
„Der Trend zur Professionalisierung von Beratung ist in Deutschland und Europa ebenso zwingend wie sicher, wenn auch umstritten (
). So offenbaren zwar verschiedene Indikatoren einen aktuellen Professionalisierungsschub: zunehmende Publikationsraten zum Thema, Beratung als Gegenstand wissenschaftlicher Gesellschaften, erste Bestrebungen zu einer Beratergesetzgebung, erste Ethikrichtlinien sowie neuere grundständige und weiterbildende akademische Beratungsstudiengänge. Angesichts der Beratungskonzepte und Praxisfelder bleibt heute jedoch noch unklar, welche Richtung die Professionalisierung einschlagen wird und einschlagen sollte. Die Entwicklung der Psychotherapie in Deutschland, die mit dem Psychotherapeutengesetz einen exklusiv ausgrenzenden und an einem engen medizinischen Berufsverständnis orientierten Weg eingeschlagen hat, scheint kein geeignetes Vorbild zu sein. Eine berufsoffene und interdisziplinäre Professionalisierung, orientiert an gesundheits-, sozial- und bildungspolitischen statt an berufspolitischen Zielen (wie dem eigenen„beruflichen Überleben“ in der Konkurrenz der Angebote,
) dagegen würde der Vielfalt der Beratungsbedürfnisse und Bedarfslagen des 21. Jahrhunderts eher entsprechen. Beratung muss heute und zukünftig eine professionelle Aufgabe und berufliche Tätigkeit vieler Berufsgruppen im Sozialbereich, Bildungswesen und Gesundheitssektor sein. Interdisziplinäre Kooperation in multidisziplinären Hilfeeinrichtungen und Hilfenetzwerken muss disziplinäre Borniertheit und berufsständisches Eigeninteresse konterkarieren, um Beratung in der Zukunft zu einem effektiven und nachhaltigen Unterstützungsangebot für alle Menschen, die sie brauchen, zu machen. Die spezifischen disziplinären Zugänge – psychologische, pädagogische, soziologische, philosophische etc. – sind zum Zusammenwirken in Eigenständigkeit aufgerufen“ (In: Handbuch der Beratung, Bd. 2. Ansätze, Methoden und Felder, DGVT-Verlag, Tübingen 2004, S. 603f.)
24. Juni 2009
von Tom Levold
Keine Kommentare


eingebüßt. Auch in seinem jüngsten opus magnum, der Gesellschaft der Gesellschaft, bezieht Luhmann in zahlreichen Anmerkungen und Verweisen gegen die subjektzentrierte Vernunftkonzeption von Habermas Stellung, die für ihn, indem sie in illegitimer Weise die Verwirklichbarkeit von Utopien suggeriert, statt zeitgemäße Soziologie zu betreiben, nur auf Vernunft zu warten scheint. (1997: 1148) Obwohl sich Habermas zwar in seinem Spätwerk tatsächlich von der Soziologie eher ab und einer mehr philosophisch-normativen Erörterung der für moderne Gesellschaften noch gangbaren Integrationsmöglichkeiten zugewandt zu haben scheint, hält auch er es im Gegenzug nach wie vor für nötig, sich von der systemtheoretischen Unterscheidungspoiesis Luhmanns zu distanzieren. (zuletzt etwa: 1996: 393ff). Obwohl die Heftigkeit der Kontroverse nicht zuletzt auch in der Wahl der sprachlichen Mittel zwar nun eine gewisse Konsolidierung gegenüber ihrem Beginn in den siebziger Jahren zu erfahren scheint, dürften die beiden Konzepte in der sozialwissenschaftlichen Theoriediskussion nach wie vor als weitgehend inkompatibel gelten. Gerade Die Gesellschaft der Gesellschaft gibt aber, indem sie gewisse, freilich bereits auch im früheren Werk angelegte Züge der systemtheoretischen Konzeption mit neuer Deutlichkeit herausstellt, Anlaß, einen zweiten Blick auf Parallelen und Analogien von Diskurs- und Systemtheorie zu werfen. Dabei zeigt sich überraschender Weise, daß die Fronten so starr gar nicht sein müßten, daß sie vielmehr an sehr grundsätzlichen Stellen Möglichkeiten bieten, um die eine Konzeption in die andere überzuführen oder mit den Konsequenzen der einen an Prämissen der anderen gewissermaßen interkonzeptuell anzuschließen“