
„Ich weiß.“
Als mich der Aufruf zum diesjährigen systemagazin-Adventskalender erreichte, erinnerte ich mich spontan an einen Cartoon, den ich irgendwann in den 90ern – ich ging noch zur Schule – irgendwo gesehen hatte. Wie diese Zeichnung damals wirklich aussah? Ich war mir jahrzehntelang sicher, dass sie einen knappen Dialog zwischen einem weißhäutigen Missionar oder Forscher und einem dunkelhäutigen Ureinwohner darstellte. Meine Erinnerung ist allerdings so verlässlich, wie Wirklichkeit eben sein kann, wenn sie sich über eine sehr lange Zeit narrativ oder gedanklich weiterentwickelt hat. Mir ist durchaus bewusst, dass ich mich beim Erinnern irre, das ist okay. Trotzdem wollte ich wissen, wie der Cartoon „wirklich“ aussieht und suchte im Netz. Gefunden habe ich nur eine Zeichnung (von Brösel), die mir völlig fremd vorkam. Irritation pur. Also tat ich, was man heute tut: Ich fragte die KI. Sie erzeugte mir ein Bild, das meiner Erinnerung deutlich näherkam. Dass sie den Missionar durch einen „Schlipsträger“ ersetzte, gefiel mir schließlich sogar noch besser, weil es den kulturellen Unterschied noch deutlicher markiert.
Jedenfalls geht es in dem Comic ungefähr so zu: Der weiße (in meinen Augen!) Mann! – Schublade, zack! – zeigt auf den dunkelhäutigen, kulturell anders sozialisierten Mann! und sagt knapp:
„Du schwarz.“
(Und hier wird es schon ein bisschen interessant, denn eine solch merkwürdige Satzstellung taucht nämlich gern dann auf, wenn wir glauben, unser Gegenüber könne unsere Sprache nicht verstehen. Dann sprechen wir plötzlich selbst, als hätten wir sie gerade erst gelernt – eine Art gut gemeinte, aber unbeholfen anmutende „Tarzansprache“, weil wir eventuell annehmen, dass weniger Grammatik mehr Verständlichkeit bringt?)
Der dunkelhäutige Mann in meinem rekonstruierten bzw. neu erfundenen Comic reagiert herrlich unbeeindruckt und freundlich mit einem Satzbau in perfektem Deutsch:
„Ich weiß.“
Diesen Antwortsatz fand ich schon damals köstlich. Nur zwei Worte – und eine ganze Welt von Bedeutungen geht auf. Mehrfachbedeutungen sind es ja oft, die den Witz zum Witz machen.
Weiterlesen →














