Das aktuelle Heft des Kontext ist dem Thema Qualitative Forschung gewidmet. Im Editorial heißt es: Mit dem thematischen Schwerpunkt unseres ersten Heftes im neuen Jahr fokussieren wir eine Forschungsrichtung, die üblicherweise mit der Bezeichnung »qualitativ« gefasst wird. Qualitative Forschung hat den Anspruch, die Sinnhaftigkeit sozialen Handelns und die Regeln sozialer Interaktionen in den Blick zu nehmen. Damit folgt qualitative Forschung einem Grundverständnis von sozialen Interaktionen und Handlungen, das mit systemischen Konzepten sehr gut in Einklang zu bringen ist. Auch systemisches Denken betont den Konstruktionscharakter, die Kontextbezogenheit und die interaktive Einbettung aller Handlungen. Betrachtet man systemische Zugänge in dieser Weise als interaktionsbezogen, reflexions- und kontextorientiert, dann ließe sich durchaus auch die Forderung begründen, dass systemische Forschung eigentlich »qualitativ« ausgerichtet sein müsste. Allerdings führen diese und ähnliche Forderungen in der Konsequenz eher in eine wenig hilfreiche Polarisierung, wie die langen und heftigen ideologischen Debatten zwischen Verfechtern von qualitativen und quantitativen Paradigmen zeigen. In neueren methodologischen Debatten heißt das Zauberwort daher »mixed methods«, mit dem sich der Anspruch verbindet, qualitative und quantitative Forschungszugänge klug und sinnvoll zu verbinden. Auch wenn sich dem versöhnlichen Grundton dieses Konzepts einiges abgewinnen lässt, orientieren sich die Beiträge in diesem Heft an einem ausschließlich qualitativen Forschungsverständnis. Werner Vogd, Sabine Kirschenhofer, Verena Kuttenreiter und Marc Weinhardt haben Beiträge zum Heft geliefert. Darüber hinaus gibt es neben Tagungsberichten und Rezensionen auch noch ein schönes Gespräch, das Petra Bauer und Marc Weinhardt mit Hans Jellouschek über dessen paartherapeutisches Konzept geführt haben.
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25. März 2014
von Tom Levold
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Am vergangenen Sonntag ist Jürg Willi 80 Jahre alt geworden, systemagazin gratuliert nachträglich sehr herzlich (Foto: juerg-willi.ch)! Als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie war er bis 1999 Direktor der Psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich und ordentlicher Professor für poliklinische Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Krankheiten an der Universität Zürich. Er begründete das Weiterbildungsinstitut für ökologisch-systemische Therapie, ebenfalls in Zürich. Ausgehend von einem psychoanalytischen Verständnis begann Willi in den 60er Jahren paartherapeutisch zu arbeiten, sein Buch„Die Zweierbeziehung“ ist zu einem Klassiker der Psychotherapie geworden. In den Folgejahren hat sich Jürg Willi aber immer weiter von der Psychoanalyse entfernt und systemischen Konzepten zugewandt, wobei für ihn die Frage der Ko-Evolution in Paarbeziehungen in den Vordergrund rückte. In der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. März 2014 ist ein ausführliches Interview aus Anlass seines 80. Geburtstages erschienen,