Soeben ist das aktuelle Heft 1/2007 des Journal of Family Therapy mit einen psychiatrischen Schwerpunkt erschienen. Die SYMPA-Forschungsgruppe um Jochen Schweizer liefert eine Beschreibung sowie eine Auswertung des 18tägigen Trainingsprogramms in familiensystemischer stationärer Akutpsychiatrie, das alle Teilnehmer des SYMPA-Programms an den drei teilnehmenden Kliniken durchlaufen haben. Roger Stanbridge & Frank Burbach konstatieren, dass die derzeitige gesundheitspolitische Entwicklung in England Möglichkeiten eröffnet, stärker familienbezogene Initiativen in die Arbeit der mental health services zu integrieren, und machen Vorschläge für die Entwicklung von Arbeitsbündnissen zwischen Familien und Professionellen und den entsprechenden Trainingsprogrammen. Diese Trainingsprogramme werden recht kritisch von Jeni Webster kommentiert. Der Schwerpunkt wird durch eine Arbeit von Gilbert M.D. Lemmens, Ivan Eisler u.a. über ein gruppentherapeutischen Projekt abgerundet, das Multi-Familiengruppen und Paargruppen in einem stationären Kontext für Patienten umfasst, die wegen einer schweren Depression in stationärer Behandlung sind. Ein ausgezeichneter Artikel von Tannelie Blom & Leo van Dijk kritisiert die bindungstheoretischen Ansätze, die davon ausgehen, dass Bindungsverhalten in erwachsenen Paarbeziehungen unter ähnlichen Blickwinkeln betrachtet werden könnte wie kindliche Bindungsmuster. Ausgehend von einem an Luhmann orientierten Verständnis von Paarbeziehung als sozialem System (mit dem Code Intimität) wird dargestellt, dass Bindungsverhalten im Sinne der Bindungsforschung hier nur im Ausnahmefall (etwa einer Krise) zum Tragen kommt und die Untersuchung partnerschaftlicher Intimität und Sicherheit erweiterte Konzepte benötigt. Das Heft wird mit einem Nachruf von Julian Leff auf den neuseeländischen Pionier systemischer Therapie bei Schizophrenie, Ian Falloon, eröffnet, der am 14. Juli vergangenen Jahres im Alter von 61 Jahren gestorben ist.
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26. Januar 2007
von Tom Levold
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Sexualtheoretiker müssen sich irgendwann, spätestens nach ihrem Ableben, die Frage gefallen lassen, wie es denn um ihre eigene Sexualpraxis bestellt gewesen ist. Das gilt in ganz besonderem Maße für die Person Sigmund Freuds, dessen Libido seit Jahrzehnten alle möglichen Biografen auf der Spur sind. Nun ist mal wieder jemand fündig geworden, nämlich der Heidelberger Soziologe, Psychoanalytiker und Freud-Forscher Franz Maciejewski, dem es gelang, im vergilbten Fremdenbuch eines kleinen Schweizer Hotels eine Eintragung ausfindig zu machen, aus der hervorgeht, dass Freud hier am 13.8.1898 mit seiner Schwägerin Minna in einem Doppelzimmer mit Doppelbett abgestiegen ist. Das erregt den Freud-Forscher, weil diese Tatsache aus irgendeinem Grunde bedeute, dass„die Psychoanalyse
nicht länger durch die Einheit der Person (Freud) zusammengehalten werden“ könne, als ob – wie Ludger Lütkehaus in der NZZ treffend bemerkt,„sie jemals dadurch zusammengehalten worden wäre“. Wir sind gespannt auf die zukünftigen Enthüllungen über das Sexualleben der Freud-Biografen.