetenzeinschätzverfahren entwickelt. Die Symptomatik wurde mit der Child Behavior Checklist (CBCL) sowie dem Youth Self-Report (YSR) zu drei Messzeitpunkten erfasst. Ergänzend wurden Abschlussgespräche qualitativ analysiert. Die Eltern schätzten die Veränderung der Symptomatik höher ein als die Betroffenen selbst. Die Drei-Monats-Katamnese weist auf die zeitliche Stabilität der Ergebnisse hin. Signifikante Korrelationen zeigten sich zwischen einer veränderten Kompetenzeinschätzung und einer veränderten Symptomatik. Dies deutet darauf hin, dass die Kompetenzsteigerung mit einer reduzierten Symptomatik einhergeht. Auf qualitativer Ebene zeigte sich, dass sich nicht nur das Verhalten der Kinder und Jugendlichen, sondern auch familiäre Interaktionsmuster durch das Gruppenangebot veränderten. Insgesamt deuten die Ergebnisse auf die Wirksamkeit der Intervention hin.

Tilden, Terje (2018): Das Tandem-Projekt in Modum Bad. Ein Erfahrungsbericht über die Integration von Forschung in die klinische Praxis. In: Familiendynamik 43 (4): 320-330.

abstract: Klinische Praxis und Psychotherapieforschung sollten sich im Idealfall gegenseitig bedingen und in einem produktiven Austausch stehen. Therapeuten sollten sich über Forschungsergebnisse informieren, während Forscher sich wiederum vergewissern sollten, dass ihre Untersuchungen für Kliniker auch tatsächlich relevant und hilfreich sind. Es existiert jedoch eine Kluft zwischen Forschung und klinischer Praxis. Durch Projekte, die Forschung als festen Bestandteil in den klinischen Alltag der Familienabteilung des Psychiatrischen Zentrums Modum Bad, Norwegen, integriert haben, konnten sich beide Bereiche einander annähern. Diese praxisorientierte Forschung arbeitet mit Daten, die in sehr kurzen Abständen von den Klienten in Form von klinischem Feedback erhoben werden und in der laufenden Therapie als Orientierungshilfe dienen. Dieselben Daten werden, auf Gruppenebene gesammelt, darüber hinaus auch unmittelbar für die Forschung genutzt. Der vorliegende Beitrag zeigt, wie es gelungen ist, dass praxisorientierte Forscher und Wissenschaftler des Psychiatrischen Zentrums in Modum Bad intensiv mit Klinikern zusammengearbeitet haben und so die Qualität der Behandlung verbessern konnten.

Roesler, Christian (2018): Die Wirksamkeit von Paartherapie. Teil 1: Eine Übersicht über den Stand der Forschung. In: Familiendynamik 43 (4): 332-341.

abstract: Die hohe gesellschaftliche Relevanz von Paarproblemen sowie die Folgewirkungen von belasteten bzw. scheiternden Paarbeziehungen werden aufgezeigt. Hieraus wird ein hoher Bedarf an Paartherapie abgeleitet. In einer umfassenden Übersicht wird die Forschung zur Wirksamkeit von Paartherapie im Allgemeinen sowie für verschiedene spezifische Paartherapieansätze zusammengefasst. Hierbei wird deutlich, dass sich verschiedene klassische Ansätze als nur bedingt wirksam erwiesen haben, während insbesondere integrative Ansätze hohe Effektstärken sowie hohe Nachhaltigkeit erreichen. Diese Ansätze sind aber im deutschsprachigen Raum bislang kaum vertreten. Darüber hinaus erweist sich die Wirksamkeit von Paartherapieverfahren in methodisch strengen Studien als deutlich höher im Vergleich zur Wirksamkeit in der realen Praxis. Mögliche Erklärungen für diese Unterschiede sowie Konsequenzen für die Praxis werden diskutiert.

Funcke, Dorett (2018): Milieu und Sozialisation. Genogrammanalyse einer Unternehmerfamilie. In: Familiendynamik 43 (4): 342-351.

abstract: Im Zentrum des Beitrages steht die Genogrammanalyse des Falles einer Familie, deren Mitglieder lebenspraktische Entscheidungen innerhalb eines sozialisatorischen Kontextes treffen, der bestimmt ist (a) von den Strukturmerkmalen einer Unternehmerfamilie und (b) durch die spezifischen Lösungen, die die Akteure dieser Familie für sich finden (wie z. B. die Regelung der Nachfolge). Anhand der Analyse eines Fallbeispiels wird gezeigt, wie die handelnden Personen in der Auseinandersetzung mit den vorgefundenen Entwicklungsbedingungen zu ihren Lebensentwürfen finden. Bei der Unternehmerfamilie handelt es sich um eine Familienform ganz »eigener Art« (Hildenbrand, 2011, S. 121). Deshalb werden in einem ersten Teil deren Besonderheiten vor dem Hintergrund der ausdifferenzierten Kernfamilie, die einer anderen Strukturlogik folgt, skizziert. Den Übergang zur Fallanalyse bilden Ausführungen zum methodischen Vorgehen. Durch den Rückgriff auf »objektive Daten« ist es möglich zu rekonstruieren, dass lebensbiografisch prägende Entscheidungen, die unter spezifischen Bedingungen getroffen werden (a, b), nicht zufällig, sondern aus bestimmten, benennbaren Motiven entstanden sind.

Dittrich, Kerstin (2018): Mehr Grenzen als Möglichkeiten. Über die Anerkennung systemischer Qualifikationen auf Approbationsausbildungen. In: Familiendynamik 43 (4): 352-353.

Eckert, Jochen (2018): Rezension – Jürgen Kriz (2017): Subjekt und Lebenswelt. Personzentrierte Systemtheorie für Psychotherapie, Beratung und Coaching. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Familiendynamik 43 (4): 354-356.

Bruchhaus Steinert, Helke (2018): Rezension – Ulrich Clement & Ann-Marlene Henning (2018): Wenn es um das Eine geht. Das Thema Sexualität in der Therapie. Ulrich Clement & Ann- Marlene Henning im Gespräch mit Uwe Britten. Göttingen (Vandenhoeck & Ruprecht). In: Familiendynamik 43 (4): 356-358.

Lüscher, Kurt (2018): Evaluieren evaluieren. In: Familiendynamik 43 (4): 359-359.

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