Mit seinem Buch Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart ist der französische Soziologe Alain Ehrenberg 2004 auch einem deutschen Publikum bekannt geworden. Darin erklärt er den Aufstieg der Depression zur Volkskrankheit mit den zunehmenden inneren und äußeren Anforderungen, denen die Menschen im Zeitalter des Flexiblen Kapitalismus in ihren Arbeitsprozessen und Beschäftigungsverhältnissen immer stärker ausgesetzt sind. Rudi Schmiede, Professor für Soziologie an der TU Darmstadt (Foto: ifs-tu.darmstadt.de) hat in einem 2011 von Cornelia Koppetsch im VS-Verlag herausgegebenen Sammelband Die Innenwelten des Kapitalismus einen Aufsatz mit dem Titel Macht Arbeit depressiv? Psychische Erkrankungen im flexiblen Kapitalismus verfasst, in dem er Ehrenbergs These bekräftigt: Was folgt aus dieser Diagnose? Für die wissenschaftlichen Bemühungen lässt sich das Postulat formulieren, dass die Arbeits-, Organisations-, Industrie- und Technikforschung ihren Blick stärker auf das Individuum inihrem jeweiligen Untersuchungsfeld richten und weiterentwickeln sollte. Oft vernachlässigte Bereiche der Innenwelten des Kapitalismus wie z.B. die im Kontext von Zielvereinbarungen oder von Projektarbeit veränderten Entlohnungssysteme oder die Vielfalt der (Weiter-)Bildungssysteme und -wege und die damit zusammenhängenden Karrierewege verdienen erhöhte Aufmerksamkeit. Ferner ist die biographische Dimension von Arbeit und Beschäftigung in der Forschung nach wie vor unterbelichtet. Die Forschung müsste deutlich stärker als bisher von der Erkenntnis ausgehen, dass die Wirksamkeit der beschriebenen disziplinierenden, prägenden und potentiell pathogenen Einflussfaktoren direkt mit dem Grad der Unmittelbarkeit der ökonomische markt- und machtvermittelten Durchgriffe des Weltmarkts auf die Individuen, Arbeitsgruppen oder Betriebseinheiten zusammenhängt. Damit sind auch Folgerungen für die Gestaltung der Realität angesprochen: Jede Strategie zur Entkoppelung oder zumindest Dämpfung dieser Unmittelbarkeit ist förderlich, um den Druck auf die Individuen zu vermindern. Der Aufsatz ist auch im Internet zu lesen,
und zwar hier
8. Juli 2011
von Tom Levold
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Der Runde Tisch Heimerziehung, der die Aufklärung der Zustände in den deutschen Heimen in den 50er und 60er Jahren zur Aufgabe hatte, hat seine Arbeit im Januar 2011 mit der Übergabe seines Abschlussberichtes an den Deutschen Bundestag beendet. Ab März 2011 nahm die Anlaufstelle„Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“, die auf Vorschlag des Runden Tisches von Bund und Ländern eingerichtet wurde, ihre Arbeit auf. Sie soll bis zur Umsetzung der Lösungsvorschläge des Runden Tisches als Anlaufstelle zur Verfügung stehen. Der Abschlussbericht steht als PDF zum Download zur Verfügung!