„Liebe ist ein Ereignis, aus dem eine Geschichte werden kann oder ein Geschick. Die Ehe als Institution der Gesellschaft zerreibt dies Ereignis, wie alle Institutionen die Ereignisse aufzehren, auf denen sie gegründet waren. Institutionen, die sich Ereignisse gründen, halten der Zeit so lange stand, als die Ereignisse nicht völlig aufgezehrt sind. Vor solchem Verzehrt-werden sind nur Institutionen sicher, die auf Gesetzen basieren. Solange die Ehe, immer zweideutig in dieser Hinsicht, als unscheidbar galt, war sie doch wesentlich auf dem Gesetz, nicht auf dem Ereignis der Liebe gegründet und damit eine echte Institution. Inzwischen ist die Ehe zur Institution der Liebe geworden, und als solche ist sie noch um ein weniges hinfälliger als die meisten Institutionen der Zeit. Die Liebe wiederum ist seit ihrer Institutionalisierung ganz und gar heimat- und schutzlos geworden“ (In: Denktagebuch. 1950-1973, 2 Bde., hrsg. von Ursula Ludz und Ingeborg Nordmann, München-Zürich 2002, Dezember 1950; S. 49-51).
5. Dezember 2009
von Tom Levold
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„Mein Pass wurde am 22. November 1989 ungültig, wenn er nicht verlängert würde. Ich hätte aber schon im Sommer 1989 einen neuen Reisepass beantragen müssen, die Seiten für die Sichtvermerke/Visas waren erneut bis auf die letzte Seite voller rechteckiger Stempel in schwarz-grün, rotblau, grünblau, braun, gelbblau oder schlicht schwarz, mit Namen wie Staaken, Marienborn, Drewitz, Horst, Schwanheide, Frankfurt/Oder, Wartha, Görlitz und DDR 087, 188, 069 Transit oder wie auch immer voll und so also aufgebraucht. Auch der 9. November 1989 war ein Tag, an dem ich es erfolgreich vermieden hatte, einen neuen Reisepass zu beantragen. Wenn man gegen die Übellaune dieser großmützigen DDR-Grenzbeamten andiskutierte, weiblicher Charme half nur wenig, bekam man ja immerhin für die Transitstrecke lose Blätter in den Reisepass gelegt, auf denen die Stempel sogar etwas farbenfroher als auf den grünen BRD-Seiten wirkten. Welchem Rhythmus die Farben und Nummerierungen folgten, ist eines der vielen Rätsel, die die damalige DDR mit in ihr Grab genommen hat“ So beginnt Dörte Foertsch ihre Reflexion der Berliner Zeit vor und nach dem Mauerfall, der auch für sie und ihre Arbeit als Lehrtherapeutin in Berlin nachhaltig verändert hat.
„Eigentlich wollte ich mich diesmal nicht beteiligen am Adventskalender. Was hätte ich zum Thema zu sagen als Bewohner einer einmal Bonner Republik , was könnte ich anderes beisteuern als bestenfalls sympathisierende Anekdoten? Natürlich weiß ich noch, wo ich war, als ich vom Mauerfall erfuhr, von eröffneter Entgrenzung: ich wollte gerade von der Arbeit nach Hause fahren als ich im Autoradio davon hörte. Ich bin zurückgelaufen zu den KollegInnen in der Stelle und
Nach der Maueröffnung hat
Zum vierten Mal präsentiert das systemagazin einen Adventskalender, doch diesmal mit ungewissem Ausgang