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Online-Journal für systemische Entwicklungen

„Systemisch“ ist nicht systemisch – „Systemischer“ ist systemischer

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Elisabeth Ferrari (2.6.1955-2.2.2019) aus Aachen war Mathematikerin und Ökonomin. Sie arbeitete sie als systemische Unternehmensberaterin – ihr systemisches Werkzeug entstand in Kooperation mit Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer am Syst-Institut in München. Von 2012 bis zu ihrem Tod 2019 gab sie eine eigene Zeitschrift heraus: SyStemischer – Die Zeitschrift für systemische Strukturaufstellungen. Den sehr bedenkenswerten programmatischen Einleitungsartikel von Matthias Varga von Kibéd aus Heft 1 (2012) dieser Zeitschrift hat sie systemagazin zur Veröffentlichung überlassen. In ihm heißt es:

„Falls man ,systemisch’ für etwas Nützliches, Gutes hält, kann es leicht passieren, dass man sich fragt, ob etwas noch oder schon ,systemisch’ ist oder eher nicht. Hat z. B. Virginia Satir schon systemisch gedacht? Nun, in meiner Sichtweise hat Virginia Satir ungeheuer viel zum systemischen Denken beigetragen; trotzdem kann man nicht sagen, sie sei Teil der Bewegung, die man heute als systemische Therapie bezeichnet. Auch die Schule von Palo Alto hatte zahlreiche Einflüsse auf das, was m. E. wichtig war für die Entwicklung der systemischen Theorie und des systemischen Denkens. Trotzdem war sie nicht im engeren Sinne eine Schule der systemischen Therapie und Beratung.

Wenn wir, d.h. Insa Sparrer und ich, bei SySt ® das Wort ,systemisch’ verwenden, möchten wir eine Kennzeichnung im oben beschriebenen Sinn – ,das ist systemisch und jenes nicht’ – vermeiden. Eine solche Fragestellung machte aus dem Begriff ,systemisch’ ein seltsames absolutes Prädikat.

Uns interessiert vielmehr, worin ein Fortschritt in dem besteht, was systemisch genannt wird – dieses erscheint uns wichtiger als die Frage, was systemisch ist. Darum haben wir eine Definition nicht des Begriffs ,systemisch’, sondern des Begriffs SYSTEMISCHER entwickelt, die nicht davon abhängt, dass wir den Begriff ,systemisch’ verstehen. D. h. wir definieren den Komparativ, ohne den Positiv definiert zu haben. Normalerweise hat man die Vorstellung, man müsste den Positiv schon haben; also etwa einen Begriff von blau haben, um dann überhaupt einen Begriff von hell- oder dunkelblau bilden zu können. Inspiriert zu der anderen Sichtweise hat uns der Satz von Steve de Shazer: „Wir können verstehen, was besser heißt, ohne zu wissen, was gut heißt.“ Dieser Satz hat für mich die Qualitäten eines Koans: Ich habe immer wieder darüber nachgedacht; gemeint, ihn verstanden zu haben; gemerkt, dass ich ihn nicht verstanden habe, und das wiederholte sich so drei Jahrzehnte lang, und in dieser Zeit habe ich ziemlich viel über und durch diesen Satz gelernt.“

Zum vollständigen Text geht es hier…

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