Wie ein Beitrag des französisch-amerikanischen Soziologen Loïc Wacquant im online-Magazin Telepolis auf eindrucksvoll-bedrückende Weise deutlich macht, vollzieht sich in den USA eine Hyperinflation der Gefängnisse mit einer Vervierfachung der Gefängnispopulation im Laufe von 25 Jahren. Mit 740 Häftlingen pro 100.000 Einwohner und sechs- bis zwölfmal so viel wie in allen anderen Industrieländern nehmen die USA den unangefochtenen Spitzenplatz bei Inhaftierungen ein.
Insgesamt sind heute 6,5 Millionen (meist schwarze) Amerikaner unter Aufsicht der Strafjustiz. Während im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich systematisch gekürzt wird, ist der Strafvollzug zum drittgrößten Arbeitgeber der Nation avanciert, die Justiz wird zur entscheidenden Größe bei der Bekämpfung der Armutsproblematik. Davon profitiert eine immer stärker werdende private Gefängnisindustrie, die nun auch international aggressiv expandiert.
Da das System teuer ist, wird zunehmend versucht, die finanziellen Lasten des Strafvollzuges auf die Häftlinge und ihre Familien abzuwälzen, einschließlich der gerichtlichen Eintreibung der Schulden, die die Häftlinge bei ihrem unfreiwilligen Aufenthalt hinter Gittern angehäuft haben. Der Beitrag ist ein Kapitel aus dem Buch von Loïc Wacquant: Das Janusgesicht des Ghettos und andere Essays, das als Band 134 der Reihe Bauwelt Fundamente im Birkhäuser Verlag erschienen ist. Loïc Wacquant ist Professor für Soziologie am Institute for Legal Research der University of California at Berkeley.
5. August 2006
von Tom Levold
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Ludwig Reiter (im Bild links) und Egbert Steiner haben vor ziemlich genau 10 Jahren einen systemtheoretisch fundierten Text über das Verhältnis von Psychotherapie und Wissenschaft geschrieben, der nach wie vor seine Gültigkeit hat und als Schlüsseltext zum Thema bezeichnet werden kann.
er gehört neben den Arbeiten von Michael B. Buchholz (z.B.„Psychotherapie als Profession“) zum besten, was man im deutschsprachigen Bereich dazu lesen kann. systemagazin freut sich, den Beitrag dieser beiden Autoren, die im Übrigen auch viele andere hervorragende Beiträge zur Entwicklung systemischer Theorie und Praxis geleistet haben, in der Systemischen Bibliothek erneut einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen zu können und begrüßt zudem beide als neue Autoren im systemagazin.