
27. März 2012
von Tom Levold
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27. März 2012
von Tom Levold
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26. März 2012
von Tom Levold
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Die FDP hat im Saarland 1.826 Mitglieder. Bei der Landtagswahl am Sonntag hat sie 5.871 Stimmen erhalten. Das heißt, dass auf jedes Mitglied der FDP 3,22 Wählerstimmen gekommen sind. Wenn wir einmal annehmen, dass jedes Mitglied bei der Wahl für die eigene Partei gestimmt hat (wobei natürlich auch das eine nicht zu bestätigende Hypothese ist), bleiben etwa zwei Personen pro Mitglied übrig, die zusätzlich die FDP gewählt haben. Gehen wir weiter davon aus, dass die meisten Mitglieder einer klassischen Mittelstandspartei wie der FDP auch im Saarland keine völlig isolierte Singles sind, sondern in Beziehungen leben oder Familien haben und zudem beruflich und sozial eher gut vernetzt sind. In diesen Zusammenhängen dürfte besonders intensiv darüber nachgedacht werden, ob man nicht zugunsten des Verwandten, der Freundin oder des Geschäftspartners das Kreuzchen bei der FDP machen sollte. Es spielen dabei vielleicht auch neben Überzeugungen auch Gesichtspunkte wie innerfamiliäre Bindungen, Loyalitäten oder einfach Mitleid eine Rolle.
Selbst wenn nur noch das Mitleid bleibt, hielt es sich bei der Landtagswahl im Saarland offensichtlich in Grenzen. Jedenfalls hat es nicht zum Wiedereinzug in den Landtag gereicht. Bei der Bundestagswahl sind ca. 62.200.000 Menschen wahlberechtigt. Wenn davon 60 % zur Wahl gehen, bleiben noch 37.320.000 Menschen übrig. Davon müssen 1.866.000, also 5 %, eine Partei wählen, damit sie in den Bundestag kommt. Die FDP hat im Bund 63.123 Mitglieder. Pro Mitglied bräuchte sie 29,56 Stimmen, um wieder ins Parlament gewählt zu werden. Wenn die FDP also ihre klassische Wählerbasis nicht mehr überzeugen kann, wofür so manches spricht, müsste jedes Mitglied etwa 30 Personen dazu bewegen, aus Mitleid mit ihm FDP zu wählen. Da die Mitglieder wahrscheinlich aus Selbstmitleid (und manche auch immer noch aus Überzeugung) ihre eigene Partei wählen, bleiben noch 28,56 Wähler pro Mitglied übrig, die Mitleid haben müssten.
Der Mitleidsfaktor Bund müsste also den Mitleidsfaktor an der Saar um mehr als das zehnfache übertreffen, nämlich um das 12,86fache, damit die Partei wieder in den Bundestag einziehen könnte. Womöglich sind ja die Saarländer 13mal so hartherzig wie der bundesrepublikanische Durchschnitt. Oder aber die Saarländer FDP-Mitglieder haben überproportional wenig mitleidige Verwandte und Freunde. Wie auch immer: die FDP braucht im Bund dringend 1.800.000 mal Mitleid. Aus dieser Perspektive betrachtet, werden dann die aktuellen Auftritte von FDP-Politikern sofort viel verständlicher.
25. März 2012
von Tom Levold
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1991 hat Kurt Ludewig in der„Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie“ eine„Übung in epistemischer Konfusion“ hinsichtlich des Problems„unruhiger Kinder“ vorgenommen, die mittlerweile auch online zu lesen ist:„Vor dem Hintergrund des systemischen Denkens (sprich: konstruktivistischer Systemtheorie) werden in groben Zügen die Annahmen untersucht, die das Phänomen der kindlichen Unruhe (Hyperaktivitätssyndrom“) als eingeständige nosologische Einheit begründen und den bisherigen Behandlungsansätzen zugrundeliegen. Im Einklang mit zeitgenössischen Auffassungen wird dieses soziale Phänomen als ein interaktionelles betrachtet. Ausgehend dann von zwei Beispielen aus der Praxis des Verfassers werden Bestandteile für ein Verständnis der kindlichen Unruhe zusammengetragen, die, unter Vermeidung von extremen Sichtweisen, die das Phänomen allein medizinisieren“ oder sozio-normativ werten, die Möglichkeiten systemischer Betrachtung nutzen, um den Therapeuten zu helfen, eine nachvollziehende und respektvolle Haltung zu ihren kleinen Klienten und deren Angehörigen einzunehmen“
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24. März 2012
von Tom Levold
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Tanya Luhrmann (Foto: www.stanford.edu) ist Professorin für Cultural and Social Anthropology an der Stanford University. In einem interessanten Aufsatz mit dem Titel„Hallucinations and Sensory Overrides“, der 2011 in der Annu. Rev. Anthropol. erschienen ist, beschäftigt sie sich mit den sozialen und kulturellen Hintergründen von Halluzinationen. Im abstract heißt es:„Hallucinations are a vivid illustration of the way culture affects our most fundamental mental experience and the way that mind is shaped both by cultural invitation and by biological constraint. The anthropological evidence suggests that there are three patterns of hallucinations: experiences in which hallucinations are rare, brief, and not distressing; hallucinations that are frequent, extended, and distressing; and hallucinations that are frequent but not distressing. The ethnographic evidence also suggests that hallucinations are shaped by learning in at least two ways. People acquire specific representations about mind from their local social world, and people (particularly in spiritual pursuits) are encouraged to train their minds (or focus their attention) in specific ways. These two kinds of learning can affect even perception, this most basic domain of mental experience. This learning-centered approach may eventually have something to teach us about the pathways and trajectories of psychotic illness“
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22. März 2012
von Tom Levold
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So lautete das diesjährige Thema der Heidelberger Tagung zur Systemischen Forschung, wieder veranstaltet vom Institut für Medizinische Psychologie (unter Federführung von Jochen Schweitzer und Matthias Ochs). Klaus Schenck hat die Tagung besucht und einen ausführlichen Tagungsbericht verfasst,
den Sie hier lesen können
21. März 2012
von Tom Levold
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20. März 2012
von Tom Levold
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Heute gibt es mal einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit – mit einem Artikel aus dem Jahre 1991 in der Zeitschrift„Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie“. Geschrieben haben ihn Jochen Schweitzer (Foto: Tom Levold) und Dieter Reuter, mit Vorschlägen für eine systemische Heimerziehung. Auch wenn sich in der Heimpädagogik in den letzten 20 Jahren so manches getan hat, lässt sich doch nach der Lektüre resümieren, dass das systemische Potential bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Im abstract heißt es:„Ausgangspunkt dieses Aufsatzes ist eine Analyse charakteristischer Problempunkte in der Heimerziehung auf unterschiedlichen Systemebenen: Familiendynamik, Familie-Heim, größeres Familie-Helfer-System, Heimerziehung als Profession. Neuere Konzepte der Systemtheorie (Selbstorganisation, Beobachterabhängigkeit, Passen“, Grenzen der Planung in Humansystemen) werden genutzt, um Anregungen für eine mit systemischem Denken konsistente Praxis der Heimerziehung zu entwickeln: Vom Aufnahmeverfahren bis zur Entlassung, von der Krisenintervention bis zur Familienpädagogik, vom Umgang mit Heimmitarbeitern bis zu Organisationsfragen“
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19. März 2012
von Tom Levold
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Wie verändert sich das Bild mentaler Prozesse im Zeitalter der Hirnforschung in der Alltagspsychologie? Der Forscher Paul Rodriguez, der sich u.a. mit methodologischen Fragen im Zusammenhang mit bildgebenden Verfahren beschäftigt, hat 2006 eine interessante Arbeit veröffentlicht, in der er – in Anschluss an die metapherntheoretischen Konzepte von Lakoff und Johnson – anhand von Beispielen aus den öffentlichen Diskursen zeigt, wie die Idee des Gehirns zunehmend ein Konzept mentaler Zustände ersetzt. Im Abstract heißt es:„What is the influence of neuroscience on the common sense way we talk about behavior and mental experience? This article examines this influence and the diffusion of neuroscience terms as it appears in everyday language that reflects shared cultural knowledge. In an unsolicited collection of speech acts and metaphors I show that the word brain often substitutes for mind and brain states are often asserted as the cause of mental states. I also present several examples of visual depictions of the brain, including modern brain scans, which have become the basis for new cultural symbols that are identified with mental experience. Taken together, the linguistic and visual brain metaphors highlight the concrete nature of the brain in contrast to the abstract nature of the mind. This, in turn, provides a physical dimension to the way we conceptualize mental phenomena in ordinary language. Thus, a modern folk neuropsychology is emerging which provides an alternative, reductionist, and sometimes competing network of concepts for explaining the mind in comparison to conventional folk psychology“
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18. März 2012
von Tom Levold
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Man kann nicht gerade behaupten, dass der systemische Diskurs in der Gegenwart reich an neuen Perspektiven sei, was die Fortentwicklung der klinischen Theorie betrifft. Zuviel Energie ist in den vergangenen Jahren in den Versuch geflossen, Systemische Therapie mainstreamkompatibel zu machen. Natürlich gibt es immer wieder gewichtige Ausnahmen, so z.B. das Buch von Peter Fuchs über die„Verwaltung der vagen Dinge„, das im vergangenen Jahr erschienen ist. Soeben ist im Carl-Auer-Verlag ein Band des Bonner Psychiaters und Psychotherapeuten Roland Schleiffer erschienen, der nichts anderes als eine systemtheoretische Neubegründung der Psychopathologie zum Thema hat. In seinem Vorwort wünscht Fritz Simon, dass das„extrem innovative“ Buch zum„Meilenstein in der Entwicklung der Psychiatrie“ werden solle:„Ein zweiter Band scheint unabdingbar“! Schleiffers Buch ist ein Muss für jeden theoretisch interessierten klinischen Praktiker. Wie er die Systemtheorie Luhmanns mit Säuglings- und Bindungsforschung, Affekttheorie und Entwicklungspsychologie zusammenbringt und die Frage der Pathologie dabei neu fasst, ist äußerst spannend zu lesen und eröffnet der systemischen klinischen Theorie wieder neue Optionen. systemagazin bringt als Leseprobe das Kapitel 7, den Epilog,
zum Volltext geht es hier
17. März 2012
von Tom Levold
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16. März 2012
von Tom Levold
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Ein Artikel bei Spiegel-Online Wissenschaft gibt die Ergebnisse einer interessanten Studie von Forschern an der University of British Columbia in Vancouver über Falsch-Diagnosen bei ADHS. Darin heißt es:„Bei früh eingeschulten Kindern wird besonders häufig eine Aufmerksamkeitsstörung ADHS diagnostiziert und behandelt. Ihr im Verhältnis zu älteren Klassenkameraden unreiferes Verhalten wird häufig irrtümlich als krankhaft interpretiert, wie kanadische Forscher in einer Studie mit fast einer Million Grundschulkindern herausgefunden haben. Besonders hoch sei das Risiko für Fehldiagnose und falsche Behandlung bei Kindern, die kurz vor dem Stichtag für das Einschulungsalter Geburtstag hatten. Sie seien typischerweise die jüngsten und unreifsten ihrer Klasse, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin„Canadian Medical Association Journal“. Analysen bestätigten die Befürchtungen, dass Kinder innerhalb der normalen Spannbreite des Verhaltens zunehmend mit Medikamenten behandelt werden, sagt Erstautor Richard Morrow von der University of British Columbia in Vancouver. Jüngere Kinder einer Klasse würden aufgrund ihres alterstypischen Verhaltens häufig falsch eingeschätzt. Die Studie zeigte, dass ADHS-Diagnosen bei solchen Kindern um 39 Prozent erhöht seien und die Gabe von Medikamenten sogar um 48 Prozent. Angesichts dieser Zahlen warnen die Forscher davor, Kinder unnötig den potentiellen Schäden und Langzeitfolgen einer Fehldiagnose und medikamentösen Behandlung auszusetzen. Denn Mittel gegen ADHS wie Methylphenidat können sich negativ auf den Appetit, das Wachstum und den Schlaf der Kinder auswirken. Auch das Risiko für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei erhöht, sagen die Wissenschaftler. Außerdem verhielten sich Eltern und Lehrer gegenüber ADHS-Kindern häufig anders. Das wiederum könne zu psychischen Folgen wie einem schlechten Selbstwertgefühl bei den Kindern führen.
„Diese Studie wirft Fragen für Ärzte, Lehrer und Eltern auf, wir müssen uns fragen, was sich ändern muss“, sagt die Psychiaterin Jane Garland, Mitautorin der Studie von der University of British Columbia. Man müsse zukünftig stärker auf das relative Alter der Kinder achten und auch mehr ihr Verhalten außerhalb der Schule für die Einschulungstests in Betracht ziehen.
Für ihre Studie hatten die Forscher Daten von 937.943 Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren ausgewertet und den gesundheitlichen Werdegang dieser Kinder über elf Jahre hinweg verfolgt. Alle Kinder wurden in der kanadischen Provinz British Columbia eingeschult, wo der Stichtag für die Einschulung am 31. Dezember liegt. Kinder, die kurz vor diesem Datum Geburtstag haben, dürfen im Folgejahr in die erste Klasse gehen; Kinder, die erst Anfang Januar geboren sind, müssen ein Jahr warten. In Deutschland ist der Stichtag je nach Bundesland verschieden, liegt aber bei den meisten im Sommer. Der Effekt des relativen Alters auf die ADHS-Diagnosen sei in der gesamten Studienzeit und bei Kindern aller untersuchten Altersklassen zu beobachten gewesen, sagen die Forscher. Immer seien die im Dezember geborenen Kinder stärker betroffen gewesen als die im Januar geborenen und daher später eingeschulten Kinder. Das gelte sowohl für Mädchen als auch für Jungen, obwohl Jungen insgesamt bis zu dreimal häufiger mit der Aufmerksamkeitsstörung diagnostiziert und entsprechend behandelt werden.
Warum Jungen stärker betroffen sind, ist noch nicht eindeutig geklärt. Vermutungen nach könnte dies aber an der leicht unterschiedlichen Ausprägung der Symptome bei beiden Geschlechtern liegen: Jungen mit ADHS werden oft durch Hyperaktivität und impulsives Verhalten auffällig, bei Mädchen äußert sich die Aufmerksamkeitsstörung häufiger durch Verträumtheit und Unkonzentriertheit – und wird daher möglicherweise seltener erkannt“
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15. März 2012
von Tom Levold
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Die Einführungen in systemische Theorie- und Praxisfelder sind eine der erfolgreichten Reihen im Carl-Auer Verlag Heidelberg. Fritz B. Simon ist nicht nur Verleger, sondern gleichzeitig auch einer der produktivsten und erfolgreichsten Autoren seines Hauses und hat in dieser Reihe schon Einführungen in die systemische Organisationstheorie, systemische Wirtschaftstheorie, die Systemtheorie des Konflikts und eine Einführung in Systemtheorie und Konstruktivismus vorgelegt. In diesem Jahr erscheint seine Einführung in die Theorie des Familienunternehmens, ein Feld, dessen systemtheoretische Bearbeitung er als (Gründungs-)Professor für Führung und Organisation am Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke maßgeblich mitentwickelt hat. systemagazin bringt als Leseprobe das Kapitel 5„Das Unternehmen“.
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14. März 2012
von Tom Levold
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Ross Ashby war ein britischer Psychiater, Neurowissenschaftler und Mathematiker und neben Grey Walter, Gregory Bateson, Gordon Pask und Stafford Beer einer der bedeutenden Vertreter der Kybernetik auf der britischen Insel (Foto: wikipedia.de). Eine Zeit lang arbeitete er auf Einladung von Heinz von Foerster an dessen Biological Computer Laboratory am Department of Electrical Engineering an der University of Illinois, an dem viele Konzepte entwickelt worden sind, die die systemische Theorie und die Kybernetik vorangebracht haben. Heinz von Foerster hat auch gemeinsam mit G.W. Zopf 1962 den Band„Principles of Self-Organization: Transactions of the University of Illinois Symposium“ (Pergamon Press: London, UK, S. 255-278) herausgegeben, in dem der Aufsatz Ashbys mit dem Titel„Principles of the self-organizing system“ erschienen ist. Dieser Artikel ist längst ein Klassiker der kybernetischen Literatur geworden, die Zeitschrift E:CO hat ihn 2004 noch einmal neu veröffentlicht, er ist auch online zu lesen,
und zwar hier