systemagazin

Online-Journal für systemische Entwicklungen

4. Juni 2012
von Tom Levold
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Systemische Familientherapie bei schulverweigerndem Verhalten

2003 haben Jochen Schweitzer und Matthias Ochs in der Zeitschrift„Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie“ einen Artikel über systemische Familientherapie bei schulverweigerndem Verhalten veröffentlicht, der jetzt auch unter Open Access im Internet zu lesen ist: „Der Beitrag beleuchtet systemisch-familientherapeutische Implikationen einer Differentialdiagnostik schulverweigernden Verhaltens. Es werden systemische Therapieelemente, die sich in der Behandlung von Schulangst/Schulphobie bewährt haben, und verschiedene Familieninteraktionstypen, in denen schulverweigerndes Verhalten auftritt, vorgestellt. Abschließend werden zwei Kasuistiken systemischer Familientherapie bei Schulphobie/Schulangst präsentiert“
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1. Juni 2012
von Tom Levold
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„Übergänge“

Ein Blick über den Zaun: Die 2. Psychotherapeutische Herbsttagung des ZSP der Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel fand am 8. September 2011 zum Thema »Übergänge« statt und wird im aktuellen Heft von„Psychotherapie & Sozialwissenschaft“ dokumentiert. Die verschiedenen Beiträge reflektierten aus psychoanalytischer Perspektive„Veränderungen und Konstanz in gesellschaftlichen, entwicklungspsychologischen und psychotherapeutischen Prozessen“, wie es im Editorial von Daniel Sollberger heißt. Ein wichtiger Bezugspunkt dabei ist u.a. die Frage, wie sich die Wandlungsprozesse der Spätmoderne auf die Entwicklung individueller Identität auswirken und ob sie mit entsprechenden psychischen Strukturveränderungen einhergehen. Dabei ist eine große Spanne unterschiedlicher Positionen zu erkennen. Martin Dornes postuliert einen solchen Strukturwandel der Persönlichkeit zur„postheroischen Persönlichkeit“, der mit dem sozialen Strukturwandel einhergeht, und den er, wenngleich dieser durchaus ambivalent sei, da er zu größerer intrapsychischer Freiheit, aber auch zu größerer Verletzlichkeit führe, positiv bewertet. Im Unterschied zu früher werde das Es„als weniger triebhaft erlebt, das Überich als weniger triebfeindlich und rigide, das Ich wird flexibler und kreativer“. Die explizite Gegenposition hierzu nimmt Christa Rohde-Dachser in ihrem Beitrag ein, die sich nicht vom„dem Menschen strukturell eingeschriebenen“ Ödipus-Konflikt lösen möchte:„Was wird unter den von Dornes beschriebenen Veränderungen aus den ödipalen Konflikten, die auch heute noch jedes Kind im Rahmen seiner Subjektwerdung durchlaufen muss (!)?“ Als empirisches Material für die Untersuchung psychischer Grundkonflikte unter den Bedingungen der Postmoderne zieht Rohde-Dachser nun keine Studien über die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen heran, sondern:„eine zeitgenössische Aufführung von Molières‘ Stück ‚Don Juan’“. Darüber hinaus stützt sie sich bei ihrer Einschätzung der„Phantasmen (…), von denen sich Menschen heute bei der Suche nach der Erfüllung ihres Begehrens leiten lassen“,„vor allem auf Freud (1900) und auf Lacan (1960)“, also zwei ausgewiesenen Spezialisten für postmoderne Lebensverhältnisse.Das liest sich dann so:„Die Sprache (…) unterwirft (das Kind) dem Gesetz des symbolischen Vaters, der das unbeschränkte Genießen der Mutter verbietet“. Nun ja. Kann man so noch im Jahre 2012 reden? Immerhin ist Rohde-Dachser ja auch noch Soziologin. Die Gesellschaft erscheint in ihrem Text aber nur noch als Bedrohung – Chancen und Möglichkeiten des gesellschaftlichen Strukturwandels, gerade auch mit der Entwicklung neuer Kommunikationsformen, tauchen hier gar nicht auf.
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31. Mai 2012
von Tom Levold
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Heinz Kersting würde heute 75!

Heute vor 75 Jahren kam Heinz Kersting in Aachen zur Welt. Nach einem Studium der Philosophie in Frankfurt (1958–1960) und der katholischen Theologie in Frankfurt, Bonn und Innsbruck (1961–1964) machte er eine Ausbildungen in Social Group Work (1989–1970) und in Supervision, studierte Sozio-Linguistik, Erziehungswissenschaft und Soziologie an der RWTH-Aachen und promovierte in Erziehungswissenschaften bei Horst Sitta und Louis Lowy über die Kommunikationstheorie der Palo-Alto-Schule. Seit 1970 arbeitete er als Hochschullehrer, ab 1981 als Professor für Didaktik und Methodik der Sozialen Arbeit an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. 1985 gründete er das Instituts für Beratung und Supervision (IBS) in Aachen und leitete es als Wissenschaftlicher Direktor ebenso wie den Wissenschaftlichen Verlages des IBS. Er gehört zu den Wegbereitern der systemischen Supervision in Deutschland und war Mitbegründer und Gründungsvorsitzender (1989–1991) der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSv), später deren Ehrenvorsitzender. Als Mitglied der Systemischen Gesellschaft arbeitete er im Supervisionsausschuss der SG mit, dessen Vorsitzender er zeitweise war. In seinem wissenschaftlichen Verlag sind zahlreiche Bücher zur systemischen Supervision und Gruppenarbeit erschienen. Der Volltext des Bandes„Irritation als Plan – Konstruktivistische Einredungen“, den er gemeinsam mit Theodor M. Bardmann, Hans-Christoph Vogel und Bernd Woltmann 1991 veröffentlichte, ist auf der ibs-website nachzulesen:„Heinz Kersting befasst sich im letzten Teil dieses Bandes in seinem Beitrag„Intervention – die Störung unbrauchbarer Wirklichkeiten“, mit Vorgehensweisen, deren sich Planer und Berater bedienen können, um psychische oder soziale Systeme in ihrer Autopoiese unbrauchbarer Wirklichkeiten zu stören. Selbstreferentiell arbeitende Systeme lassen sich durch Interventionen nicht instruktiv verändern, sondern allenfalls in ihrer Wirklichkeitskonstruktion irritieren. Der konstruktivistische Interventionist greift dazu gerne die Geschichten seiner Ratsuchenden auf, hört sie auf seine Art (selbstbezüglich) an und konfrontiert diese mit seiner veränderten Version der„alten“ Geschichte. Er beobachtet und beschreibt, was sein Gegenüber mit dieser Geschichte macht: das ist die Geschichte, die sich der Berater selbst schreiben muss und die er dann„Intervention“ nennt“
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30. Mai 2012
von Tom Levold
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Martin Kirschenbaum (1928-2012)

Von Alexander Korittko erreichte uns folgende Nachricht:„Am 23.5.2012 verstarb Prof. Dr. Martin Kirschenbaum in Orinda, Californien, im Alter von 83 Jahren. Martin Kirschenbaum war einer der ersten Familientherapie-Ausbilder im deutschsprachigen Raum. Er war ein Schüler Virginia Satirs und entwickelte die Systemisch-Integrative Paar- und Familientherapie. Er war Gründer und Leiter der California Graduate School in San Rafael, California. Zwischen 1975 und 2004 leitete er, zunächst zusammen mit Dr. Carole Gammer und Dr. George Downing, Weiterbildungsgänge in München, Berlin, Hamburg, Wiesbaden und in der Schweiz. In den letzten Jahren unterrichtete er zusammen mit seiner Frau Dr. Inger Kirschenbaum. Alle, die Martin Kirschenbaum kennen lernen durften, werden seinen kreativen, warmherzigen und authentischen Stil in Therapie-Sitzungen und seine humorvolle und zugewandte Art in persönlichen Begegnungen gerne in Erinnerung behalten“. Die undogmatische Art von Martin Kirschenbaum kommt auch in einem sehr schönen Gespräch zum Ausdruck, das er 1993 mit Angelika Faas und Thomas Krauß für das„Journal für Psychologie“ führte.
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29. Mai 2012
von Tom Levold
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Die Wirkung der Sozialen Arbeit

Heiko Kleve, Professor für Soziologische und sozialpsychologische Grundlagen sowie Fachwissenschaft der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Potsdam, hat mit seinem Kollegen Frank Früchtel (Foto: FH Potsdam), an der FH für die Lehre von Ethik, Theorie und Methoden der Sozialen Arbeit zuständig, ein Gespräch über die Wirkfaktoren erfolgreicher Sozialer Arbeit gesprochen. Das Gespräch ist im Sozialmagazin 1/2011 erschienen und nun auch online zugänglich. In der Einleitung heißt es:„Wirkung ist seit geraumer Zeit Thema sozialarbeiterischer Reflexionen. Immer nachdrücklicher wird gefragt und aufwendig gemessen, ob und wie „nachhaltig“ Interventionen wirken. Dazu gibt es inzwischen groß angelegte Forschungsprojekte (z.B. www.wirkungsorientierte-jugendhilfe.de). Aber wie können wir uns das Konstrukt „Wirkung“ in der Praxis, die von hoher Komplexität gekennzeichnet ist, überhaupt vorstellen? Das ist die Frage unseres Beitrages, dessen Dialogform unseren Thesen entspricht, verstehen wir doch Wirksamkeit als etwas evolutionär Dialogisches – als etwas, das nicht einseitig und technologisch, sondern nur durch kommunikative Wechselwirkungen und gekonnte Variationen vollbracht werden kann“
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28. Mai 2012
von Tom Levold
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Erfasse komplex, Handle einfach!

Als Jürgen Kriz kürzlich auf dem Heidelberger Kongress„Wie kommt Neues in die Welt?“ äußerte, dass das in diesem Frühling bei V&R erschienene Buch des Schweizer Systemtherapeuten Martin Rufer„Erfasse komplex, handle einfach. Systemische Psychotherapie als Praxis der Selbstorganisation“ zu den besten Büchern gehöre, die er seit langem gelesen habe, waren die 60 Exemplare, die am Kongressbüchertisch vorrätig waren, schnell vergriffen. In der Tat bietet dieses Buch etwas, das in der Systemischen Therapie nur wenig vorkommt, nämlich eine Kasuistik, die sich nicht in kurzen Fallvignetten oder in der Darstellung toller Interventionen erschöpft, sondern theoriegestützt das therapeutische Handeln im therapeutischen Prozess rekonstruiert. Nachdem bereits ein Vorabdruck im systemagazin erschienen ist, folgt nun eine Rezension von Andreas Manteufel. Auch er ist voll des Lobes:„Das ist ähnlich der wöchentlichen Taktik-Exegese im „ZDF-Sportstudio“, der sogenannten „3-D-Analyse“. Hierbei werden in Filmausschnitten von Fußball-Bundesliga-Begegnungen wie durch Zauberhand Ball und Spieler über den Bildschirm geschoben, verpasste Laufwege und Zuspiele simuliert und ständig der Blickwinkel des Zuschauers verändert, um zu beweisen, was die eine Mannschaft und ihr Trainer richtig, die anderen falsch gemacht haben. Auch hier gilt: Wenn man weiß, wie die Spielszene und das ganze Spiel ausgegangen sind, fällt es leicht, alles als richtig, oder eben auch als falsch zu bewerten. Dass die Dinge immer auch anders hätten laufen können, auch das ist ein vielbeschworener Gedanke, der im systemischen Diskurs als „Kontingenz“ behandelt wird. So bescheiden und differenziert, wie Rufer schreibt, kommt allerdings nie der Verdacht auf, er wolle uns irgendetwas als „beste“ oder „notwendige“ therapeutische Praxis verkaufen“
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26. Mai 2012
von Tom Levold
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Michael Wirsching wird heute 65!

Heute feiert Michael Wirsching, der am 26.05.1947 in Berlin zur Welt kam,  seinen 65. Geburtstag. Sein Studium der Medizin führte ihn nach Heidelberg, wo er nach Helm Stierlins Rückkehr aus den USA 1974 dessen erster Assistent und bald Oberarzt wurde. Gemeinsam mit Gunthard Weber, der als Assistent dazustieß, organisierte Michael Wirsching erste Weiterbildungen mit der Mailänder Gruppe und trug wie die gesamte in dieser Zeit entstehende„Heidelberger Gruppe“ maßgeblich zur Verbreitung der Familientherapie in Deutschland bei. Parallel absolvierte er eine Ausbildung als Psychoanalytiker, blieb der systemischen Entwicklung aber immer verbunden. Nach einem Zwischenspiel an der Universität Gießen übernahm Michael Wirsching 1986 nach der Emeritierung von Johannes Cremerius dessen Lehrstuhl und ist seitdem Leiter der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapapeutische Medizin des Universitätsklinikums Freiburg. Aus der ersten Generation der Familientherapeuten und Systemiker in Deutschland ist er damit der Einzige, der überhaupt eine C4-Professur erhalten hat. In Freiburg war er 1992 Mitbegründer des Freiburger Familientherapeutischen Arbeitskreises FFAK, der seitdem Ausbildung in systemischer Therapie anbietet und im Herbst 2012 die Jahrestagung der DGSF ausrichten wird. Neben den zahlreichen Weiterbildungsaktivitäten im In- und Ausland engagierte er sich von Anfang an in der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Familientherapie, von 1988 bis 1999 auch im Vorstand, davon die ersten fünf Jahre als erster Vorsitzender. systemagazin gratuliert ganz herzlich zum 65. Geburtstag und wünscht noch viele erfüllte Schaffensjahre!

25. Mai 2012
von Tom Levold
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Bewältigungsstrategien einer Holocaust-Familie

Revital Ludewig-Kedmi (Foto: www.tamach.org) ist Psychologin und Familientherapeutin, die ihre Ausbildung in Deutschland gemacht hat, aber schon seit langem in der Schweiz lebt und arbeitet. Sie ist vor allem durch ihre Forschung mit Holocaust-Überlebenden und deren Kindern bekannt geworden und gehört zu den Mitbegründerinnen der Psychosozialen Beratungsstelle für Holocaust-Überlebende und ihre Angehörigen„Tamach“ in der Schweiz. Zu den vielen lesenswerten Veröffentlichungen gehört auch ein Artikel„Bewältigungsstrategien einer Holocaust-Familie“, den sie 1997 in systhema veröffentlicht hat, und in dem es um die unterschiedlichen sowie die gemeinsamen Bewältigungsmöglichkeiten traumatischer Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden und ihren Partnern und Kindern geht. Als Vorteil des systemischen Ansatzes für die therapeutische Arbeit mit Holocaust-Familien sieht sie dabei„die Berücksichtigung des Gesamtsystems sowie der Komplexität von Phänomenen. Im Zentrum des systemischen Ansatzes steht die Ablehnung des linear-kausalen Denkens. D.h. die traumatischen Holocaust-Erfahrungen führen nicht zu einer einzigen möglichen psychischen Reaktion („Überlebenden-Syndrom“). Vielmehr existiert eine Vielfalt von individuellen und familiären Reaktionen, die sich wechselseitig beeinflussen. Das Individuum als ein Teil des Gesamtsystems wird vom System beeinflusst und beeinflusst das System selbst. Ich gehe davon aus, dass die individuellen Bewältigungsstrategien der Familienmitglieder aus der ersten und zweiten Generation das gesamte Familienleben beeinflussen. Umgekehrt beeinflusst auch die Familiendynamik die individuellen Bewältigungsstrategien der einzelnen Familienmitglieder hinsichtlich der Shoah. Um diese vielfältigen Bewältigungsstrategien und Ressourcen erfassen zu können, soll man den Überlebenden Raum geben, um ihre Lebensgeschichte – vor, während und nach der Verfolgungszeit – zu erzählen, anstatt sich ausschließlich auf die Symptome zu konzentrieren“
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24. Mai 2012
von Tom Levold
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Roman Polanski: A Therapy