Seit einigen Monaten steht ein Text von Constanze Latussek über „Ergebnisse der Kontext-Umfrage” im öffentlichen Bereich der DGSF-Website, der den Eindruck nahelegt, dass es sich um einen Bericht der Kontext-AG handelt, die von der MV 2024 eingesetzt wurde. Dieser Text ist bedauerlicherweise eine in Teilen falsche und vor allem tendenziöse Darstellung, im systemagazin hatte ich schon ausführlich berichtet.
Aus diesem Grund hatte ich mit Andrea Goll-Kopka, Barbara Kuchler und Wolf Ritscher als Teilnehmer der Kontext-AG am 21.9. eine klärende Stellungnahme an den DGSF-Vorstand mit der Bitte geschickt, diese unter den vorhandenen Text zu setzen, damit das entstandene einseitige Bild korrigiert werden kann. Nach zweiwöchiger Pause und Nachhaken unsererseits teilte uns der Vorstand mit, dass er unsere Stellungnahme nicht veröffentlichen wolle.
Als Begründung führte er an, dass sich unsere Stellungnahme „insbesondere kritisch mit der veröffentlichten Auswertung und den Abläufen innerhalb der ehemaligen KONTEXT-AG auseinander“ setze, darüber hinaus sähe er „jedoch keinen wesentlichen zusätzlichen Beitrag zur Frage, wie KONTEXT künftig gestaltet und weiterentwickelt werden soll“. Und weiter: „Wir möchten die offiziellen Verbandsseiten nicht zu einem Ort werden lassen, an dem unterschiedliche Beteiligte ihre Auseinandersetzungen über weitere Stellungnahmen fortführen“.
Nun ist von einer kritischen Auseinandersetzung mit den Abläufen innerhalb der Kontext-AG in unserer Stellungnahme gar keine Rede, abgesehen davon, dass der Text von Constanze Latussek in der Kontext-AG explizit nicht autorisiert wurde. Auch ging es uns ausschließlich um die Klarstellung von einigen ihrer Behauptungen, die durch die Veröffentlichung auf der DGSF-Website ein öffentliches Gepräge erhalten und daher auch öffentlich nicht unwidersprochen bleiben können. Was den Vorstand bewegt, eine Veröffentlichung unserer Stellungnahme zu verweigern, gleichzeitig aber an der von uns kritisierten öffentlichen Darstellung der „Ergebnissen der Kontext-Umfrage” festzuhalten, bleibt uns ein Rätsel. Womöglich ein Beispiel für das neue Verständnis von Allparteilichkeit im Verband.
Zur Information also hier unsere…
Stellungnahme zum Text von Constanze Latussek (vom 21.9.2026)
Wir, Andrea Goll-Kopka, Barbara Kuchler, Tom Levold und Wolf Ritscher, distanzieren uns nachdrücklich von den angeblichen „Ergebnissen der Kontext-Umfrage”, die auf der DGSF-Website unter dgsf.org/service/kontext/ergebnisse-der-kontext-umfrage von Constanze Latussek veröffentlicht wurden.
Wir haben in der Kontext-AG, die mittlerweile aufgelöst worden ist, an der Erstellung und Auswertung der Fragebogenaktion teilgenommen und möchten klarstellen, dass es sich hier um eine nicht mit der Kontext-AG abgestimmte, in Teilen falsche und tendenziöse Darstellung handelt, die von der Kontext-AG nicht autorisiert wurde.
Die Befragung wurde nicht, wie im Text dargestellt, von zwei Einzelpersonen konzipiert, sondern von der gesamten Kontext-AG beschlossen, monatelang kontrovers diskutiert und gemeinsam verantwortet. Sie richtete sich zudem nicht, wie behauptet, an „alle Verbandsmitglieder”: Es gab keine Ankündigung im Kontext bzw. die DGSF-Mitteilungen im Heft, nur eine späte Ankündigung per Newsletter sowie über das Online-Forum BeUnity. Das resultierende Panel von 276 Personen entspricht rund 2 Prozent der Mitgliedschaft und ist damit nicht repräsentativ. Davon, dass man nun wisse, was die Mitglieder „wirklich denken“, kann keine Rede sein.
Auch die inhaltliche Auswertung ist irreführend. Die qualitativen Antworten wurden ohne nachvollziehbares Kodierschema mittels eines einfachen KI-Prompts kategorisiert. Eine von uns unabhängig durchgeführte Auswertung mit demselben Prompt und Modell kam zu deutlich abweichenden Ergebnissen: Bei der Frage zu Gestaltung und Sprache etwa ergaben sich rund 34 Prozent positive und 15 Prozent negative Antworten, während der veröffentlichte Text 51,4 Prozent negative gegenüber 26,4 Prozent positiven Rückmeldungen berichtet – ein gegenteiliges Bild. Diese Diskrepanz zeigt, dass die veröffentlichten Zahlen nicht auf einer belastbaren, nachvollziehbaren Methodik beruhen und eine ungeprüfte Delegation an eine KI keine akzeptable Auswertungsmöglichkeit darstellt.
Der Text blendet außerdem positive Befunde systematisch aus. So bleibt unerwähnt, dass 52,5 Prozent der Befragten die Zeitschrift regelmäßig oder intensiv lesen oder darüber hinaus sie für berufliche beziehungsweise für Lehrzwecke nutzen. Kritische Formulierungen wie „Bleiwüste” werden als “besonders beliebt” dargestellt, obwohl sie in nur 6 von 276 Antworten (rund 2 Prozent) vorkommen. Auch die Aussage, die Mitglieder wünschten sich „weniger Theorie um der Theorie willen”, ist durch die Fragestellung nicht gedeckt: Erhoben wurde lediglich die persönliche Relevanz von Themen, nicht ein Wunsch nach weniger Theorie.
Der Text war ursprünglich für eine Veröffentlichung im Kontext-Heft vorgesehen. Auf der letzten Sitzung der Kontext-AG wurde jedoch entschieden, dass weder die zugrunde liegende KI-Auswertung noch der Text selbst in dieser Form autorisiert werden. Dass er dennoch, ohne erneute Rückkoppelung mit der AG, auf der DGSF-Website veröffentlicht wurde, widerspricht diesem Beschluss.
Die berechtigten Anliegen der Befragten – mehr Praxisbezug, zugänglichere Sprache, mehr Beteiligung – werden durch diese Vorgehensweise nicht angemessen repräsentiert, sondern für eine vorab feststehende Position instrumentalisiert. Eine seriöse, nachvollziehbare Auswertung der Umfrage steht damit weiterhin aus.
Besagter Text von Constanze Latussek ist in einem Schreibstil verfasst und enthält Formulierungen, die mir aus ChatGPT sehr vertraut klingen. „Honi soit qui mal y pense“. Ich verfolge diese Entwicklung in der DGSF seit einiger Zeit „von außen“ und habe den Eindruck, dass es hier um eine Machtübernahme geht. Ein Subsystem versucht, die Deutungshoheit durchzusetzen. Auch mit dem Mittel der Meinungszensur. Das steht aus meiner Perspektive diametral zu den zentralen Grundannahmen der systemische Lehre.
„Als Begründung führte er an, dass sich unsere Stellungnahme ‚insbesondere kritisch mit der veröffentlichten Auswertung und den Abläufen innerhalb der ehemaligen KONTEXT-AG auseinander setze‘, darüber hinaus sähe er jedoch keinen wesentlichen zusätzlichen Beitrag zur Frage, wie KONTEXT künftig gestaltet und weiterentwickelt werden soll‘. Und weiter:
‚Wir möchten die offiziellen Verbandsseiten nicht zu einem Ort werden lassen, an dem unterschiedliche Beteiligte ihre Auseinandersetzungen über weitere Stellungnahmen fortführen.“
Ich habe den Eindruck, dass sich inzwischen manches in der DGSF in bedenklicher Art entwickelt. Es hat immer Auseinandersetzungen innerhalb der DGSF gegeben, die zuweilen auch mit harten Bandagen, aber letztlich immer produktiv geführt wurden. Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass die gegenwärtige DGSF nccht mehr jene DGSF ist, in die ich vor langer Zeit eingetreten bin und über viele Jahre die Fachgruppe „Systemische Seelsorge“ geführt habe.