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Von Klienten zu lernen heißt immer auch, ihnen wirklich zu begegnen und die eigenen professionellen Filter und Einstellungen kritisch zu betrachten. Sabine Klar aus Wien tut das mit einer besonderen Eindringlichkeit und Radikalität. Über die Schwierigkeiten, die das mit sich bringt, aber auch von der damit verbundenen Erleichterung handelt ihr Text für den heutigen Adventskalender:„Als ich einmal mit zwei wilden Kindern angeblich kluge und wichtige Dinge bereden sollte, kam ich mir auf meinem Sessel hockend, besonders peinlich vor und deshalb setzte ich mich wirklich auf den Boden, kroch mit ihnen herum, berührte sie, wenn mir danach war und wartete bis sie mir auf ihre Art etwas sagten. Mit den etwas erstaunten Eltern dieser Kinder redete ich von unten herauf, das fühlte sich für mich sicherer und echter an und brachte sie angesichts meiner Unbeweglichkeiten zum Lachen. Sie konnten sich anschließend mehr akzeptieren und ihre Kinder fragloser gern haben. Viele meiner KlientInnen haben mir in der letzten Zeit beigebracht, dass ich nicht wissender, klüger, gebildeter, geschickter, gesünder, weiser sein muss als ich halt bin, denn schließlich geht es in dem therapeutischen Geschehen ja gar nicht um mich“
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9. Dezember 2010
von Tom Levold
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war und dass die klassischen Lösungswege, wie wir sie in der Ausbildung erprobt hatten, nicht immer so reibungslos funktionierten. Trotzdem hatte ich den Anspruch, dass am Ende einer Supervision eine brauchbare und tragfähige Lösung stehen sollte. Und ich war immer wieder maßlos enttäuscht, wenn die Supervisandin oder der Supervisand zwar mehrere Lösungen gefunden hatte, aber keine verwirklichen wollte. Ich hatte dann das Gefühl, gescheitert zu sein, nicht professionell genug gearbeitet oder etwas übersehen zu haben: Habe ich die Supervisandin oder den Supervisanden nicht genügend unterstützt oder gar daran gehindert, die wirklich beste Lösung zu entwickeln?. Dass man von Klienten auch lernen kann, Vertrauen in ihre eigenen Lösungen zu entwickeln, zeigt seine Geschichte.
Wenn man also selbst nicht richtig versteht um was es geht, es aber doch um etwas so wichtiges zu gehen scheint, dass man eine Fortsetzung vereinbart? Dörte Foertsch berichtet von einer Arbeit mit einer Klientin, in der es um die Frage ging, ob man sich in Hinblick auf eine lebensverändernde Frage eine Gewissheit verschaffen oder lieber darauf verzichten solle – verbunden mit der eigenen Ungewissheit,ob man die Klientin verstehen könne oder nicht:„Die Frage, ob ich sie verstehen könne und die Möglichkeit, dass ich sie eventuell enttäuschen müsse, war dabei ständig im Raum. Das Nichtwissen über die Möglichkeit, hilfreich zu sein und etwas verstehen zu können, war Bestandteil der Gespräche geworden, entgegen aller Ideen, doch erstmal den Auftrag zu klären und ein Anliegen der Klientin herausfinden zu sollen. Im Nachhinein bedacht war dies vielleicht die Voraussetzung für das eigentliche Thema“ Das Offenhalten dieser Frage führte dazu, dass die Klientin eine Lösung für sich (er)fand, von der auch die Therapeutin etwas lernte.
Mit einem etwas pessimistischen Unterton beginnt Wolfgang Loth den Text zu seinem Adventskalendertürchen:„Früher (once upon a time…) war Advent einmal die dunkle Zeit, die Zeit der Erwartung, des Wartens auf Licht und Erleuchtung, womöglich Erlösung. Kalender, um das noch zu sagen, machen erst dann Sinn, wenn sie sich 
„Was ich in meiner Ausbildung immer gelernt hatte war, Vorsicht und nochmals Vorsicht. Ich hatte gelernt, wie bewusst mir mein Handeln sein sollte und welche Wagnisse wie wirken. Höre auf dich, lass dich ein, jeder Mensch ist anders. Gefühle sind eben etwas, was der Patient zwar mitbringt, womit 
