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Dazu fällt mit eine Geschichte ein

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Bernhard Trenkle: Dazu fällt mir eine Geschichte ein

Bernhard Trenkle:
Dazu fällt mir eine Geschichte ein

Der Titel „Dazu fällt mir eine Geschichte ein“ ist ein Slogan, der bestens zum Hypnotherapeuten und Geschichten- (und Witze-)sammler Bernhard Trenkle passt. Sein gleichnamiges Buch mit dem Untertitel „Direkt-indirekte Botschaften für Therapie, Beratung und über den Gartenzaun“ (!) ist 2012 im Carl-Auer-Verlag erschienen und erscheint nun in einer zweiten Auflage, mit einem Vorwort von Manfred Lütz versehen. Er schreibt: „Das Besondere an diesen Geschichten ist, dass sie nicht nur bewusst verarbeitet werden, sondern dass der Zuhörer daneben unbewusst diejenigen Informationen herausfiltert, die für ihn im Augenblick relevant sind. Schon kleine, kurze, unscheinbare Anekdoten können auf diese Weise durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit in der bedeutsamen therapeutischen oder beraterischen Situation für die Problemlösung wichtige Suchprozesse auslösen. Gute Geschichten können die Perspektive verändern, Klienten sehen ihre Situation aus einem neuen, manchmal humorvollen Blickwinkel. Wenn sie vielleicht sogar erstmals über sich selber schmunzeln oder gar lachen können, kann das neue Ideen zur Veränderung freisetzen.“ Peter Stimpfle hat das Buch für systemagazin gelesen und rezensiert:

Peter Stimpfle, Eichstätt:

Schon beim ersten Lesen des Buchtitels musste ich schmunzeln, denn wenn es jemand gibt, dem wozu auch immer eine Geschichte einfällt, wer könnte das wohl sein? Sicherlich Bernhard Trenkle, der durch viele Veröffentlichungen in diesem Bereich Profil gezeigt hat. Nun legt er in diesem Buch weitere Denkanstöße, Ratschläge oder Suggestionen wirksam „verpackt“ in Geschichten vor, ganz in der Tradition Milton Ericksons der Therapie etwas distanziert vom Problem aus konzipierte und daher eher zu indirekten Interventionsformen griff.  Ganz in diesem Sinne verwendet er persönlich „gefundene“ selbst erlebte Geschichten, die er 8 Grundregeln folgend erzählt. 1. Die Fleischerregel: die Geschichte sollte „gut abgehangen“ sein, also zeitlich lange zurückliegen. 2. Die Geschichten müssen eine klare, zielorientierte Botschaft haben. 3. Den Unterschied zwischen Großstadt und Kleindorf berücksichtigen (Kontext). 4. Angehörige um Erlaubnis fragen (wenn man deren Geschichten erzählt, etwa der Ehefrau oder der Kinder). 5. Bei ungutem, unstimmigem Gefühl – Geschichten einfach abbrechen. 6. Geschichten einmal verändern – Geschehen an einen anderen Ort bzw. in eine andere Zeit verlegen. 7. Kontraindikationen und der Umgang damit: etwa wenn diese als Beziehungsangebot verstanden werden, Unterscheidung zwischen Therapie und Privat. 8. Klienten zum Schweigen verpflichten oder: Geschichten mit Depotwirkung. 9. Das Erzählen von selbst erlebten Geschichten muss zum Therapeuten passen. Diese Regeln eignen sich für als gute Heuristiken, um selbst Geschichten erfinderisch zu werden. Im Weiteren nimmt sich Trenkle der Felder Paartherapie, Paarberatung, Erziehungsprobleme, Schul- und Verhaltensprobleme, Familienprobleme, persönliche Krisen und Entwicklung, Definition von Lebens- und Therapiezielen, Coaching, berufliche Probleme, Burn-out, internationaler und interkultureller Einsatz, Teamprobleme, Teamentwicklung bis hin zu Verschiedenes (wie Hochzeitsrede, Hochwasser, Krebs, immer erreichbar, Erbstreitereien, Wissenschaftsstars, … ). Die Geschichten sind anhand von Fallbeispielen illustriert und in Art einer Beratungssituation dargestellt, was die Anwendbarkeit und Lesbarkeit erleichtert. Systemisch-hypnotherapeutische Arbeitsweisen werden auf diese Weise sehr anschaulich und lebendig beschrieben, was man von mancher wissenschaftlichen Abhandlung nicht behaupten kann. Das Buch regt zum Nachahmen an und gibt für den Praktiker sehr viele hilfreiche Anregungen. Ein guter Autor unterlässt es dabei dankenswerterweise nicht, auch an den Rezensenten zu denken, nämlich die Sorge dass rezensiert wird, dass „alles schon mal geschrieben worden [sei], aber noch nicht von jedem“. Ich gebe zu, dass ich manches in diesem interessanten Buch schon vorher gelesen hatte, allerdings noch nicht so. Zum Thema „Dazu fällt mir keine Geschichte ein“ (wie das Buch ursprünglich heien sollte) wurde leider nicht abschließend in dem Buch behandelt, was wirklich schade ist. Vielleicht hätte man da ein paar Seiten leerlassen sollen? Aber ob Verlage sowas mitmachen? Leere Seiten … Insgesamt: sehr empfehlenswert, unbedingt lesen!

links

 

Das Vorwort, die Einleitung und noch etwas Text als Leseprobe

Das ausführliche Inhaltsverzeichnis

info

 

Bernhard Trenkle

Dazu fällt mir eine Geschichte ein. Direkt-indirekte Botschaften für Therapie, Beratung und über den Gartenzaun

167 Seiten, Kt, 2. Aufl. 2014
Preis:  21,95 €
ISBN 978-3-89670-774-1

Verlagsinformation:

Denkanstöße, Ratschläge oder Suggestionen, die in eine Geschichte verpackt sind, entfalten oftmals eine „Depotwirkung“, die um ein Vielfaches stärker ist als jede direkte Intervention. Bernhard Trenkle steht mit seinen Erzählungen von gefundenen und persönlich erlebten Geschichten in dieser Tradition der indirekten Interventionen von Milton H. Erickson. Eingebettet in kurze Fallvignetten aus Therapie, Coaching und Supervision, werden die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten rasch deutlich. Neun Grundregeln für das Erzählen von persönlichen Geschichten ebnen den Zugang zu dieser Beratungsform. Hilfestellungen, wie einem im richtigen Moment die passende Geschichte einfällt, erleichtern die Umsetzung im Praxisalltag. Über den fachlichen Nutzen hinaus hat dieses Buch mit seinen mal witzigen, mal ergreifenden, oft überraschenden Geschichten einen hohen Unterhaltungswert und gibt Einblick in die Schatzkiste eines der erfahrensten und international bekanntesten Hypnotherapeuten.

Über den Autor:

Bernhard Trenkle, Dipl.-Psych., Dipl.-Wi.-Ing.; Psychologischer Psychotherapeut und Lehrtherapeut mit eigener Praxis in Rottweil; 1984–2003 Vorstandsmitglied der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose (M. E. G.); Gründungsherausgeber des M.E.G.a.Phon (1984–1998). 1999 Lifetime Achievement Award der Milton Erickson Foundation, USA; Mitglied im Vorstand der International Society of Hypnosis (ISH) und der Milton Erickson Foundation, Phoenix, USA. 2012 bekam er den Milton-Erickson-Preis der M.E.G. und den Pierre Janet Award for Clinical Excellence der International Society of Hypnosis (ISH). Veröffentlichungen u. a.: Das Ha-Handbuch der Psychotherapie (9., unveränd. Aufl. 2013), Das Aha!-Handbuch der Aphorismen und Sprüche für Therapie, Beratung und Hängematte (4. Aufl. 2012), Die Löwen-Geschichte (6., unveränd. Aufl. 2013).

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