Welche Möglichkeiten und Erfahrungen haben wir, uns„Systemiker“ selbst als lernende Systeme zu beschreiben? Was geschieht, wenn wir uns selbst als Beobachter beobachten, unsere eigenen Lernprozesse reflektieren und damit wieder neues Wissen hervorbringen? Vor fünf Jahren habe ich einen Beitrag zum 10jährigen Jubiläum der Systemischen Gesellschaft unter dieser Perspektive beigesteuert (der 2003 in systeme erschien und jetzt in der Systemischen Bibliothek zu lesen ist), verbunden mit der Einladung, sich stärker mit der Geschichte der systemischen Bewegung auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung steht bislang aber noch aus. Das betrifft sowohl die kritische Rekonstruktion bzw. Dekonstruktion der Geschichte systemischer Theorie-Konstruktionen (die über eine lineare Aneinanderreihung im Lehrbuchstil hinausreicht) als auch die Aufarbeitung der vielfältigen Aktivitäten individueller und kollektiver Akteure, die dazu geführt haben, dass wir da angekommen sind, wo wir sind. Fünf Jahre später und nach dem schmerzlichen Tod einiger bedeutender Pioniere des Systemischen Ansatzes in den letzten drei Jahren scheint mir diese Fragestellung aktueller denn je. Um diese Frage wird es übrigens u.a. auch auf der diesjährigen SG-Tagung in Berlin gehen, mit der das 15jährige Jubiliäum gefeiert wird (und das 25jährige eines ihrer Gründer, des BIF). Interessenten an einer Diskussion zum Thema„Systemisch wird Geschichte“ sind herzlich zum gleichnamigen Workshop in Berlin eingeladen.
Zum Aufsatz
14. April 2008
von Tom Levold
Keine Kommentare







Im Februar 2003 veröffentlichte die Paar- und Sexualtherapeutin Ulrike Brandenburg mit dem 2005 verstorbenen Heinz Kersting aus Aachen eine Arbeit über den systemischen Ansatz bei sexuellen Problemen, der in der edition ferkel nun auch im systemagazin zu lesen ist:„Anhand eines Erstgesprächs mit einem impotenten Paar wird Systemische Sexualtherapie dargestellt, analysiert und diskutiert. Dabei wird deutlich, welch hohe therapeutische Potenz der systemische Ansatz bei der Behandlung von Menschen mit sexuellen Problemen hat. Nicht die Störung an sich, sondern die Störung in Bezug auf wen, auf was, auf wie darum geht es. Die systemische Therapie vermag mit ihren Möglichkeiten ein Verständnis herzustellen dafür, wie Sexualität kommuniziert wird. Durch ihre geplanten Irritationen bietet sie in einem zweiten Schritt an, dieses Kommunikationssystem sofern vom Paar gewünscht zu verändern. Insofern ist sie in der Lage, Patienten darin zu unterstützen, Sexualität neu zu konstruieren. Am beschriebenen Fall wird aufgezeigt, wie das Paar unter der behutsam verstörenden, ressourcenorientierten und ermutigenden Anleitung durch die Therapeutin zu dem angst- und schambesetzten Thema der Impotenz eigene und neue Perspektiven bezüglich des Symptoms vornehmen kann. Über das Wagnis des Sich-Einander-Zumutens erhöhen sich Nähe und emotionale Intimität und es entwickelt sich ein von dem Paar selbst initiierter Prozess von höchster therapeutischer Potenz. Dabei kann das Symptom der Impotenz bereits an Bedeutung verlieren, obwohl auf der Symptomebene noch gar nicht therapeutisch gearbeitet wurde“