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Systemtheorie und rekonstruktive Sozialforschung

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“Mit wenigen Ausnahmen hat sich die soziologische Systemtheorie bisher nur wenig mit den methodologischen Fragen der rekonstruktiven Sozialforschung auseinander gesetzt. Die Leitunterscheidung zwischen Theorie und Empirie scheint hier eine unsichtbare Grenzlinie zu ziehen, die habituell nur schwer zu überbrücken ist. Auf der einen Seite begibt sich der Systemtheoretiker nicht gerne in die Niederungen der Probleme der Dateninterpretation, und auf der anderen Seite vermeidet es der qualitative Forscher unter der Last seiner Forschungspraxis, sich mit theoretischen Modellen zu beschäftigen, die eine andere Theoriesprache verwenden als die mehr oder weniger bewährten Traditionen. Sowohl die Systemtheorie als auch die rekonstruktive Sozialforschung haben mittlerweile ihre Kinderkrankheiten überwunden und haben schon längst begonnen, sich in der sozialwissenschaftlichen Forschungslandschaft zu institutionalisieren. Im Folgenden möchten wir versuchen, zwischen bei den eine Brücke zu bauen, die jeweils auf beiden Seiten Neues sehen lässt“ So beginnt das erste Kapitel in Werner Vogds spannendem Buch über„Systemtheorie und rekonstruktive Sozialforschung”, dem er den Untertitel„eine empirische Versöhnung unterschiedlicher theoretischer Perspektiven” beigegeben hat. Und diese Perspektiven umfassen so verschiedene Konzepte wie die Rahmentheorie Goffmans, das Habitus-Konzept Bourdieus, die Theorie expressiver Vernunft Robert Brandoms u.a., vor allem aber die Arbeiten von Ralf Bohnsack, dessen„Dokumentarische Methode” Vogd für ein Schlüsselkonzept hält, das die angestrebte Versöhnung voranbringen könnte. Auch wenn Rezensent Andreas Eickhorst konstatiert, dass das Buch ohne Vorkenntnisse des bearbeiteten Feldes nicht leicht zu lesen ist, ist es doch für jeden theorieinteressierten Leser, der nach der Praxisrelevanz von Systemtheorie fragt, von allerhöchstem Interesse. Vogd hat lange an der FU in Berlin gearbeitet, wo er sich auch mit einer Arbeit über ärztliche Entscheidungsfindung im Krankenhaus habilitiert hat, deren Ergebnisse auch als empirische Basis in das vorliegende Buch eingeflossen sind. Erschienen ist es schon 2005 im Verlag Barbara Budrich, zur Zeit ist es leider nur als e-book erhältlich, eine Neuauflage der Print-Version wäre unbedingt wünschenswert.
Zur ausführlichen Rezension geht es hier …

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